50 Jahre Eingemeindung Fast nur Vorteile für Hugsweier

Jonas Köhler

Es gab einige Vorbehalte, doch die Bürger bereuten die Entscheidung nicht: Seit 50 Jahren ist Hugsweier ein Stadtteil von Lahr. Die LZ blickt im Gespräch mit dem Ortsvorsteher auf die Entwicklung des Orts seit der Eingemeindung zurück.

Lahr - In der kleinsten Gemeinde, die sich 1972 mit Lahr zusammenschloss, gab es die meisten Stimmen gegen die Eingemeindung. Sieben zu vier lautete das Abstimmungsverhältnis im Gemeinderat (63,6 zu 36,4 Prozent). Das spiegelte das Ergebnis der Bürgerbefragung gut wider. 64 Prozent hatten sich darin für den Zusammenschluss ausgesprochen. "Es gab zwei Gruppen: Die SPD war für den Zusammenschluss, die Konservativen waren dagegen" erinnert sich LZ-Mitarbeiter und Zeitzeuge Alfred Arbandt im Gespräch mit unserer Redaktion.

"Man hat gemerkt, dass die Hugsweierer sich schwer tun. Sie waren durch die Flugplatzgeschichte geschädigt", schildert Arbandt die damalige Stimmungslage. 1952 musste Hugsweier rund 200 Hektar seiner Gemarkung für den Bau des Flugplatzes abgeben. Doch die Hugsweierer hatten "im Prinzip keine andere Wahl", so Arbandt. Im Jahr 1975 wäre eine Zwangseingemeindung erfolgt. Mit dem freiwilligen Anschluss konnte man immerhin die finanziellen Vorteile – die Stadt Lahr lockte mit 600.000 Mark – mitnehmen. Da die Gemeinde "finanziell ziemlich am Ende" war, da die Kanalisation viel Geld gekostet hatte, war die Eingemeindung letztlich "der einzig richtige Weg", so Arbandt.

Dies sah letztendlich auch Hugsweiers damaliger Bürgermeister David Schieni so. Er hatte in einer Bürgerversammlung im Jahr 1971 erklärt, dass es ihm "nicht leicht gefallen" sei, als letzter Bürgermeister in der tausendjährigen Geschichte des Orts für die Eingliederung zu stimmen. Um jedoch das Beste für den Ort und dessen Einwohner herauszuholen, habe er sich für den Zusammenschluss entschieden, hieß es in der Lahrer Zeitung.

Schon bald sollte Hugsweier vom Zusammenschluss profitieren. Als 1974 das Sportheim abbrannte, war die Unterstützung der Stadt wichtig. Ein Jahr später wurde schließlich die Schutterlindenberghalle fertiggestellt.

Auch wenn der grundlegende Tenor gegenüber der Stadt Lahr weiterhin positiv blieb, gab es doch immer wieder ein paar Punkte, an denen Hugsweier zu knabbern hatte. Eine Übersicht, die 1997 zur 25-Jahr-Feier der Eingemeindung veröffentlicht wurde, präsentierte die Investitionen der Stadt in die einzelnen Stadtteile. Hugsweier kam dabei mit rund acht Millionen Mark von insgesamt knapp 115 Millionen Mark am schlechtesten weg. Zwar ist Hugsweier der kleinste Stadtteil, jedoch bekamen andere Dörfer auch im Verhältnis zu der Einwohnerzahl mehr Geld. Auch dass derzeit im Lahrer Gemeinderat kein Hugsweierer als stimmberechtigtes Mitglied vertreten ist, drückt im Ort auf die Stimmung.

Heute zählt Hugsweier 1530 Einwohner. Der Stadtteil hat sich inzwischen zu einem reinen Wohnort entwickelt. "Viele wissen nicht einmal, dass wir früher eigenständig waren", erzählt Ortsvorsteher Georg Bader. Er ist sich sicher: "Uns geht es mit der Eingliederung besser". "Man kann sich hier wohlfühlen", sagt der 56-Jährige, der im Ort aufgewachsen ist. Das zeigten die bis zu 50 Bauanfragen, die für einen Bauplatz eingegangen seien.

Was Hugsweier zu bieten hat, zeigt Bader bei einem Rundgang durch das Dorf. Viele schöne Plätze gibt es entlang der Schutter, die sich mitten durch den Ort schlängelt und die man auf alten Steinbrücken überqueren kann. Immer wieder trifft man auf Fachwerkhäuser, die die optischen Highlights eines gemütlichen Ortsbilds sind.

Für alle, die sich selbst ein Bild von Hugsweier machen möchten und dabei etwas über dessen Geschichte lernen wollen, gibt es den "Historischen Rundweg". Dieser führt zu markanten Stellen des Stadtteils und bietet auf zwölf Stelen kurze Informationen, die Historiker Walter Caroli zusammengestellt hat. Weiterführende Informationen und Bilder kann man abrufen, indem man an der jeweiligen Stele den QR-Code einscannt.

Besonders stolz ist Bader auf die Erweiterung des evangelischen Kindergartens im Ort, die im vergangenen Jahr fertiggestellt wurde. Für 1,25 Millionen Euro ist der "Farbkleks" erweitert worden, sodass nun 25 weitere Kinder betreut werden können.

Auch an Freizeitmöglichkeiten hat Hugsweier einiges zu bieten. Vom Kirchenchor über den Kulturkeller Koffer bis hin zum Vereinssport mit Leichtathletik, Turnen, Faustball und Sportkegeln – all das ist im Stadtteil möglich. Und dennoch hat der Ortsvorsteher noch einiges auf der Wunschliste für sein Dorf. So könnte die ÖPNV-Anbindung nach Lahr noch besser sein. Auch eine weitere Brücke über die Schutter, die vor allem Lastwagen zur Rubin-Mühle bringen soll, wünscht sich Bader weiterhin, um die Ortsdurchfahrt zu entlasten.

Bader sieht auch dahingehend Potenzial, dass der Ort weiter wachsen könnte. Zusätzlich zur Innerortsverdichtung wünscht er sich, dass die Stadt ein Baugebiet ausweist, um den Bauanfragen gerecht zu werden. "Wir hätten Leute, die hier gerne wohnen würden", so Bader. Mit dem Kindergarten sei man für die Kleinsten gut aufgestellt. Beim Angebot für Jugendliche hapere es jedoch etwas ebenso bei der wohnortnahen Versorgung für die ältere Bevölkerung. Letzteres soll sich mit dem geplanten "Dorv"-Zentrum ändern, für das ein wichtiges Etappenziel erreicht worden ist. Die Summe aller Einlagen liegt nun bei 80.000 Euro.

Info: 50 Jahre Eingemeindung

Im Zuge der Kommunalreform wurden im Jahr 1972 die sieben heutigen Lahrer Stadtteile, die bis dahin eigenständige Gemeinden waren, in die Stadt eingegliedert. Die Lahrer Zeitung blickt in einer Serie auf den Prozess der Eingemeindung zurück und stellt die Entwicklung der einzelnen Stadtteile seit 1972 dar.

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