Breitbandausbau in der Ortenau Schnelles Internet im Kreis bis 2025

Marco Armbruster
In 18 Ortenauer Kommunen sollen die Bagger bereits im Frühjahr anrücken, um Kabel für die schnelle Internetverbindung zu verlegen. Bis 2025 sollen 70 Prozent der Ortenauer Haushalte über einen Glasfaseranschluss verfügen. Foto: frankenberg

Der Breitbandausbau im Kreis nimmt Fahrt auf: Ab 2025 sollen alle Haushalte über schnelles Internet verfügen, 70 Prozent über Glasfaseranschlüsse. Rund 300 Millionen Euro aus öffentlicher Hand – von Bund, Land und Kommunen – werden investiert.

Offenburg - Für den Start ins Neue Jahr könne er eine "rundum positive Botschaft" überbringen, freute sich Landrat Frank Scherer bei einem Pressetermin am Dienstagmorgen. Denn bis Ende 2025 soll es im Ortenaukreis flächendeckend "Highspeed"-Internet geben. "Jeder Haushalt, jedes Unternehmen und jede Bildungseinrichtung wird mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde ans Internet angeschlossen werden können." Profitieren sollen davon vor allem rund 16.000 Adressen im Kreis, die bislang zu den "weißen Flecken" (weniger als 30 Megabit pro Sekunde Downloadgeschwindigkeit) oder "grauen Flecken" (weniger als 100) auf der Breitbandlandkarte zählen.

Die Ankündigung lässt viele Ortenauer hoffen: Denn im Sommer 2019 sah es noch düster aus rund um den Breitbandausbau im Kreis, schnelles Internet schien in weite Ferne gerückt. Fünf potenzielle Bewerber für den Bau und Betrieb des Breitbandnetzes waren nacheinander abgesprungen. Das 5 G-Netz und der Glasfaserausbau in Ballungsräumen waren damals lukrativer. Die folgende Neu-Ausschreibung sorgte für eine zeitliche Verzögerung – die ist laut Landrat Scherer mittlerweile wieder aufgeholt.

Beim Ausbau vergangenes Jahr aufs Gaspedal gedrückt

"Beim Breitband-Ausbau haben wir in den vergangenen eineinhalb Jahren fest aufs Gaspedal gedrückt", so der Landrat. 300 Millionen Euro sollen in die Infrastruktur investiert werden – 90 Prozent gefördert von Bund und Land. Zahlreiche Förderanträge seien bereits genehmigt oder in Vorbereitung, sodass die ersten Baumaßnahmen starten werden, so Scherer.

"In diesem Frühjahr können in 18 Kommunen die Bagger anrollen, um die ersten etwa 2.000 Privatgebäude sowie zahlreiche Schulen und Gewerbegebiete ans Glasfasernetz anzuschließen und zudem das überörtliche Glasfasernetz weiter auszubauen", konkretisiert Josef Glöckl-Frohnholzer, Geschäftsführer von Breitband Ortenau. Die kommunale Gesellschaft, an der 47 der 51 Ortenauer Städte und Gemeinden beteiligt sind, koordiniert und steuert den Ausbau. Die Förderanträge und Planungen für weitere 29 Kommunen würden bereits erarbeitet, so Glöckl-Frohnholzer.

Firmen arbeiten Hand in Hand

Um eine möglichst breitflächige Versorgung mit Glasfaser zu erreichen, setzt man neben dem geförderten auch auf einen privatwirtschaftlichen Ausbau. Unter der Bezeichnung "Giga Ortenau" wolle man so bis 2026 insgesamt etwa 70 Prozent der Gebäude mit einem Glasfaseranschluss ausstatten, erläutert Glöckl-Frohnholzer. Drei Unternehmen hatten angekündigt, sich einzubringen: Die Deutsche Glasfaser (DG), Unsere Grüne Glasfaser (UGG) sowie Vodafone. Letztere ist zudem Pächterin des mithilfe der staatlichen Förderung errichteten Netzes der Breitband Ortenau. Der Endkunde könne künftig seinen Anbieter frei wählen, wenn dieser mit dem Betreiber eine Netzkopplung vereinbart hat.

Vodafone, DG und UGG teilen die Ortenau unter sich auf. "Die Deutsche Glasfaser konzentriert sich eher in der Rheinebene", erklärt Glöckl-Frohnholzer, die anderen beiden auf die Höhenlagen und Täler im Schwarzwald. Dort wo es sich wirtschaftlich lohnt, werden die Unternehmen ohne Förderung tätig – in vielen Kommunen arbeiten die Telekommunikationsfirmen mit der Breitband Ortenau Hand in Hand. Durch die Kombination von gefördertem und eigenwirtschaftlichem Ausbau soll jedem Ort ein "passgenaues Vorgehen" ermöglicht werden.

Die kommunale Gesellschaft kümmere sich verstärkt darum, dass der schnelle Netzzugang die Außenlagen der Kommunen erreicht, erläutert Glöckler-Frohnholzer. In der Branche gehe man grob von 2.500 Euro Investitionen pro Haus aus, ein abgelegener Schwarzwaldhof dagegen komme schnell auf 40.000 bis 50.000 Euro – dessen Anschluss funktioniere nur über eine Förderung. Die Verlegung der Hausanschlüsse erfolge auch beim eigenwirtschaftlichen Ausbau für den Endnutzer in der Regel kostenlos oder zu einem reduzierten Preis, so Glöckl-Frohnholzer.

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