Aus für Herbolzheimer bei Prince Charming Felix Krupka erlebt täglich Homophobie

Nahm nicht nur um der Liebe willen an der Datingshow "Prince Charming" teil, sondern auch um Homosexualität sichtbarer zu machen: Felix Krupka aus Herbolzheim. Foto: Göpfert

Herbolzheim/Kreta - Bei der Dating-Show "Prince Charming" hat Felix Krupka nicht nur mitgemacht, um einen Partner zu finden. Der Herbolzheimer wollte damit einen Beitrag leisten, damit Homosexualität in der Gesellschaft endlich akzeptiert wird.

Sein eigenes Outing ist Felix Krupka deutlich in Erinnerung geblieben. "Ich hatte mich mit 15 bei Familie und Freunden geoutet und danach auch in der Schule", berichtet er im LZ-Gespräch. Bald danach hatte er erfahren müssen: "Homophobie ist eine hässliche Krankheit."

In Hinterzarten im Schwarzwald, wo der 15-Jährige damals gewohnt hatte, schien man sich massiv an seiner sexuellen Orientierung zu stören. "Zu sechst haben sie mich auf dem Schulweg abgefangen und sind mir aufgelauert. Zum Teil wurde ich mit Polizeieskorte zum Bahnhof gebracht", erinnert er sich. "Es waren Angriffe auf einer Ebene, die verletzt, gerade als junger Mensch, wenn man mitten in der Pubertät steckt und selbst nicht so genau weiß, wo man hingehört. Es ist ein Mordsweg, den man da gehen muss."

In Herbolzheim, wo er jetzt wohnt, seien die Leute offener, mit Homophobie wird Krupka aber dennoch täglich konfrontiert. In Freiburg, wo er lange als Parfümerist arbeitete, war es ihm häufiger passiert, dass ihm auf der Straße Worte wie "Schwuchtel" hintergerufen wurden, beim Christopher-Street-Day in Freiburg vor drei Jahren, wo er in einem der Wagen saß, war mit Flaschen nach ihm geworfen worden, berichtet er.

Durch "Prince Charming" werden die Leute mit dem Thema konfrontiert

Doch inzwischen ist der 24-Jährige selbstbewusster geworden: "Es ist ein Kampf, den ich für mich ausgefochten habe. Was andere Leute denken, interessiert mich nicht. Ich brauche es nicht zu verstehen, wenn irgendwelche Hinterwäldler glauben, das sei nicht normal. Ich weiß, dass ich normal bin", macht er im LZ-Gespräch deutlich.

Gerade aber weil Homosexualität von einigen immer noch nicht akzeptiert wird, seien solche Sendungen wie "Prince Charming" ungeheuer wichtig. "Ich war der Erste, der Hurra geschrien hat, als Schwule endliche einen Sendeplatz bekommen haben", erinnert er sich. Denn, je häufiger die Leute damit konfrontiert würden, dass Männer Männer küssen, desto normaler würde es für sie, ist Krupka sich sicher. Und gerade dafür sei die Reichweite solcher Sender wie RTL oder auch der Lokalzeitungen, die über die Sendung berichten, wichtig. "Wenn die Leute zum Christopher-Street-Day in Köln gehen, passiert deshalb auf den Dörfern im Schwarzwald nichts." Durch Fernsehsendungen wie "Prince Charming" würden die Leute aber auch dort zwangsweise mit dem Thema konfrontiert.

Zwar glaube er nicht, dass jemand, der dem Thema gegenüber nicht aufgeschlossen sei, sich diese Sendung ansehe, aber völlig ignorieren könne er diese schon allein aufgrund der Werbung nicht. "Das ist ein Bildungsauftrag", sagt er. Mit seiner Teilnahme bei "Prince Charming" habe sich Krupka quasi "an die Front begeben", in der Hoffnung, "dass es für die nächste Generation ein wenig einfacher wird. Wenn später jemand in der Schule nicht verprügelt wird, weil sich 19 Männer im Fernsehen geküsst haben, dann ist das doch etwas Positives."

Sieben Tage in Kreta

Spaß gemacht, hatte ihm die Teilnahme an "Prince Charming", aber doch. Schließlich war er bereits zuvor großer Fan der Sendung und hatte sich auf die Unterstützung seiner Freunde und Familie verlassen dürfen: "Sie waren zum Teil aufgeregter als ich", erklärt er. Die aktuellen Folgen, die bei TV Now immer am Dienstag online gehen, sehen sie sich immer gemeinsam an.

Aber dennoch: "Es war eine wahnsinnig krasse Erfahrung, eine Grenzerfahrung", schildert er. Sieben Tage war er in Kreta gewesen, 24 Stunden am Tag mit anderen zusammen, das sei nicht einfach, wenn man wie er ein Mensch sei, der auch mal gerne seine Ruhe habe. Dazu komme die ständige Kamerabeobachtung, die man zwar irgendwann ausblende, die aber doch stressig sei. Auch Uhren gab es am Set keine, er habe die Zeit am Sonnenstand abgeschätzt. Als Traumprinz Kim Tränka ihn schließlich in der aktuellen vierten Folge rauswählte, sei das zwar schade gewesen, er sei aber auch froh gewesen, wieder nach Hause zu Freunden und Familie zu können. Aber dennoch sei es "eine spannende und alles in allem geile Zeit" gewesen. "Ich habe ja sonst mehr mit Frauen zu tun, date aber natürlich Männer, da war es schon spannend, mal so viele Männer auf einmal kennenzulernen", berichtet er.

Auf die Frage, ob Dating für ihn schwieriger als für Heterosexuelle sei, antwortet schließlich Krupka mit Ja: "Über Dating-Apps jemanden zu finden, der Interesse an Sex hat, ist einfach. Aber jemanden zu finden, der Interesse an einer zwischenmenschlichen Beziehung hat, ist schwieriger", berichtet er. Zumal es in den ländlichen Gegenden häufig nicht so viele homosexuelle Männer gebe.

Es bleibt weiter spannend

Runde vier hatte das Aus für Felix Krupka bei "Prince Charming" bedeutet. Spannend bleibt es aber dennoch. Die aktuelle Folge legt etwa nahe, dass es zwischen ihm und Kandidat Arne gefunkt hat. Ob das wirklich so ist, wollte Krupka im LZ-Gespräch aber nicht verraten. "Sollte das so sein, wird man das im Lauf der Staffel noch erfahren", verspricht er.

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