Erfindung aus Ettenheim Brände löschen mit Jet-Triebwerk

Die "Jet-Box" – hier auf einem Einsatzfahrzeug montiert – kann auch zum Niederschlagen und Auswachsen von Gaswolken bei Unfällen im Bereich der petrochemischen Industrie zum Einsatz kommen. Foto: Dicosy

Ettenheim - Feuerwehrleute riskieren nicht selten ihre Gesundheit. Im Einsatz soll die Gefahr schnell gebannt, das Risiko aber gering gehalten werden. Das Ettenheimer Unternehmen Dicosy hat für solche brenzlige Situationen eine Lösung parat.

Bei ihren Einsätzen helfen soll den Wehrleuten in Zukunft die auf die Einsatzfahrzeuge montierbare "Turbo Hydro Jet-Box" (THJ-Box): Mit einer Antriebskraft von rund 3.000 Pferdestärken soll die Katastrophe so aus sicherer Entfernung beherrschbar gemacht werden. Der laut Hersteller weltweit leistungsstärkste Sprühstrahlwerfer erzielt mit seiner sogenannten Niederschlagsrate von etwa vier bis sechs Litern Wasser pro Minute und Quadratmeter die größtmögliche Wirkung. Die Sprühweite beträgt circa 120 Meter, die Sprühhöhe rund 90 Meter und die Sprührate 600 bis 4.000 Liter – pro Minute.

"Das Arbeiten aus sicherer Distanz ist damit möglich, Personen und Ausrüstung können außerhalb des Gefahrenbereichs positioniert werden", erklärt Dicosy-Geschäftsführer Torsten Gerwig. "Dazu kommt ein minimaler Wassereinsatz, der maximale Wirkung erzeugt." Die "Turbo Hydro Jet-Box" kombiniere Triebwerkstechnologie mit Sprühstrahlverfahren. Ein ziviles Mantelstromtriebwerk und zwei handelsübliche Sprühstrahlmonitoren sind in einer geschlossenen Box in Containerbauweise konzipiert. Dort sind auch alle energietechnischen Aggregate integriert und arbeiten autark.

Im Vergleich zu den konventionellen Löschsystemen benötige das Verfahren bei gleicher Wirkung bis zu zwei Drittel weniger Löschwasser und produziere damit auch zwei Drittel weniger Abwasser, wirbt das Unternehmen.

"Jet-Box" versprüht bis 4.000 Liter pro Minute

"Wir erreichen schon Super-Ergebnisse mit 600 bis 1.200 Litern", betont Gerwig. Triebwerk, Wassermonitore, Durchfluss, Druck und die Geometrie seien laut Hersteller exakt aufeinander abgestimmt. "Ist die Oberfläche kleiner, respektive die Tröpfchen größer, werden diese zu schwer und die Reichweite geht verloren. Sind die Tröpfchen kleiner, verdampfen sie, bevor sie im Zielbereich aufgebracht werden können", erklärt der Firmenchef.

Die Brandbekämpfung ist aber nur ein Anwendungsgebiet. Die THJ-Box, die im betankten Zustand 4.500 Kilogramm auf die Waage bringt, sei ein Tausendsassa. In der chemischen und petrochemischen Industrie habe sich die Technologie bereits bewährt. Zum Einsatz kommt das System dort vorwiegend zum Kühlen und Sichern von Anlagen, zum Niederschlagen und Auswaschen von freigesetzten Gaswolken, sowie zur Riegelstellung und Druckbelüftung von Produktionshallen, heißt es von Dicosy.

Die Bekämpfung von Waldbränden mit Hilfe eines Wasservorhangs sei ebenso möglich wie der Einsatz in nuklearen Anlagen als taktisch-operative Einheit zum Auswaschen von wasserlöslichen Teilchen. Auch bei der Belüftung von Tunneln könne das System zum Einsatz kommen. "So ist mit der sofortigen Erzeugung eines Überdrucks, ein kontrolliertes Ausblasen von Rauch und Wärme in eine bestimmte Richtung möglich", so die Erklärung des Unternehmens. Und ein Beimischen von unterschiedlichen Zusatzstoffen wie Schaum, Gel oder Desinfektionsmitteln sei möglich.

Technologie soll auf den Weltmarkt kommen

"Unsere Vision ist, dass die THJ-Box in zehn Jahren weltweit zur Standardausrüstung professioneller Feuerwehren gehört", teilt Dicosy mit.

Das Unternehmen Dicosy (kurz für Disaster Control System) wurde 2013 in der Schweiz aus der Taufe gehoben. Bereits ein Jahr später wurde ein Kooperationsvertrag mit der Firma Zikun-Fahrzeuge – Hersteller des "Turbolöschers" – unterzeichnet. Gemeinsam wollte man diese Technologie weiterentwickeln, herstellen und auf dem Weltmarkt positionieren. Nach der Zikun-Insolvenz 2017 erwarb Dicosy 2019 die Rechte und das Wissen rund um die "Turbolöscher-Technologie".

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