Appenweier Bunte Blüten statt nackter Erdschollen

Martin Mannßhardt (von links), Volker Heitz und Rainer Moritz erläuterten, wie Herbstbegrünung funktioniert. Foto: Jäger

Appenweier - Mehr als 7000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche werden derzeit von den Landwirten im Ortenaukreis nach der Ernte der Hauptfrucht mit verschiedenen Pflanzen besät. Die Begrünung hat viele Funktionen und Vorteile.

"Ackerbau ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema. Das zeigen die Diskussionen um das Volksbegehren ›Rettet die Bienen‹. Wir wollen zur Versachlichung beitragen und informieren, wie heute bereits auf vielen Äckern angebaut wird", erläuterte der Leiter des Amts für Landwirtschaft, Rainer Moritz, bei einem Vor-Ort-Termin auf verschiedenen Äckern auf Gemarkung Appenweier. Gemeinsam mit seinen Kollegen Volker Heitz, Pflanzenschutzbeauftragter für den Ackerbau und Martin Mannßhardt, Wasserschutzgebietsberater, stand er Rede und Antwort zum Thema Herbstbegrünung.

> Nährstoffe werden konserviert: Die Bodenbedeckung im Herbst nimmt Nährstoffe auf und lagert sie über den Winter in ihre Pflanzenteile ein. Das verhindert zum einen die Auswaschung in das Grund- und Oberflächenwasser und düngt andererseits die folgende Hauptkultur. Die Biomasse bildet Humus. "Dadurch können die Böden mehr CO2 speichern", so Moritz. Wasser hält sich besser im Boden: Die Biomasse kann ebenso Wasser-Erosion und Abschwemmung wirkungsvoll reduzieren. "Die Böden sind in Trockenzeiten besser in der Lage, Feuchtigkeit zu halten", beschrieb Mannß­hardt einen weiteren Vorteil. Die Wasserkapazität des Bodens und die Bodengare werden verbessert.

> Biodiversität gesteigert: Verwandelte in früheren Jahren die Begrünung Felder in ein hellgelbes Blütenmeer, geht es heute bunt zu auf dem Acker. Zur reinen Senfsaat gesellen sich mittlerweile Mischungen mit einer Auswahl von rund 20 Sorten. Sonnenblume, Rettich, Ramtillkraut und weitere schnell wachsende Pflanzenarten sorgen mit ihren Wurzeln für unterschiedlich tiefe Bodenauflockerung. Da viele Sorten tiefer wurzeln als Mais oder Weizen werden so tiefere Nährstoffressourcen erschlossen.

> Gegen vieles ist ein Kraut gewachsen: Gelbsenf- und Ölrettich-Sorten können sogar zur natürlichen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden. Diese Pflanzen lösen in den Eiern der Fadenwürmer den Schlüpfreiz aus. Da diese danach kein Getreide auf dem Feld vorfinden, verhungert die Population. Auch gegen unerwünschte Unkräuter wird die Begrünung eingesetzt. Herbizide und Pestizide könnten so eingespart oder ihr Einsatz reduziert werden, erläuterte Heitz. Spezialisten für das Binden von CO2 aus der Luft sind Leguminosen, die damit die Nachfolgefrucht versorgen.

> Lebensraum für Wildtiere: Blütenbesucher wie Schmetterlinge, Bienen oder Hummeln profitieren von der gebotenen Vielfalt. Rehe, Hasen, Hamster und andere Säugetiere bevölkern den Lebensraum. So begünstigen die begrünten Flächen, die keiner Ernte durch den Menschen dienen, die Artenvielfalt.

Die Herbstbegrünung sei ein Beispiel für die Kombination von Ökologie mit Wirtschaftlichkeit, resümierten die Fachleute. "Landwirte tun da bereits viel. Das Landratsamt berät sie. Wir sind immer auf der Suche nach Lösungen und Optimierungen", so Moritz. Über "FAKT", das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl des Landes, können Landwirte Fördergelder für die Begrünungsmaßnahmen beantragen. "Aber viele Landwirte begrünen auch ohne Förderung, weil sie die Vorteile erkannt haben."

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