Besuch in der Grube Wenzel Unterwegs in unterirdischen Gängen

Aline Fischer

42 Meter tiefe Schluchten, lange, enge Gänge und verborgene Schätze: Grubenführer Gerd Wößner nimmt unsere Redaktion mit auf einen Rundgang im Besucherbergwerk Grube Wenzel – einem der bedeutendsten Silberbergwerke im Kinzigtal.

Oberwolfach - Gummistiefel, Helm und Jacke an und schon geht’s los: Ein großes eisernes Tor mit den typischen Hammer-Symbolen führt in die dunklen Gänge unter Tage. Der Temperaturunterschied ist deutlich zu spüren – das Thermometer an der Steinwand zeigt knappe zehn Grad an. Zeitweise haben in den langen Gängen wohl mehrere Hundert Arbeiter ihr Tagewerk verrichtet. "Im 13. Jahrhundert wurde die Grube Wenzel zum ersten Mal erwähnt. Zeitweise bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde hier Silbererz abgebaut", erzählt Wößner.

Werbevideo der Gemeinde zeigt Wirkung

Er ist seit Kurzem als Grubenführer in Oberwolfach dafür zuständig, Gruppen, Familien und Touristen in die Welt des ehemaligen Bergbaus zu führen. Seine erste Tour hat er bereits hinter sich gebracht, erzählt er. Über einen Freund und die neuen Werbevideos der Gemeinde ist er auf die Stellensuche aufmerksam geworden und lernt so in seiner Rentenzeit immer wieder neue Menschen kennen.

Mit ihm geht es die langen, dunklen und auch engen Wege zwischen den Steinwänden entlang, dabei berichtet er Interessantes über den Bergbau im Kinzigtal: "Um 1767 gruben die Bergwerksleute jeden Tag rund drei Zentimeter weit und das rund zehn Jahre lang. In dieser Zeit wurde auch Gewinn erzielt – rund 220 000 Gulden." Ein Gulden entsprach rund 19 Gramm Silber. Insgesamt wurden in den beiden Jahrhunderten der Blütezeit des Bergbaus in Oberwolfach rund 4800 Kilogramm Silber abgebaut. Damit war das Oberwolfacher Bergwerk das zweitertragreichste im Kinzigtal hinter dem in Wittichen. Die Arbeiter im Bergwerk, die häufig schon mit 16 Jahren unter Tage angefangen haben, bekamen je nach Tätigkeit bis zu fünf Kreuzer am Tag. Pro Jahr konnten sie damit rund zwölf Gulden verdienen – ein Haus hat damals rund 200 Gulden gekostet.

Bergleute mussten unterschiedliche Arbeiten verrichten

Anschaulich beschreibt Wößner die verschiedenen Arbeiten, die die Bergleute verrichten mussten: "Die Hauer haben mit Hammer und Schlegel Löcher in den Stein gehauen für die Sprengungen, die es ab 1620 regelmäßig gab, und den Schwerspat mit den Silberadern darin abgebaut. Das Silbererz ist vier Mal so schwer wie Stein", so der 66-Jährige.

Auf dem Weg zu einem weiteren Tunnel muss man den Kopf einziehen, zum Glück leuchtet die Helmlampe den Weg durch die Gänge. Ein schmaler Tunnel am Ende des Gangs ist noch einmal rund 30 Meter lang – hier passen wirklich nur kleine, schmale Menschen hinein.

Blindschächte sorgen für Belüftung und Wasser

Als Relikt aus den alten Zeiten sieht man in den Steinwänden rund alle 60 Zentimeter kleine Sprenglöcher.

"Die schwachen älteren Bergbauer waren als sogenannte Huntläufer tätig. Hunt wird der Wagen genannt, mit dem die abgebauten Steine transportiert worden sind. Die Arbeiter hatten wegen des Vitaminmangels und der ständigen Arbeit unter Tage ohne Sonnenlicht häufig keine Zähne mehr", berichtet Wößner weiter. "Dann gab es noch die Haspelknechte, die mit der Haspel, einer Art Seilwinde, das Material nach unter Tage gebracht oder herausgeschafft haben." Eine alte Haspel ist in Oberwolfach im Bergwerk noch zu sehen und veranschaulicht, wie viel Muskelkraft dafür nötig war. "Die Scheidbuben, meist Jugendliche, haben dann das Roherz ausgelesen und getrennt."

Für die Belüftung des unterirdischen Wegesystems sorgen sogenannte Blindschächte auf einer zweiten unteren Ebene. Diese Schächte gehen noch einmal rund 40 Meter in die Tiefe. In 60 Metern Tiefe gibt es dann Wasser. Einige der zahlreichen Gänge sind auch vollkommen mit Wasser gefüllt, auf drei Kilometern lässt sich aber dank der Beschreibungen der Grubenführer noch heute die schwere Arbeit unter Tage erahnen.

Führungen im Bergwerk

Das Besucherbergwerk Grube Wenzel in Oberwolfach bietet Dienstag bis Sonntag Entdecker-Touren (rund eineinhalb Stunden Dauer) ohne Voranmeldung um 11, 13 und 15 Uhr an. Die Gesamtbesucherzahl ist beschränkt. Bei großen Gruppen wird eine Reservierung per E-Mail an grubewenzel@oberwolfach.de empfohlen.

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