Bürgermeisterwahl in Schwanau Bürger fühlen Kandidaten auf den Zahn

Jonas Köhler

Im zweiten Teil der großen Vorstellungsrunde der Schwanauer Bürgermeister-Kandidaten nahmen die Schwanauer selbst die Bewerber in die Mangel. Auf die Fragen hatte jeder Kandidat zwei Minuten Antwortzeit. Es wurde gelost, wer beginnen durfte.

Ottenheim - Elf Fragen richteten die Schwanauer an ihre Bürgermeister-Kandidaten in der großen Vorstellungsrunde am Mittwochabend in der Rheinauenhalle. So wollten sie unter anderem wissen, wie es mit der Grundschule weitergehen soll, welche Pläne es für den Naturschutz gibt oder wie die Bewerber gedenken, ohne Verwaltungserfahrung eine Gemeinde zu führen. Nicht immer hatten alle Kandidaten für jedes Problem eine Lösung parat. Moderator Jürgen Fleckenstein loste aus, wer zuerst antworten durfte. Die weitere Reihenfolge ergab sich aus der Anordnung auf dem Wahlzettel.

Wie kann Schwanau beim Klimaschutz nachhaltig aufgestellt werden?

Dennis Boyette, Cüneyt Kilic und Oliver Melzer nannten als eine Strategie den Beitritt in den Biotopverbundplan. Alle Kandidaten wiesen darauf hin, dass man weiter auf Photovoltaik-Anlagen setzen sollte. Claus Heuwieser sieht die Gemeinde schon auf gutem Weg. Für Dominik Bartel fängt der Klimaschutz "an der eigenen Nase" an. "Das Auto manchmal stehen lassen", forderten Steffan Ostermann und Frank Tschany. Kilic und Alexander Weiß führten Investitionen in E-Mobilität an, Kai Schönleber will auf eine Biogasanlage setzen.

Wie wollen die Kandidaten fehlende Verwaltungserfahrung kompensieren?

Alle machten keinen Hehl daraus, dass es ihnen an Erfahrung fehlt. Sie waren sich darin einig, dass es gilt, dies nachzuholen, auch in ihrer Freizeit. Boyette versprach, sich die nötige Expertise stets heranzuholen. Kilic betonte, dass ein Neuling nicht schlecht sein muss. So fremd sei ihm die Verwaltung zudem nicht. Schönleber sieht sich als Leiter einer Firma gut genug aufgestellt. Melzer und Heuwieser sagten, dass es mehr auf das Engagement als auf die Erfahrung ankomme.

Wie kann Wohnraum geschaffen werden, ohne zu viele Flächen zu versiegeln?

Schönleber sagte, dass es für Familien schwieriger wird, an Wohnraum kommen, und mahnte die Menschen bei der ihnen zur Verfügung stehenden Fläche zur Bescheidenheit. Für mehr Bebauungen sprach sich Ostermann aus, Tschany forderte, weniger zu bauen und auf die Natur zu achten. Heuwieser und Melzer wiesen darauf hin, auch bestehende Baulücken zu nutzen. Bartel will sich für mehr kleinen Wohnraum einsetzen, auch Boyette setzt den Fokus auf platzschaffende Bebauungen, um "das Ried-Flair zu erhalten".

Wie und wo soll der Neubau der Grundschule gestaltet werden?

Heuwieser favorisiert klar den Standort Nonnenweier, da dort bereits die Halle steht. Ähnlich sieht es Melzer. Tschany gab zu, sich noch nicht mit dem Thema befasst zu haben. Für Ostermann steht die Grundschule nach Baugebiet und Industriegebiet an dritter Stelle. Kilic schlug eine Bürgerbeteiligung vor. Bartel, Schönleber, Boyette und Weiß waren sich einig, dass man sich erst darüber im Klaren werden müsse, was man von der Grundschule erwarte, und entsprechend den geeignetesten Standort dafür auswählen solle.

Wie kann die Betreuung im Kindergarten sicher- gestellt werden?

Boyette will zu diesem Thema mit dem Land auf Konfrontationskurs gehen – für mehr Plätze und mehr Personal. Schönleber sieht, dass die Kitas bald an die Grenzen stoßen werden. Er will darauf setzen, dass jedes Kind einen Platz in der Kita seines Dorfes findet. Dazu sollte es für die Kitas Spielraum geben. Weiß, Bartel, Tschany und Heuwieser betonten, dass es darum gehe, mehr Erzieher einzustellen. So könnten auch mehr Plätze geschaffen werden. Kilic sagte, dass die Gemeinde da wohl auch Geld in die Hand nehmen muss. Eine lange Warteliste für Kinder dürfe ist nicht geben. "Baugebiet und Industriegebiet", kommentierte Ostermann.

