Bürgermeister wider Willen So geht es nach Schindler-Rückzug in Schwanau weiter

Nadine Goltz
Zur Bürgermeisterwahl wurden die Schwanauer am Sonntag unter anderem an die Urne im Bürgersaal in Ottenheim gebeten. Dies wird sich spätestens August wiederholen, denn der Sieger Alexander Schindler nimmt das Bürgermeisteramt nicht an Foto: Goltz

Seit Montagabend haben die Schwanauer Gewissheit: Alexander Schindler, der bei der Bürgermeisterwahl die absolute Mehrheit erhielt, wird sein Amt nicht antreten. Bereits zwei Wochen vor der Wahl hatte der 43-jährige Ruster Amtsleiter seine Kandidatur aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen.

Schwanau - Auf dem Wahlzettel stand Schindler trotz seiner Absage, da ein Rückzug formalrechtlich nicht mehr möglich war. 1711 Schwanauer setzten das Kreuzchen hinter seinen Namen, womit er sich gegen alle zehn weiteren Kandidaten hinwegsetzte.

Wie hat Alexander Schindler auf seinen Wahlsieg reagiert?

Wahlsiegfotos mit jubelndem Gewinner, wie man es von üblichen Bürgermeisterwahlen kennt, blieben aus. Stattdessen war es still um Schindler geworden. Der frisch gewählte Bürgermeister war weder per Telefon noch per E-Mail zu erreichen. Die Gemeinde hatte dem Ruster eine Woche Zeit gegeben, sich zurückzumelden – was er dann am Montagabend tat. "Dass mich die Schwanauerinnen und Schwanauer trotz meines Rückzugs aus dem Wahlkampf mit großer Mehrheit gewählt haben, habe ich mit großem Respekt und Dankbarkeit zur Kenntnis genommen", heißt es in einer Pressemitteilung, die Schindler ebenfalls am späten Montagabend versendete. Mit dem Schreiben bedankte er sich bei allen Wählern für das entgegengebrachte Vertrauen. "Unglaublich viele Menschen haben mich unterstützt, mir in den vergangen Tagen Zuspruch gegeben und mir gegenüber auch den Wunsch geäußert, dass ich das Amt doch noch annehmen möge. Auch dafür möchte ich von Herzen Danke sagen", so Schindler weiter. Stand heute gehe er zwar davon aus, dass seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit wieder vollständig zurückkehren werden. Es sei aber auch klar, dass der Genesungsprozess noch einige Zeit in Anspruch nehmen werde. "Aus diesem Grund kann ich die Wahl zum Bürgermeister der Gemeinde Schwanau leider nicht annehmen."

Was bedeutet die Amtsablehnung für die Gemeinde?

Laut Gemeindeordnung muss innerhalb von drei Monaten eine Neuwahl erfolgen. Die Frist startete ab dem Zeitpunkt, ab dem Schindler das Amt ablehnte. Demnach muss die Neuwahl in Schwanau spätestens im August vollzogen werden.

Wer darf sich bei der Neuwahl aufstellen lassen?

Jeder, der die Vorgaben, die es für das Amt gibt, erfüllt: Ein Kandidat muss zwischen 25 und 67 Jahre alt und EU-Staatsbürger sein. Ob es erneut so viele Bewerbungen geben wird, wie es sie beim ersten Anlauf gab, gilt es abzuwarten. Der Mannheimer Polizist Dennis Boyette hatte am Wahlsonntag bereits seine erneute Kandidatur zugesagt. Auch der Busfahrer aus Worms, Steffan Ostermann, hätte gerne wieder eine Namenszeile auf dem Schwanauer Wahlzettel. Trotz des dürftigen Ausgangs für Zeitungszusteller Frank Tschany aus Bühl, der eine einzige Stimme erhielt, wolle auch er einen erneuten Versuch mit "neuem Konzept" wagen. Oliver Melzer, Dominik Bartel und Alexander Weiß hatten sich gegen eine weitere Kandidatur entschieden. Fahrlehrer Cüneyt Kilic aus Sasbachwalden hielt es sich am Wahlsonntag noch offen, erklärte am Dienstagnachmittag in einer Pressemitteilung dann aber, dass er ebenfalls nicht mehr kandidieren werde. Alle weiteren Bewerber – Claus Heuwieser, Nicole Rebscher und Kai Schönleber ließen ihre Entscheidung noch offen. So stünden spätestens im August bereits drei Kandidaten zur Auswahl. Jonas Maurer, stellvertretender Hauptamtsleiter in Simonswald, hatte seine Kandidatur angekündigt, wäre es zu einem zweiten Wahlgang gekommen. "Zunächst bedanke ich mich bei allen Wählern, die mich aus dem Stand heraus und ohne offizielle Kandidatur auf Platz vier gehievt haben", sagt er. Bis der Termin für die Neuwahl steht, werde Maurer "das Ergebnis bewerten und dann auch meine Entscheidung bekannt zugeben".

Wann wird die Bürgermeisterwahl stattfinden?

"Das steht noch nicht fest", sagt Hauptamtsleiter Michael Fertig auf Nachfrage. Der August ist angepeilt, das genaue Datum wird in der Gemeinderatssitzung am Montag, 30. Mai, beschlossen.

Wie werden die kommenden drei Monate ohne Rathaus-Chef überbrückt?

Der stellvertretende Bürgermeister Patrick Fertig wird die Aufgaben des Rathaus-Chefs übergangsweise übernehmen – "natürlich mit großer Unterstützung aus der Verwaltung", sagt der Hauptamtsleiter.

Droht den Verwaltungsmitarbeitern dann eine Urlaubssperre im Sommer?

"Nein. Wir sind die Urlaubspläne durchgegangen und kommen vermutlich um eine Urlaubssperre drumherum", sagt Hauptamtsleiter Fertig. Sorgen bereite der Verwaltung vielmehr die Mithilfe der Ehrenamtlichen in den Wahllokalen.

"Sonstige"

Die Verwaltung hat am Dienstag nach der Prüfung durch den Gemeindewahlausschuss nun die Ergebnisliste der Bürgermeisterwahl mit allen Bewerbern und den sonstigen Personen, die mehr als fünf Stimmen erhalten haben, veröffentlicht. Wie bereits berichtet, hatten 178 Schwanauer Jonas Maurer auf den Wahlzettel geschrieben. Hauptamtsleiter Michael Fertig erhielt 28 Stimmen. "Nett", antwortete er belustigt auf Nachfrage, wie er das Ergebnis finde. Gemeinderat Lutz Weide wurde 24 Mal, Gemeinderat Kuno Hamm sieben Mal auf den Zettel geschrieben. Ebenso sieben Stimmen erhielt Rolf Frenk. Mit der Anzahl an Namen, die weniger als fünf Mal genannt wurden, wurden insgesamt 85 Bewerber gelistet.

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