Auch in Kippenheim Pflegeheim stellt Ungeimpfte frei

Felix Bender und Erika Rapthel-Kieser
Das Haus "Rebenblüte" in der Kippenheimer Bahnhofstraße: Hier gab es im Oktober einen Corona-Ausbruch mit insgesamt 38 Infizierten. Mittlerweile ist die Lage wieder unter Kontrolle. Foto: Decoux-Kone

Der Pflegeheim-Betreiber Benevit macht nach Corona-Ausbrüchen an mehreren Standorten ernst: Ungeimpfte Mitarbeiter fliegen raus. Auch das Haus Rebenblüte in Kippenheim ist nach aktuellem Stand von der Maßnahme betroffen.

Kippenheim - Weil die Politik seiner Ansicht nach zu zögerlich agiert, greift Kaspar Pfister durch – und bastelt sich seine eigene Impfpflicht für Pflegekräfte: Der Geschäftsführer der "Benevit"-Gruppe lässt ab Dezember keine Angestellten mehr in seine Seniorenheime, die nicht geimpft oder genesen sind. So soll "das Risiko für alle Bewohner und ›Benevit‹-Mitarbeiter minimiert" werden, erklärt Pfister.

Corona-Ausbrüche an mehreren Standorten

Das Familienunternehmen hatte zuletzt an mehreren Standorten mit Corona-Ausbrüchen zu kämpfen. Vergangenen Monat auch in der Kippenheimer "Rebenblüte". Dort waren, wie berichtet, 26 Bewohner und zwölf Angestellte positiv auf das Virus getestet worden. Seit Ende Oktober sei das Haus corona­frei, teilte eine Sprecherin am Donnerstag auf LZ-Nachfrage mit. Die "Immunitätsquote", die Geimpfte und Genesene zusammenfasst, liege im Pflegeheim in der Bahnhofstraße aktuell bei 88 Prozent. Weitere Mitarbeiter hätten sich zur Impfung bereiterklärt, "sodass wir tatsächlich ab Dezember nur einen Mitarbeiter freistellen werden", heißt es.

Kippenheims Bürgermeister Matthias Gutbrod heißt Pfisters Vorgehen gut, wie er am Donnerstag gegenüber der LZ erklärte: "Das ist konsequent und richtig. Wer mit Risikogruppen arbeitet, trägt eine besondere Verantwortung, weshalb ich eine allgemeine Impfpflicht in Pflegeheimen begrüßen würde." Dass das nicht alle so sehen, musste der Pflegeheim-Chef bereits erfahren: "Drohungen, Beschimpfungen, Beleidigungen, da war alles dabei", berichtet Pfister im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Polizei ermittele schon. "Das hält mich aber nicht ab, das Richtige zu tun". Die Angriffe kämen aus einer kleinen, aber sehr lautstarken und präsenten Gruppe. Die Mehrheit der Menschen denke anders, ist der Unternehmer überzeugt. "Es kommt jetzt auf jeden Einzelnen an, damit wir dieses verdammte Virus besiegen."

Rund 70 Mitarbeiter betroffen

Pfister rechnet damit, dass ab Anfang Dezember rund 70 Mitarbeiter aufgrund ihrer Weigerung, sich impfen zu lassen, aus seinen Pflegeheimen fliegen. "Sie werden einen schweren Stand im Team bekommen bei ihrer Rückkehr. Ihr Egoismus ist kurz gedacht." Die 2G-Regel gelte nicht für Mitarbeiter, die ein ärztliches Attest vorlegen können. Zunächst würden bei den Freistellungen Urlaub und freie Tage angerechnet.

Die "Benevit"-Gruppe ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen mit Sitz in Mössingen, das nach eigenen Angaben "Dienstleistungen für ältere, pflege- und betreuungsbedürftige Menschen erbringt". Die Gruppe ist bundesweit tätig und betreibt 26 stationäre Pflegeeinrichtungen mit rund 1700 Plätzen in fünf Bundesländern. Dazu kommen vier Tagespflegeeinrichtungen. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen rund 2000 Mitarbeiter.

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