Ermittler haben Jugendlichen im Visier 400.000 Euro Schaden nach Kita-Brand

Einsatzort – und auch Tatort? Die Polizei hat die Kappeler Kita St. Cyprian und Justina nach dem Brand am frühen Donnerstagmorgen abgesperrt. Möglicherweise hat die Zündelei eines Jugendlichen das Feuer verursacht. Kriminaltechniker sollen bei der Aufklärung helfen. Foto: Ullrich

Kappel - Die katholische Kita in Kappel ist nach einem Feuer Donnerstagfrüh nicht mehr nutzbar. Die Kinder werden in anderen Räumen untergebracht. Die Polizei geht derzeit von Brandstiftung aus – und hat auch schon einen Verdächtigen.

Lob für die Feuerwehr, schnelles Handeln von Gemeinde und Kirche und ein rascher erster Ermittlungserfolg der Polizei – so lässt sich die Situation nach dem Brand des Kindergartens St. Cyprian und Justina in Kappel zusammenfassen. Ein Überblick.

Der Einsatz: Um 3.55 Uhr am frühen Donnerstagmorgen wurde der Feuerwehr ein Mülltonnenbrand in der Straße Neuritti gemeldet. "Vor Ort stellte sich heraus, dass die Flammen bereits auf das Dach am Seiteneingang des dortigen Kindergartens übergegriffen hatten", erklärt Kappel-Grafenhausens Neu-Kommandant Timo Hilß im Gespräch mit der LZ. Sofort wurde Vollalarm ausgelöst und die Drehleiter der Feuerwehr Rust angefordert.  Anders als von der Polizei zunächst gemeldet konnten die 50 Wehrkräfte einen Vollbrand des Gebäudes verhindern. Hilß: "Wir haben die Flammen von innen und außen bekämpft, nach etwa einer halben Stunde hatten wir die Lage unter Kontrolle." Dafür gab es Lob von Bürgermeister Jochen Paleit: "Die Kameraden haben einmal mehr ihre enorme Schlagkraft unter Beweis gestellt."

Der Schaden: Weil das Feuer laut Hilß in die Zwischendecke "gewandert" war, mussten die Einsatzkräfte die Dachhaut öffnen, um an den Brandherd zu gelangen. Ein Ausbreiten der Flammen konnte so verhindert werden, nicht aber dass sich der Rauch im ganzen Gebäude verteilte. Die Folge: Die Kita ist bis auf Weiteres nicht nutzbar. Die Polizei beziffert den Schaden mit 400 000 Euro.

Die Kinder: Für rund 60 Kinder musste am Donnerstagmorgen eine schnelle Lösung gefunden werden. Was der Gemeinde gemeinsam mit dem Kita-Träger, der Seelsorgeeinheit Rust, gelang, wie Rathauschef Paleit erklärt: "Eine Gruppe wird im Jugendzentrum betreut, eine im Pfarrheim St. Jakobus und eine im Grafenhausener Bürgersaal." Das Positive aus Sicht des Bürgermeisters: "Dass das Feuer nachts ausbrach und somit niemand verletzt wurde."

Der Verdacht: Die Polizei vermeldete bereits am Donnerstagvormittag einen Ermittlungserfolg: "Der Hinweis eines Zeugen und die unmittelbar eingeleitete Fahndung durch die alarmierten Ermittler führte kurz nach dem Brandausbruch zur Kon­trolle eines verdächtigen Jugendlichen." Der Junge habe den Mülltonnenbrand bei der Leitstelle gemeldet und soll sich unmittelbar vor Ausbruch des Feuers in der Nähe der Kita aufgehalten haben. Zwei ebenfalls minderjährige Begleiterinnen gelten als Zeuginnen, so Polizeisprecher Rüdiger Schaupp auf LZ-Nachfrage. Nähere Infos wollte der Beamte mit Verweis auf den Persönlichkeitsschutz nicht geben.

Der Ausblick: Sanierungsumfang und -dauer der Kita soll nun ein Gutachter klären, sagt Rathauschef Paleit. Man habe bereits Kontakt zu einem Fachbüro aufgenommen. Dank des Neubaus der Kita Taubergießen, die zum kommenden Kindergartenjahr in Betrieb gehen soll, sei die Gemeinde "in der glücklichen Lage, auch mittel- oder langfristig Räume im Ort zur Verfügung zu haben".

Info - Eine Serie?
Das Feuer in der Kita St. Cyprian und Justina in Kappel reiht sich in eine Serie mysteriöser Brandfälle in der Gemeinde. Ende April brannten in Grafenhausen innerhalb weniger Minuten 50 Strohbälle und ein Schopf, knapp zwei Wochen zuvor war bei der Kläranlage in Kappel ein Lager mit 30 Ster Holz vernichtet worden. Weder Bürgermeister Jochen Paleit noch Kommandant Timo Hilß wollten sich gegenüber der LZ zu einem möglichen Zusammenhang äußern.

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