Nach Wahl in Schwanau Wo ist Bürgermeister Alexander Schindler?

Nadine Goltz
Rund 100 Bürger kamen am Sonntagabend zur Verkündung des Ergebnisses des Bürgermeisterwahl vor das Schwanauer Rathaus in Ottenheim. Der Gewinner und damit formal gesehen der neue Bürgermeister der Gemeinde, Alexander Schindler, war allerdings nicht vor Ort. Foto: Decoux

Anrufe laufen ins Leere, E-Mails bleiben unbeantwortet, die Gemeinde hängt in der Luft. Alexander Schindler ist am Sonntag zum Bürgermeister von Schwanau gewählt worden. Gerade jetzt fehlt von ihm aber jede Spur.

Schwanau - "Sehr geehrte Damen und Herren, vielen Dank für Ihre E-Mail. Ich bin bis einschließlich 29. Mai 2022 nicht erreichbar", kommt eine automatische Antwort an den Sender zurück, versucht man den frisch gewählten Schwanauer Bürgermeister Alexander Schindler über seinen derzeitigen Arbeitsplatz im Ruster Rathaus zu erreichen. Auch über seine extra für den Wahlkampf erstellte E-Mail-Adresse kommt nur eine automatische Rückmeldung: "Aufgrund einer akuten ärztlichen Diagnose muss ich mit großem Bedauern erklären, dass ich meine Kandidatur nicht aufrechterhalten kann", ist dort zu lesen. Zudem bedankt sich Schindler in dieser Nachricht nochmals bei den Schwanauern für ihre Wertschätzung.

Diese spiegelte sich letztlich auch im Wahlergebnis wider: Wie berichtet, hat der Verwaltungsfachmann mit 57,8 Prozent trotz seines Rückzugs zwei Wochen zuvor die absolute Mehrheit erhalten – von ihm fehlt bislang jedoch jede Spur.

Auch Versuche, Schindler telefonisch zu erreichen, bleiben erfolglos – nicht nur für die Presse, auch die Gemeinde hing am Montag bis Redaktionsschluss in der Luft. "Wir haben versucht, mit Herrn Schindler telefonisch Kontakt aufzunehmen und ihm auf seinen Anrufbeantworter gesprochen", sagte Hauptamtsleiter Michael Fertig am Morgen gegenüber unserer Redaktion. Man warte gespannt auf eine Rückmeldung. Eine Woche gibt die Verwaltung dem 43-jährigen Ruster dafür Zeit.

Solch ein Fall hat es landesweit noch nie zuvor gegeben

Und sollte er sich nicht melden? "Das ist eine Frage, die wir uns erst stellen, wenn es dann Richtung Ende der Frist geht", so Fertig. Rechtlich gesehen, müsse sich Schindler nicht aktiv für oder gegen das Amt entscheiden, erklärt der Pressesprecher des Landratsamts Ortenaukreis, Kai Hockenjos. "Mit der absoluten Mehrheit, die Herr Schindler am Sonntag erreicht hat, ist er Stand heute der neue Bürgermeister von Schwanau."

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Wolle er das Amt nicht annehmen, müsste Schindler dies kundtun. So könnte die Frist für die Neuwahl, die dann in Gang gesetzt werden müsste, festgelegt werden. "Ab dem Zeitpunkt seiner Erklärung wären es drei Monate. Der Wahltag wird dann vom Gemeinderat festgelegt", erklärt Hockenjos weiter.

Ein ungewöhnlicher Fall, den es landesweit so wohl nie zuvor gegeben hat. "Unsere Kommunalamtsleiterin Ulrike Karl hatte heute Morgen Kontakt mit dem Regierungspräsidium Freiburg, auch dort war ein solcher Fall nicht bekannt", erklärte Landratsamtssprecher Hockenjos am Montag.

Komplette Wahl alles andere als einfach

Nicht nur der Ausgang, mit einem Gewählten, der nicht gewählt werden wollte, ist ungewöhnlich. Die komplette Wahl war für die Gemeinde Schwanau alles andere als leicht. Elf Kandidaten hatten sich auf das Amt im Rathaus beworben – bis auf Schindler alle Quereinsteiger. Ein satirischer Radiospot hatte das Bewerberfeld anschwellen lassen.

"Es war uns klar, dass Herr Schindler bei diesem Bewerberfeld einige Stimmen erhält. Mit der absoluten Mehrheit hat hier aber keiner gerechnet", sagt Hauptamtsleiter Fertig. Der Wille der Wähler sei damit einmal mehr deutlich geworden, "es wurde taktisch gewählt, das ist uns bewusst". Das Thema ist damit aber nicht vom Tisch, stellt die Gemeinde vielmehr vor eine neue Herausforderung: "Würde sich Herr Schindler gegen das Amt entscheiden, muss die Neuwahl spätestens im August stattfinden – mitten in der Ferienzeit", blickt Fertig voraus.

Wäre die Verwaltung denn über eine positive Rückmeldung Schindlers froh? "Dann wären wir natürlich aller Sorgen entledigt. Die Entscheidung liegt jedoch bei ihm", so der Hauptamtsleiter.

»Sonstige«

Hinter Alexander Schindler, der 57,8 Prozent erreichte, setzte sich die Unbekannte "Sonstige" mit 11,5 Prozent. Damit hatten sich 339 Schwanauer gegen alle elf Kandidaten entschieden und einen weiteren Namen auf ihren Stimmzettel geschrieben. "178 Stimmen (sechs Prozent) hat damit Jonas Maurer erhalten", so Hauptamtsleiter Michael Fertig. Maurer hatte kurz vor der Wahl bekanntgegeben, dass er bei einem zweiten Wahlgang ebenfalls seinen Hut in den Ring werfen würde. Alle weiteren Namen seien nicht häufiger als fünf Mal genannt worden.

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