Wer aus der Verwaltung ist der wichtigste Ansprechpartner?

Weiß sagte, dass man mehrere Ansprechpartner braucht. Es tue ihm Leid, dass er der Aufforderung des Fragestellers, konkrete Personen zu nennen, nicht nachkommen konnte. "Wir brauchen alle in der Verwaltung. Fürs Baugebiet und Industriegebiet", antwortete Ostermann, der mit dieser wiederkehrenden Formulierung für Lacher sorgte. Dass der wichtigste Ansprechpartner stets themenbezogen sei, betonten Boyette, Heuwieser, Kilic, Bartel und Schönleber. Kilic hob, wie auch Melzer, den Hauptamtsleiter und den Bürgermeister-Stellvertreter hervor, Heuwieser den Bauamtsleiter. Schönleber überzeugte die Zuhörer, indem er die verschiedenen Namen nannte, die für das jeweilige Thema zuständig sind. Für Tschany ist auch der Gemeinderat ein wichtiger Ansprechpartner.

Was kann dagegen getan werden, dass die Sporthallen aus allen Nähten platzen?

Melzer versprach, die Situation zu prüfen. Für eine neue Halle gebe es wohl nicht genug Geld. Schönleber hingegen geht davon aus, dass man "auf kurz oder lang" nicht um eine neue Sporthalle herum kommt. Er werde die Vereine tatkräftig unterstützen. Tschany bekräftigte, dass die Vereine sich bei der Hallennutzung absprechen und einen Plan entwickeln sollten. Mit der Antwort "Baugebiet, Industriegebiet", sorgte Ostermann erneut für Gelächter. Weiß sagte, in naher Zukunft müsse da etwas getan werden. Bartel nannte den Ausbau der bestehenden Hallen als Lösungsvorschlag. Heuwieser schlug eine parallele Nutzung mehrerer Vereine vor, so auch Boyette, der die bestehenden Belegungspläne prüfen möchte. Kilic möchte prüfen, ob sich ein Neubau vielleicht doch lohne.

Wie sollen die Vorhaben finanziert werden?

Kilic und Melzer sprachen sich für eine langfristige Planung und das Nutzen von Fördergeldern aus. Heuwieser und Schönleber setzten sich dafür ein, dass die Ortschaften miteinander reden, um festzustellen, was das wichtigste Projekt ist. In die Projekte, die von der Mehrheit gewünscht werden, soll das Geld fließen. Weiß sprach von einer langfristigen Planung, Bartel sagte, dass jeder einmal Abstriche machen muss, aber dann auch irgendwann drankäme. Für betriebswirtschaftliche Hochrechnungen und Priorisierungen sprach sich Boyette aus. Ostermann will mit einem Industriegebiet mehr Firmen anlocken. Tschany schien die Frage nicht ganz verstanden zu haben. Er antwortete, er wolle einen Einkaufsladen für bedürftige Leute einrichten.

Wo steht Schwanau in acht Jahren?

Bartel hoffte, dass die Schwanauer nach acht Jahren mehr aufeinander hören und die Digitalisierung vorangetrieben wurde. Heuwieser stellte das Miteinander der Ortschaften in den Vordergrund. Dass die Jugend mehr im Fokus steht, war neben der Digitalisierung für Kilic, Melzer und Weiß besonders wichtig. Schönleber hoffte, dass in acht Jahren alle Schwanauer zufrieden sind und es Grundschule und Kita gut geht. Boyette legte Wert darauf, dass eine Amtszeit ein stetiger Prozess ist und man Durchhaltevermögen braucht. Tschany will es so vielen, wie es geht, recht gemacht haben. Ostermann wagte keine Voraussage, da er "die Gegend hier nicht kennt".

Wie soll ein Arzt nach Schwanau geholt werden?

Hier waren sich die Kandidaten fast alle einig. Es gehe darum, vor allem Werbung für den Standort Schwanau zu machen und attraktive Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Melzer, Weiß, Kilic und Tschany befürworteten explizit finanzielle Investitionen der Gemeinde.

Was ist der »Plan B«, wenn es mit dem Glasfaserausbau nicht klappt?

"Glasfaser? Wir haben doch 5 G! Tut mir Leid!", war Ostermanns Antwort. Boyette betonte, dass es auch andere Unternehmen als die "Deutsche Glasfaser" gibt und man auf diese gegebenenfalls zugehen muss. Kilic kann sich vorstellen, dass Schwanau den Ausbau auch in Eigenregie schafft. Die anderen Kandidaten zeigten sich optimistisch, dass die 33-Prozent-Marke noch erreicht wird und schlugen vor, als "Plan B" es in ein paar Jahren und/oder mit einem anderen Anbieter erneut zu versuchen.

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