Empörung in Ettenheim Ärger über anonymes Schreiben

Marco Armbruster und Klaus Schade
 Foto: Henning Kaiser

Ein anonymes Schreiben an das Ettenheimer Rathaus hat bei Bürgermeister und Gemeinderäten für Empörung gesorgt. Darin kritisieren – laut eigener Beschreibung – "kritische Bürger" die Impf-Kampagne der Stadt und fordern, die Corona-Tests in Schulen einzustellen.

Ettenheim. Ein anonymes Schreiben an das Ettenheimer Rathaus hat bei Bürgermeister und Gemeinderäten für Empörung gesorgt. Darin kritisieren – laut eigener Beschreibung – "kritische Bürger" die Impf-Kampagne der Stadt und fordern, die Corona-Tests in Schulen einzustellen.

Besonders heikel: Im Fuß des Schreibens, das unserer Redaktion vorliegt, ist "Weiße Rose 2.0 – In Gedanken an Hans und Sophie Scholl" zu lesen. Damit stellen sich die Urheber in eine Reihe mit dem Geschwisterpaar Hans und Sophie Scholl und der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose. Die Geschwister waren 1943 beim Auslegen von gegen das Nazi-Regime gerichteter Flugblätter an der Münchner Universität erwischt, kurz darauf zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. "Kritische Bürger aus dem Ortenaukreis" sind als Absender angegeben.

Als "ungeheuerliches Pamphlet" bezeichnete Münchweiers Ortsvorsteherin und FWV-Gemeinderätin Charlotte Götz in der Dienstagsitzung des Gemeinderats den Brief. Auch Bürgermeister Bruno Metz stufte die Aktion als "Anmaßung, die mich einfach nur noch anekelt" ein.

Rede von "Corona-Diktatur" und "Körperverletzung durch Tests und Masken"

Adressiert sei das Schreiben an "Bürgermeister und Gemeinderäte" gewesen, erklärt Metz im Nachgang der Sitzung unserer Redaktion. Daher hatte er es auch an die Gremienmitglieder weitergeleitet. An das eigentliche Schreiben seien "sogenannte Gutachten zu verschiedenen Themen" angehängt gewesen. Es sei unter anderem die Rede von "Corona-Diktatur" und von "Körperverletzung durch Tests und Masken". Angesichts der Brief-Inhalte sei er mit den Gemeinderäten übereingekommen, das Schreiben der Kriminalpolizei zukommen zu lassen.

Die habe mittlerweile einen vorläufigen Ermittlungsbericht an die zuständige Staatsanwaltschaft Freiburg weitergeleitet, berichtet Polizeisprecher Rüdiger Schaupp im Gespräch mit unserer Zeitung. Dieser obliege nun die Prüfung, ob es sich um einen strafbarer Inhalt handele.

Die Gemeinderäte Thomas Dees (FWV), Klaus Vögele (SPD) und Marion Fleig (FLE) wünschten sich angesichts des Schreibens ein geschlosseneres Vorgehen der Ortenauer Kommunen gegenüber den als "Spaziergänge" getarnten Demos von Gegnern der staatlichen Corona-Maßnahmen. Sie wünsche sich auch mehr Schutz der Ehrenamtlichen, die in diesen Aktionen angegriffen würden, so Fleig.

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