Ausstellung Bestia in Erstein Kunstwerke und Präparate im Dialog

Jürgen Haberer
Die Tiere stehen im Mittelpunkt der Ausstellung Bestia im Museum Würth in Erstein. Gemälde, Zeichnungen und Plastiken zeitgenössischer Künstler werden mit Präparaten des zoologischen Museums Straßburg in Beziehung gesetzt. Quelle: Unbekannt

Das Tier steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung im Museum Würth: Gemälde, Zeichnungen und Plastiken treten in einen Dialog mit Präparaten aus dem zoologischen Museum Straßburg. "Bestia" ist bis September 2022 zu sehen.

Die noch bis zum 7. September zu sehende Ausstellung überschreitet die Grenzen einer rein künstlerischen Auseinandersetzung, lässt Maler und Bildhauer, Präparatoren und Zoologen zu Wort kommen, hinterfragt die Rolle des Lebendigen in unserer Gesellschaft. Der Diskurs schließt sogar ein Projekt der elsässischen Künstlerin Apolline Grivelet mit ein. Sie siedelte im Park hinter dem Museum schwarze Zierhühner an, um die natürliche Auslese in der Zucht zu erforschen.

Kunst und Präparate treten in einen Dialog

Der Ausstellungsbesucher wird begrüßt von einer riesigen Muschel von Marc Quinn vor dem Museumsportal, trifft im Foyer auf Barry Flannagans Plastik "Großer Denker auf Computer", die einen auf dem Bildschirm sitzenden Esel zeigt. Die Natur ist nicht einfach nur Opfer. Sie folgt dem Menschen nach, wenn etwa Tomi Ungerer seinem Gorilla in einen Anzug überstreift und eine Zigarette zwischen die Lippen schiebt. Und sie passt sich an, wenn Tiere und Pflanzen in Alexis Rockmans "Beton-Dschungel" eine trostlose, vergifte Welt aus Stahl und Beton besiedeln.

Auch schlägt sie zurück und räumt auf, wenn Milan Kunc drei Hirsche eine Rakete schultern und wegtragen lässt. Bei allen Denkanstößen geht es aber vor allem um den Dialog zwischen der Kunst und den Exponaten des zoologischen Museums. Wolf und Bär, Reh, Hirsch und Dachs, ein Yak, Vögel, Fische und exotische Schmetterlinge, treten immer wieder neu in Beziehung zu den rund 60 Gemälden, Bildern und Plastiken aus der Sammlung Würth.

Horst Antes "gehörnte Schlange" ist zu sehen, ein Fabelwesen von Ray Smith und der "Vogel Janus" eine Plastik von Max Ernst, der in der Ausstellung auch auf Schmetterlingsjagd geht. Veronika Olma stellt großen Farbflächen Hirsch und Gepard nach, Klaus Rinke hat ganz in Schwarz den "Geist der Schildkröte" eingefangen, Georg Baselitz durchschreitet eine ganze Menagerie, während Bernd Koberling springende Wale und einen Kormoran auf Leinwand gebannt hat.

Gerhard Richter lässt ebenso einen Schwarm Vögel auffliegen wie die Elsässerin Nathalie Savey. Während Richter das Motiv in Öl auf Leinwand gebannt hat, setzt Savey auf die Natur und die Arbeit mit der Kamera. Jan Fabre hat einen Schwanz aus hunderten von Käfern geflochten, währen Shmuel Shapiro das Korallenriff auf ineinander verzahnte Farbräume reduziert. Ein eigener Raum ist dem Mexikaner Francisco Toledo und den 46 Illustrationen der fantastischen Zoologie von Jorge Luis Borges gewidmet. Das gleiche gilt für den 2012 gestorbenen Maler Emil Wachter, von dem in der integrierten Sonderausstellung "Die Vögel" rund 50 Arbeiten gezeigt werden.

Die Ausstellung "Bestia" ist bis zum 7. September 2022 im Museum Würth im elssäsischen Erstein zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Samstag 10 bis 17 Uhr sowie Sonntag 10 bis 18 Uhr. Weitere Informationen gibt’s im Internet auf der Webseite www.musee-wurth.fr. In Frankreich gilt aktuell 3 G-Regel und Maskenpflicht.