Erstein Eine junge Kunstszene zeigt sich

"Gesundheit unter Beschuss" ist diese Collage von Saima Iita betitelt. Sie ist Teil der Ausstellung "Namibia – Kunst im Wandel" im Museum Würth in Erstein. Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Zu Namibia hat der Unternehmer und Kunstmäzen Reinhold Würth ein besonderes Verhältnis. Das zeigt sich in einer Ausstellung, die in Erstein eröffnet wurde. Sie widmet sich der jungen Kunstszene des im Süden Afrikas gelegenen Landes.

Erstein. Namibia ist für Reinhold Würth längst nicht nur ein faszinierendes Reiseland, das er seit vielen Jahren immer wieder besucht. Er zählt auch zu den wichtigen Förderern der noch jungen Kunstszene. Das Museum Würth, im elsässischen Erstein zeigt nun eine Ausstellung mit rund 150 Arbeiten von fast 40 Künstlern.

Es geht natürlich vor allem um die Kunst Namibias, die künstlerischen Positionen einer Generation, die nach der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1990, voller Selbstbewusstsein an die Öffentlichkeit getreten ist. Die aktuelle Ausstellung im Museum Würth in Erstein, weckt nicht zuletzt aber auch die Reiselust, die Neugier auf das dünn besiedelte und von Wüsten beherrschte Land an der Grenze zu Südafrika.

Würth hat Namibia bereits in den 1980er-Jahren für sich entdeckt. Das frühere "Schutzgebiet" des deutschen Kaiserreiches, seine Tier- und Pflanzenwelt, die ursprüngliche und majestätische Gewalt der Landschaft hätten ihn vom ersten Augenblick an fasziniert und in den Bann gezogen. Der leidenschaftliche Kunstsammler hatte seine Fühler aber schnell auch in eine ganz andere Richtung ausgestreckt. Er hat seine Aufmerksamkeit der jungen, seit der Unabhängigkeit aufblühenden Kunstszene Namibias gewidmet und zahlreiche Arbeiten in seine Sammlung aufgenommen. Nach einer ersten Ausstellung 2016 in Künzelsau hat der Unternehmen sein Namibiadepot nun weitgehend leegeräumt, um in Erstein das ganze Spektrum der namibischen Kunst zu präsentieren. Das umfasst mehr als 150 Arbeiten.

Eine bunte, vielschichtige Zusammenstellung

Herausgekommen ist eine bunte und ungemein vielschichtig angelegte Kunstmanifestation, die Malerei, Fotografie und Plastik zusammenführt. Sie wartet mit Materialbildern auf, mit kunstvoll gearbeiteten Quilten und Recyclingbildern, diversen Drucktechniken. Sie öffnet den Blick zurück auf die Tradition und die wechselvolle Geschichte Namibias. So ist die Kolonialzeit ebenso gegenwärtig wie die Auseinandersetzung mit der modernen Konsumgesellschaft, den Verwerfungen einer Welt im Umbruch.

Der rote Sportwagen neben der Wellblechhütte, das Kunstwerk aus Getränkedosen und Kronenkorken, das Aufeinanderprallen einer modernen Großstadtkulisse und den ärmlichen Hütten der Slums, gehören ebenso dazu wie die künstlerische Reflexion des kolonialen Erbes und seiner Bauwerke. Auf dem halben Weg zwischen traditioneller Konvention und zeitgenössischer Erforschung stechen nicht zuletzt die Fotografien von Nicola Brandt, der wohl bekanntesten Vertreterin der jungen Generation namibischer Künstler hervor.

Die Fotografin hat mit ihrem ganz eigenen Blick durch das Objektiv der Kamera Relikte der Kolonialzeit eingefangen, den Zauber der Landschaft und der Natur, aber auch die Spuren einer rücksichtslosen Ausbeutung von Bodenschätzen.

In ihrer Gesamtheit reflektiert die Ausstellung die Entwicklung der namibischen Kunst seit der Unabhängigkeit 1990. Sie zeigt auf, wie klassische Kunstströmungen über eine afrikanische Sichtweise reflektiert werden, wie mannigfaltige Formen des künstlerischen Ausdrucks auf die Faszination einer atemberaubenden Landschaft und sowie oft politischen Positionen einer selbstbewussten Künstlergeneration treffen. Am Ende stehen dann Reiseeindrücke, die Würth selbst mit der Kamera eingefangen hat und die von Frans Nambinga gemalten Ferienflieger auf dem "Hosea Kutako International Airport". Was dann noch bleibt ist der Epilog des Elsässers Raymond E. Waydelich, der einige Exponate aus dem Fundus zeigt.

Die Ausstellung "Namibia – Kunst einer jungen Generation", ist bis zum 26. Mai im Museum Würth in Erstein zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag jeweils 10 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 18 Uhr.

Weitere Informationen: www.musee-wurth.fr

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