Astrazeneca Nebenwirkungen auch bei Lahrer Impflingen

Vorerst werden in Lahr keine Impfungen mit Astrazeneca mehr aufgezogen. Foto: Hanschke

Lahr - Es ist ein schwerer Rückschlag im Kampf gegen Corona: In Deutschland werden die Impfungen mit dem Impfstoff von Astrazeneca ausgesetzt. Wir nennen hier die Konsequenzen, die sich daraus für das Lahrer Zentrum ergeben.

Wie schon andere europäische Länder setzt nun auch Deutschland Astrazeneca vorerst nicht mehr ein. Hintergrund sind sieben in Deutschland gemeldete Fälle von Thrombosen der Hirnvenen kurz nach der Injektion –­ bei inzwischen mehr als 1,6 Millionen Impfungen mit Astrazeneca.

Diese Entscheidung platzte mitten hinein in einen laufenden Impftag in der Lahrer Rheintalhalle, wo deshalb am Montagnachmittag etwa 20 Impflinge unverrichteter Dinge nach Hause gehen mussten (wir berichteten).

Was bedeutet das für Lahr?

Auch in der Rheintalhalle wird bis einschließlich kommenden Montag natürlich niemand mehr mit Astrazeneca geimpft. Deshalb werden insgesamt knapp 1400 Termine abgesagt. Allein am Dienstag hätten 222 Menschen eine Astra-Injektion erhalten sollen.

"Den Frust und die Enttäuschung der Menschen, die eine Absage erhalten, können wir sehr gut nachvollziehen, es ist auch für uns eine deprimierende Situation", erklärt Diana Kohlmann, die Leiterin der Kreis-Impfzentren.

Sind bei Astra-Impflingen in Lahr Nebenwirkungen aufgetreten?

Das für Impfstoffe in Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut schreibt auf seiner Homepage, dass man bei der Analyse des Datenbestands "eine auffällige Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen und Blutungen in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem Covid-19-Impfstoff Astrazeneca" festgestellt habe.

Auch nach Astra-Impfungen in Lahr sind Nebenwirkungen aufgetreten, wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt. Konkret wisse man von leichten Nebenwirkungen in neun Fällen. Die Rede ist von "Kribbeln auf der Lippe, Schwindel, Kreislaufproblemen und Schweißausbrüchen".

Könnte man für die nötige zweite Dosis auch ein anderes Mittel nutzen?

Noch läuft es so: Wer in Lahr die erste Spritze mit dem Astrazeneca-Impfstoff erhält, bekommt auch die zweite von Astrazeneca. Theoretisch wäre es auch möglich, verschiedene Impfstoffe zu spritzen – das wäre Gesundheitsexperten zufolge immunologisch wahrscheinlich kein Problem. Jedoch: Eine Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff sei im Lahrer Zentrum aufgrund des begrenzten weiteren Impfstoffs aktuell nicht möglich, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit.

War die erste Astra-Impfung wirkungslos, wenn es keine zweite gibt?

Laut Landratsamt zeigt eine schottischen Studie, dass schon nach der ersten Dosis des Astrazeneca-Impfstoffs das Risiko, wegen Covid-19 ins Krankenhaus zu müssen, deutlich zurückgeht. Bei den über 80-Jährigen sei in der vierten Woche nach der Erstimpfung ein Rückgang der Erkrankungen um durchschnittlich 81 Prozent festgestellt worden.

"Demnach würde der Impfstoff also signifikant helfen, schwere Verläufe auch bei älteren Menschen zu verhindern", hebt Dezernentin Diana Kohlmann hervor. In Lahr hat noch niemand die zweite Impfung mit Astrazeneca erhalten. Der Wirkstoff wird in der Rheintalhalle erst seit Anfang März verabreicht. Zwischen der ersten und der zweiten Dosis sollen mehrere Wochen liegen.

Wie wichtig ist Astrazeneca für die Bekämpfung der Pandemie?

Für den Fortschritt der Impfungen sollte das Mittel von Astrazeneca eine immer bedeutendere Rolle spielen. Es muss nicht so aufwendig gekühlt werden wie das Präparat von Biontech und kann deshalb auch in normalen Arztpraxen gelagert werden.

Vor Kurzem erst wurde Astrazeneca nach neuen Studiendaten auch für Ältere empfohlen und nicht nur wie beim Start ausschließlich für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren. In Lahr haben zahlreiche Lehrer und Angestellte im medizinischen Bereich eine Astra-Impfung erhalten.

Welche Auswirkungen hat das Astra-Aus auf das Lahrer Impfzentrum?

Der Betrieb wird jetzt natürlich heruntergefahren, die Zahl der Impfbahnen von sechs auf drei reduziert. Es werden auch weniger Helfer gebraucht. Das Lahrer Impfzentrum bleibt von Freitag bis Sonntag geschlossen, denn es sei mangels Wirkstoff nicht möglich, die geplanten Astra- durch Biontech-Impfungen zu ersetzen, heißt es.

Im Lahrer Zentrum in der Rheintalhalle sind bis Montagabend übrigens insgesamt 8997 Impfungen verabreicht worden, 7650 Erst- und 1347 Zweitimpfungen.

Info

Die Astra-Terminabsagen gelten nur bis einschließlich Montag, 22. März, und umfassen lediglich Erstimpfungen. Spätere Termine bleiben zunächst bestehen. Menschen, deren Ersttermin jetzt abgesagt wird, werden gebeten, die Informationen zum Zweittermin vorerst aufzubewahren, bis feststeht, wie es weitergeht.

Für die Abarbeitung der Warteliste wird das Terminbuchungssystem zunächst bis einschließlich Montag, 22. März, geschlossen. Für diese Zeit könnten weder telefonisch noch online Termine in den Impfzentren gebucht werden, teilt das Stuttgarter Gesundheitsministerium mit. Die Menschen auf der Warteliste würden direkt vom Callcenter informiert, sobald ein Termin für sie verfügbar ist.

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