Corona-Lockdown Haslacher Händler kritisiert Kurs der Politik

Der Handel ist geschlossen - und ein Ende des Lockdowns kaum in Sicht. Von der Politik fühlen sich inzwischen einige der kleinen Einzelhändler im Stich gelassen. Daniel Kienzler, Inhaber von Sport Sandhas in Haslach, reicht’s.

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Haslach - "Dazu fällt einem bald nichts mehr ein", kommentiert er frustriert die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Januar. Er ist frustriert – und steht damit nicht alleine da. So fordert Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands HDE, Perspektiven für den Handel. Die betroffenen Unternehmen bräuchten klare Perspektiven, wie und wann sie ihren Betrieb wieder aufnehmen könnten.

Hilfen greifen nicht so wie gedacht

So sieht es auch Daniel Kienzler. Er kritisiert aber auch, wie die Politiker bisher mit der Krise umgegangen sind. "Nach außen wird es immer so dargestellt, als würde jeder problemlos Hilfe bekommen. So ist es aber nicht." Die 9000 Euro Soforthilfe aus dem ersten Lockdown muss Kienzler vielleicht zurückzahlen. "Und das, weil ich kaufmännisch umsichtig gehandelt habe" – im Frühjahr habe er mit Lieferanten verhandelt und die Zahlung von Rechnungen verschieben können. Der Betrachtungszeitraum, der zur Bewertung der Soforthilfe zu Rat gezogen wird, ist in Kienzlers Augen zu groß. "Wenn die Regierung mich dazu zwingt, mein Geschäft zu schließen, muss ich dafür entschädigt werden", macht er seine Meinung deutlich. Der Zeitraum vor oder nach der Schließung habe nichts damit zu tun.

Auch die jetzt versprochenen Überbrückungshilfen seien zu kompliziert – und kämen nicht an. Kienzler vergleicht das mit den Novemberhilfen für die Gastronomie, die erst jetzt ausgezahlt werden. Dazu kommt, dass die Fixkostenerstattung bei Posten wie dem Warenbezug nicht hilft. Dort müssen Kienzler und seine Kollegen in Vorleistung gehen.

"Die Krise wird auf dem Rücken des – noch – starken Einzelhandels ausgetragen", sagt Kienzler. Dabei hätten die Händler nicht nur sich und ihre eigenen Familien zu ernähren, sondern auch Verantwortung für ihre Mitarbeiter.

Aus Kienzlers Sicht gibt es daher nur zwei Möglichkeiten: Den Einzelhandel – mit entsprechenden Beschränkungen natürlich – wieder zu öffnen, oder effektivere Hilfen schneller auf den Weg zu bringen. "Wer das Recht hat, uns die Geschäfte zu schließen, ist auch in der Pflicht, uns entsprechend zu entschädigen", macht er deutlich.

"Es geht hier um Existenzen"

Stattdessen gebe die Politik den Händlern das Gefühl, dass sie ihnen nicht vertraue. "Wir werden einfach abgeschaltet", sagt Kienzler frustriert. Dabei werde außer Acht gelassen, dass die Händler durchaus zu Eigenverantwortung in der Lage sind. "Wir wollen ja selbst nicht, dass etwas passiert, nur damit der Laden offen bleibt." Denn anders als manche Zeitgenossen offenbar glauben, geht es den wenigsten Einzelhändlern um Profit. "Es geht hier um Existenzen", macht er deutlich.

Dass "Click and Collect" seit Montag wieder möglich ist, freut Kienzler. Auch der Lieferservice habe bisher geholfen, sei aber sehr zeitaufwendig – "die Lieferkosten sind nicht zu unterschätzen." Dass die Haslacher ihm in der ganzen Zeit bisher treu geblieben sind, freut Kienzler sehr. Von der Politik jedoch fühlt er sich allein gelassen.

Eine der Maßnahmen im neuerlichen Corona-Lockdown ist eine weitgehende Schließung des stationären Einzelhandels. Das trifft insbesondere die selbstständigen Geschäftsinhaber. Verbände wie der HDE fordern, dass dem Einzelhandel wieder Perspektiven gegeben werden müssen. Die Modebranche befürchtet beispielsweise massive Umsatzeinbußen, machte BTE-Präsident Steffen Jost kürzlich in einem Branchenmagazin deutlich. "Die Panik steigt spürbar an", sagte er.

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