Demo gegen Europa-Park Angst vor Seilbahn durch die Hintertür

Julia Göpfert

Weit mehr als 100 Franzosen und Deutsche haben am Sonntag gegen den Bau des "Europa-Valley" im elsässischen Diebolsheim protestiert. Auch beim Europa-Park hatten die Demonstranten ihre Meinung kund getan.

Rust -"Ich bin noch immer ganz überwältigt von der hohen Teilnehmerzahl und den Ereignissen bei der Demonstration am Sonntag", erklärt Sonja Kohler-Bellemare von der Bürgerinitiative "Jetzt langt’s" im Gespräch mit der Lahrer Zeitung am Montag. Mehr als 100 Teilnehmer seien es beim Ruster Skaterplatz gewesen, schätzt sie, die bei der Demonstration gewesen sind. Die Schätzungen von BI-Mitglied Axel Moser gehen sogar noch höher. Rund 140 Menschen hätten bereits beim Startpunkt in Rhinau demonstriert – davon mehr als die Hälfte Deutsche. Mit dem Rad sei es dann per Fähre hinüber nach Kappel gegangen, wo sich der Demonstration gegen 14.30 Uhr noch einmal gut 40 Teilnehmer angeschlossen hätten, bevor es zum Skaterplatz weitergegangen sei. Allerdings seien einige der Demonstranten in Rhinau geblieben, schränkt Kohler-Bellemare ein.

So oder so sei die Demonstration jedoch ein großer Erfolg gewesen – die Erwartungen der Organisatoren seien bei Weitem übertroffen worden. Gerechnet habe man mit rund 50 Teilnehmern. Auch Moser spricht von einem "tollen, tollen Erfolg", mit dem man so nicht gerechnet habe. Vor allem, dass so viele Ruster mitgemacht haben, hätte ihn gefreut. Denn jahrelang wäre dort Kritik am Europa-Park verpönt gewesen.

Angst vor "Seilbahn durch die Hintertür"

Die Demonstration am Sonntag wurde von den französischen Aktivisten der "Le chaudron des alternatives" ("Kessel der Alternativen") ins Leben gerufen. Die Ruster BI "Jetzt langt’s", die sich seit 2021 mit den Elsässern austauscht, hatte zwei Wochen vor der Demo beschlossen, sich dieser aus Solidarität anzuschließen. "Es war unsere erste Demonstration und ganz schön stressig, das alles so schnell zu organisieren", erklärt Kohler-Bellemare stolz.

Gegen was wurde aber eigentlich demonstriert? In erster Linie gegen das geplante "Europa-Valley" – und die geplante Seilbahn. Das "Europa-Valley" soll auf der linken Rheinseite nur fünf Kilometer westlich von Rust zwischen Diebolsheim und Sundheim entstehen. Auf 150 Hektar soll die Ferienanlage Hotels und Hütten im elsässischen Stil sowie Verkaufsstellen für regionale Produkte bieten. "Das bedeutet, dass Hunderte Autos täglich über die Grenze zum Europa-Park wollen", folgert Kohler-Bellemare. Und dieses Verkehrschaos würde dem Park dann den Boden bereiten, sein auf Eis gelegtes Seilbahn-Projekt doch noch zu verwirklichen. "Denn was bietet sich dann für den Europa-Park besser an, um dieses von ihm selbst verursachte Problem zu lösen? Die Seilbahn über das Naturschutzgebiet Taubergießen. So werden wir dann ›die Seilbahn durch die Hintertür‹ bekommen", befürchtet Kohler-Bellemare.

Kritik am Ressourcen-Verbrauch des Parks

Außer ihrer Kritik gegen diese beiden Hauptprojekte hat die BI auch ihre anderen Probleme mit dem Park thematisiert. Auf der einen Seite bringe er der Region Arbeitsplätze, Umsatz und Gewerbesteuereinnahmen, auf der anderen Seite verbrauche er aber auch deren Ressourcen. "Wir wollen nicht, dass der Europa-Park zurück auf null fährt, aber wir wollen einfach, dass er in Zukunft nicht noch mehr Energie, Wasser, und Fläche verbraucht sowie dass Verkehr und Lärm weiter zunehmen", macht Moser deutlich. "Um etwa das Beispiel Wasserverbrauch zu nennen: Die Ressourcen des Oberrheingrabens gehören nicht dem Park oder einzelnen Bürgern, sie gehören der Allgemeinheit. Und in Zeiten der Dürre und versiegender Quellen kann es sein, dass wir dieses Wasser noch brauchen werden – wenn nicht für uns, dann für andere Regionen."

Zur Seilbahn

2018 hatte der Europa-Park eine Seilbahn von Rust ins Elsass geplant, dabei aber nicht den Widerstand von Naturschützern einkalkuliert. Sie kritisierten heftig ein mögliches Überqueren des Naturschutzgebietes Taubergießens auf deutscher sowie der Ile de Rhinau auf französischer Seite. Der Europa-Park hatte sich daraufhin Ende 2018 mit dem Ruster Gemeinderat darauf verständigt, sein Seilbahn-Projekt für fünf Jahre ruhen zu lassen. Wirklich gestorben ist das Projekt aber nie, viele hochrangige Politiker hatten ihre Unterstützung für das Projekt signalisiert.

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