»Darf sich nicht wiederholen« Bericht über Erdbeben durch Geothermie

Marco Armbruster
Die Nutzung der Erdwärme – wie hier bei München – wird im Zuge der Energiewende auch im Oberrheingraben wohl ein Thema bleiben. Foto: Roessler

Die Kommission zur Aufarbeitung der durch Tiefenbohrungen im Elsass ausgelösten Beben hat einen Abschlussbericht vorgelegt. 19 Mal bebte seit November 2019 die Erde. 3000 Schäden an Gebäuden wurden gemeldet – 500 davon im Kreis.

Ortenau - Die Eurometropole Straßburg hatte die "Mission d’Information et d’Evaluation" (MIE) – also die Informations- und Bewertungsmission – im Dezember 2020 beschlossen. Die sollte die von Geothermiebohrungen im elsässischen Vendenheim nördlich von Straßburg ausgehenden Beben und deren Folgen untersuchen. Neben französischen Mandatsträgern und Vertretern von Bürgerinitiativen sowie Behörden war auch eine deutsche Delegation mit an Bord – namentlich unter anderem die Kreisräte Heinz Rith und Offenburgs Alt-OB Edith Schreiber (siehe Info).

Botschaften an die Politik

Den MIE-Abschlussbericht stellte Rith bei der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Technik-Ausschusses seinen Kreistagskollegen vor. "Diese Mission trifft keine Entscheidungen", betonte der Kehler Kreisrat eingangs – die Kompetenz habe nur der Staat. Allerdings wolle man so Botschaften an die Politik senden. Der "entscheidende Bericht" – der durch die Präfektur in Auftrag gegeben wurde – wird erst für März erwartet. Die hatte früh eine eigene Experten-Kommission eingesetzt, weil die Betreiberfirma Fonroche wahrscheinlich die rechtliche Auseinandersetzung suchen werde.

"Man war sich einig, dass die Bohrstelle Vendenheim erledigt ist", fasste Rith zusammen. Das sei auch die Sichtweise der Präfektur. Im Allgemeinen gingen die Meinungen der 30 MIE-Mitglieder jedoch auseinander. So lehne eine Gruppe Geothermie im Großraum Straßburg gänzlich ab. Eine andere zeigte sich mit künftigen Bohrungen bis in mittlere Tiefe einverstanden.

Rund 3000 Schadensmeldungen 

Der Frust sei nichtsdestotrotz bei allen Beteiligten groß. Insbesondere in einer elsässischen Kommune, die alleine 600 Schäden zu verzeichnen hatte, berichtet Rith. Im Zuge des Entschädigungsverfahrens seien insgesamt rund 3000 Schadensmeldungen eingegangen – mehr als 500 davon von deutscher Seite.

Die MIE hatte auch Vorschläge erarbeitet, das französische Bergrecht zu ändern: Dabei geht es um größere Bürgerbeteiligung, unabhängige Sachverständige, die Beteiligung umliegender Kommunen und auch um die grenzüberschreitende Dimension der Vorhaben. "Transparenz, Kommunikation, Beteiligung", fasste Rith die Forderungen zusammen. Die MIE empfiehlt zudem, bei künftigen Projekten die Wärmegewinnung und nicht die Stromproduktion zu favorisieren. Grundsätzlich wolle man alle Phasen optimiert sehen, betont Rith. Ergänzend forderte die MIE einen Territorialen Rat für die Energiewende als Nachfolger der Kommission, der die Entwicklung im Gebiet der Eurometropole begleiten solle.

Induzierte Beben

"Induzierte Beben kann man nicht wegreden", erklärte Rith abschließend. Deswegen müsse man sich mit den Befürchtungen der Bevölkerung auseinandersetzen. Alle, die Geothermie wollten, seien in der Verantwortung, dass sich Vendenheim nicht wiederhole – auch nicht auf deutscher Seite.

Über den Rhein

»An Geothermie führt kein Weg vorbei, wenn wir die Klimaherausforderung meistern wollen«, betonte Landrat Frank Scherer. Auch CDU-Kreisrätin  Edith Schreiber plädierte dafür, die Geothermie »am Oberrheingraben im Auge zu behalten«. Wichtig sei, sich grenzübergreifend gemeinsam aufzustellen. »Wenn wir in die Tiefe gehen, werden die Auswirkungen auch immer beide Seiten betreffen«, betonte die Offenburger Alt-OB. Schwierig sei derzeit, dass die Schäden über das privatwirtschaftliche Schadensrecht abgewickelt würden. Bürger müssten für ihr Recht kämpfen – das führe zu Frust. 

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