Auch Lahr betroffen Massiver Hackerangriff auf die IHK

Herbert Schabel und Vincent Kapitel-Stietzel

Die deutschen Industrie- und Handelskammern sind offenbar Opfer eines massiven Hackerangriffs geworden. Auch die IHK Südlicher Oberrhein wurde lahmgelegt. Die 36 Mitarbeiter der Lahrer Geschäftsstelle wurden nach Hause geschickt.

Lahr/Freiburg - Wer am Freitagvormittag die Internetseite der hiesigen IHK aufruft, bekommt eine ernüchternde Botschaft vorgesetzt: "Dienst aktuell nicht verfügbar". Die komplette Seite mit allen Servicefunktionen für Unternehmen ist außer Betrieb. Der Besucher wird weitergeleitet auf die Webseite des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) – dort ist zu lesen, dass die IHK-Organisation bundesweit ihre IT-Systeme heruntergefahren habe. Und dass man möglicherweise Opfer einer Cyberattacke geworden ist.

IHK warnt vor gefährlichen Mails

Wie gravierend das Problem ist, zeigt eine Warnung, die die IHK Südlicher Oberrhein auf ihrer Facebookseite ausspricht. Darin wird eindringlich vor Mails gewarnt, die in ihrem Namen verschickt werden. Die Links in diesen Mails sollte man "auf keinen Fall anklicken" – offenbar da die Gefahr besteht, dass damit ein Computervirus übertragen wird.

Die Lahrer Geschäftsstelle ist am Freitag zwar geöffnet, an der Eingangstür hängt aber ein Zettel, auf dem steht, dass die IHK "wegen technischen Problemen" weder telefonisch noch per Mail erreichbar sei. Auf Nachfrage erklärt eine Mitarbeiterin vor Ort, dass die Telefone mittlerweile wieder funktionieren.

Auch auf Facebook informiert die hiesige IHK am Freitag, dass sie "Telefonanrufe inzwischen teilweise wieder entgegennehmen" könne. Man habe aber ein erhöhtes Aufkommen und bitte um Verständnis für mögliche Wartezeiten. Anliegen, die nicht dringend seien, sollten aufgeschoben werden.

Natalie Butz, die Sprecherin der IHK Südlicher Oberrhein, teilt unserer Redaktion mit, dass sich die Lage praktisch stündlich ändere. Interne Mails könnten etwa wieder versendet werden, es würden aber weiterhin keine Mails nach außen gehen. Die Mitarbeiter könnten über die Plattform Teams miteinander kommunizieren.

Da die Rechner in den IHK-Geschäftsstellen nicht mehr zu gebrauchen waren, seien Mitarbeiter – auch in Lahr – nach Hause gegangen, bestätigte Butz. "Aber die gucken dann nicht in die Luft, sondern arbeiten von dort aus", betont die IHK-Sprecherin. Zurzeit sei noch nicht abzusehen, wann die Geschäftsstellen der IHK Südlicher Oberrhein wieder voll funktionsfähig seien, so Butz am Freitagvormittag. Zu den Dingen, die in Lahr zurzeit getan werden könnten, gehöre das Ausstellen von Zollpapieren und Ursprungszeugnissen. "Das geht auch ohne Rechner auf Papier", so Butz.

Offenbar keine sensiblen Daten geknackt

Was genau passiert ist, ist noch unklar. Dass alle Industrie- Und Handelskammern in Deutschland betroffen sind, bestätigte indes ein Sprecher der für die IT zuständigen IHK-Gesellschaft für Informationsverarbeitung in Dortmund der Nachrichtenagentur dpa. Man werde die einzelnen Dienste sukzessive prüfen. Sind sie sauber, werden sie wieder hochgefahren. Die mutmaßliche Cyberattacke wurde nach Angaben der IHK Pfalz auf eine Tochtergesellschaft verübt, die alle 79 IHK-Standorte in Deutschland betreut. Der Hackerangriff sei nach bisherigen Erkenntnissen offenbar nicht erfolgreich gewesen, sagte Tibor Müller, Hauptgeschäftsführer der IHK Pfalz, dem SWR. Bisher gehe man davon aus, dass keine sensiblen Daten geknackt wurden. Die IT-Firma, die auch die IHK Pfalz betreut, habe am Mittwochnachmittag einen ersten Verdacht gehabt, so der SWR. Am Abend seien alle Systeme vom Netz genommen worden. Wenn es schlecht laufe, dann funktioniere erst am Montag wieder alles normal.

In Deutschland gibt es insgesamt 79 Industrie- und Handelskammern, die für verschiedene größere Regionen zuständig sind und Aufgaben der Selbstverwaltung der regionalen Wirtschaft übernehmen. Die IHK Südlicher Oberrhein hat insgesamt 150 Mitarbeiter.

  • Bewertung
    6