Ende nach 60 Jahren Parfümerie Schrempp in Wolfach schließt für immer

Aline Fischer

Nach rund 60 Jahren ist nun Schluss: Sandra Kastner hat ihre Parfümerie in Wolfach aufgegeben. Es sei ein langer Prozess gewesen, erzählt sie und erläutert im Gespräch mit unserer Redaktion die Hintergründe für ihre Entscheidung.

Vor 60 Jahren hat alles mit dem Geschäft der Eltern angefangen, seit Ende vergangenen Jahres ist damit nun Schluss. Sandra Kastner hat ihre Parfümerie Schrempp in Wolfach in der Vorstadtstraße im Dezember für immer geschlossen. Sie will sich nun auf ihren zweiten Laden, die Katze in Haslach, konzentrieren. "Es gab nicht den einen, sehr großen Grund, sondern es waren mehrere Faktoren für die Aufgabe entscheidend", sagt sie.

Auch Corona hat die Lage natürlich nicht verbessert

Der Einzelhandel habe sich seit Jahren verändert, der Online-Handel immer mehr zugenommen und das, obwohl die Parfümerie sowieso schon immer eine schwierige Branche gewesen sei. "Von den Lieferanten bis zum Umsatz, bei dem es überraschend schlechte Spannen zwischen Einkauf und Verkauf gibt, ist es schwierig, so einen Laden in einem kleinen Ort halten zu können", erzählt die 54-Jährige. Auch Corona habe die Lage natürlich nicht verbessert und so sei ihre Entscheidung mit Beginn des ersten Lockdowns immer klarer geworden. "Zwischendrin mussten wir ja auch fast neun Monate lang zumindest die Kosmetikbehandlungen aussetzen. Da wir viel auf Dienstleistungen gesetzt haben, war das nicht einfach für uns." Da ihr Geschäft als Drogerie zählt, dürfe sie auch im Falle eines Lockdowns zumindest weiterhin Parfüm, Lippenstift, Make-Up und andere Kosmetikprodukte verkaufen.

Laden lebt von der Stammkundschaft

Auch jetzt lebe ihr Laden von Stammkunden und damit diese erst einmal auf den Laden aufmerksam würden, müsse man auch gesehen werden. Da sei die Lage mitten in der Haslacher Innenstadt, gegenüber vom Spielzeuggeschäft Aberle und dem Schuhgeschäft Absatz, viel besser, betont Kastner. Viele ihrer Wolfacher Kunden wollen künftig auch in die Haslacher Filiale kommen, die Kastner seit 2009 betreibt. "Da geht einem schon das Herz auf, wenn man solche Unterstützung erfährt. Dafür bin ich unendlich dankbar", sagt sie.

Wolfacherin hat Geschäft von Eltern übernommen

Als Wolfacherin, die das Geschäft von ihren Eltern übernommen hat, sei ihr die Schließung der Filiale im Heimatort natürlich schwer gefallen. "Seit ich laufen kann, bin ich schon mit im Geschäft gewesen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich in den Betrieb mit einsteige und ich würde es trotzdem jederzeit wieder tun", so Kastner. Mit der Entscheidung, den Standort in Wolfach aufzugeben, habe sie nun Frieden geschlossen, "aber Wehmut schwingt trotzdem mit."

Für den Standort Haslach habe sich Kastner entschieden, weil das Einzugsgebiet dort größer und die Lage mitten in der Innenstadt besser sei. "In Wolfach war die Parfümerie in der Vorstadtstraße und damit eher abgelegen. Das war auch für die Lieferanten schlecht, denn die erwarten ein Einzelhandelsumfeld."

Kastner glaubt trotz allem weiter an den Einzelhandel

Trotz allem glaubt die Ladenbesitzerin fest an die Zukunft des Einzelhandels: "Der Kunde wird immer den Einzelhandel brauchen und auch schätzen. Gerade in meiner Branche sind die meisten von dem Überangebot leicht überfordert und brauchen daher persönliche Beratung und Unterstützung beim Kauf", ist sich Kastner sicher. Corona habe auch das Bewusstsein und Einkaufsverhalten der Menschen geändert, "sie kaufen nun achtsamer ein und viele verspüren wohl nun auch den Wunsch, die Innenstädte lebendig zu halten."

In Haslach möchte die Kosmetikerin nun einerseits auf die Präsenz vor Ort, aber auch auf den Online-Handel setzen. Ab Februar will Kastner ihren eigenen Shop im Internet anbieten, sodass Kunden nicht mehr bei Drogerie-Ketten oder Internetriesen wie Amazon kaufen müssen, sondern auch ohne in den Laden zu gehen den Handel vor Ort unterstützen können.

Gespräche zum Gebäude laufen bereits

Das Gebäude der Parfümerie Schrempp in der Vorstadtstraße 41 in Wolfach ist Eigentum der ehemaligen Betreiberin Sandra Kastner. Aktuell laufen Gespräche mit Interessenten – jedoch nicht mit Einzelhändlern. "Wenn der Standort schon für mich nicht attraktiv war, wird er das auch für andere nicht sein", vermutet Kastner. Mehr will sie über die potenzielle Nutzung nicht verraten, hofft aber, dass der Leerstand in Wolfach nicht allzu lange andauert.