Eltern gegen Gemeinde Ärger um entlassene Erzieherin

Julia Göpfert
Die neugebaute Kita Taubergießen in Kappel: Die Sickergrube in der Nähe des Eingangs ist aus Elternsicht ein Sicherheitsrisiko für die dort betreuten Kinder. Foto: Decoux-Krone

Die Entlassung einer Erzieherin, die Versetzung einer weiteren sowie Sicherheitsbedenken erzürnen derzeit die Eltern der Kinder in der Kappeler Kita Taubergießen. Nun planen sie, sich mit einem offenen Brief an den Gemeinderat zu wenden.

"Die Eltern von den Kindern aus der Kita Taubergießen sowie der Elternbeirat fordern von Ihnen eine persönliche Stellungnahme zur aktuellen Situation bezüglich der Kündigung einer Erzieherin und der Versetzung einer weiteren. Aus Sicht der Kinder und Eltern sind diese Entscheidungen weder nachvollziehbar noch hinnehmbar", ist in dem Brief zu lesen, den die Eltern, nach dem Einsammeln aller Unterschriften, Bürgermeister Jochen Paleit und dem Gemeinderat von Kappel-Grafenhausen zukommen lassen wollen.

Eltern schätzten entlassene Erzieherin

Dass einer Erzieherin, die "sowohl fachlich als auch menschlich ein Gewinn für jede pädagogische Einrichtung" gewesen sei, gekündigt wurde, könne man nicht verstehen. "Und dass auch noch unvermittelt per Brief, ohne mit ihr zuvor einmal persönlich darüber zu sprechen. Einfach unglaublich, wie unsozial diese Einrichtung geführt wird", ereifert sich ein Elternteil gegenüber der LZ. Explizit fordern die Eltern in ihrem Brief, dass die Kündigung überprüft wird. Denn diese hätte sich aus Sicht der Eltern immer an die konzeptionellen Vorgaben gehalten – diese sogar noch übererfüllt. Auch die plötzliche Versetzung veiner weiteren Erzieherin macht die Eltern wütend und lasse sie auch an der fachlichen Eignung und am Führungsstil der Leiterin der Kita Taubergießen zweifeln.

"Beide Erzieherinnen hatten sich zudem dafür eingesetzt, dass bauliche Mängel an der Kita behoben werden", vermutet ein Elternteil einen Zusammenhang.

Bürgermeister sieht keine Gefahr

Auf diese Mängel habe man von Elternseite den Gemeinderat Tobias Manz bereits hingewiesen. So gehe die Fluchttür nach innen und nicht nach außen auf und werde aktuell zudem von einem Kinderbett verstellt. Von diesen gebe es übrigens nur acht Stück, obwohl die Kleinkinder-Gruppe aus zehn Mitgliedern bestehe. Kabel würden aus der Wand ragen. Die Fenster würden nach innen aufgehen und das auf einer Höhe, auf der sich Kinder leicht an ihnen den Kopf stoßen könnten, wenn sie offen seien. Zudem stelle die Sickergrube vor dem Kita-Eingang eine Gefahr dar: "Wie leicht können die Kinder aus der Kita rennen, in diese fallen und, wenn sie gefüllt ist, in dieser ertrinken", sorgt sich das Elternteil Auch sei die Kita-Zufahrt oft so zugeparkt, dass man sich Sorgen mache, ob die Feuerwehr in einem Brandfall nahe genug herankomme.

Bürgermeister Jochen Paleit erklärt der LZ, er habe sich am 4. Januar selbst ein Bild von der Lage in der Kindertagesstätte Taubergießen gemacht. "Es ist dort keine Gefahr in Verzug. Von baulicher Sicht aus geht für die Kinder keine Gefahr aus", macht er deutlich.

Und wie sieht es mit Entlassung der Erzieherin aus? "Zu Personalien werde ich aus arbeitsrechtlichen Gründen nichts sagen. Aber: Die Entlassung hatte nichts mit der Art und Weise des Neubaus zu tun", betont Paleit. Zudem ergänzt er: "Die Leiterin genießt das vollste Vertrauen von mir und allen Mitarbeitern." Am vergangenen Donnerstag hat es auch ein Gespräch zwischen Eltern, Bürgermeister und Leiterin gegeben. Gebracht hatte das aus Sicht der Eltern jedoch offensichtlich nichts. Die Elternvertreter fühlen sich weiter nicht gehört und fordern Paleit in ihrem Brief dazu auf, zu beweisen, dass ihm die Kinder der Gemeinde am Herzen lägen, wie er es ihnen im Willkommensbrief in der Kindertagesstätte im September versprochen habe.

Zur Kita

Die Kappeler Kindertagesstätte Taubergießen wurde im August 2021 fertiggestellt und ab 1. September in Betrieb genommen. 2018 hatte der Gemeinderat ihren Bau beschlossen, dann war es an die Standortsuche und die Vorplanungen gegangen. Die Bauzeit betrug anderthalb Jahre, die Kosten 3,2 Millionen Euro. Die Kindertagesstätte verfügt über 714 Quadratmeter Nutzfläche, darunter drei Gruppenräume, Schlafräume, Elternzimmer, Leiterinnenbüro und Bistro als Mehrzweckraum. In der Kita Taubergießen können 55 Kinder ab drei Jahren bis zur Schulreife sowie zehn Kleinkinder bis zu drei Jahren betreut werden.

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