Angst vor der Tigermücke Lahrer Fall beschäftigt Experten

Annika Schubert
Es ist nicht unwahrscheinlich, im Ortenaukreis auf Tigermücken zu stoßen. Foto: Archiv

Lahrerin Waltraud Arand entdeckt ungewöhnliches Insekt. LZ hakt nach.

Lahr/Ortenau - Ist es womöglich eine asiatische Tigermücke? Die Aufregung war groß, als LZ-Leserin Waltraud Arand eine etwa drei Zentimeter große Mücke mit gescheckten Flügeln in ihrem Hausflur fand. Die LZ ist der Sache auf den Grund gegangen.

Die Befürchtung, dass das, was dort in ihrem Hausflur lag, eine subtropische Stechmückenart sein könnte, veranlasste die Lahrerin Waltraud Arand dazu, sich an die Lahrer Zeitung zu wenden. "Ich hatte Angst, dass es sich um eine asiatische Tigermücke handeln könnte", berichtet die 78-Jähirge, "ich wollte, dass das abgeklärt wird." Ein Foto, das Arand mit in die LZ-Geschäftsstelle gebracht hat, dokumentiert ihren Fund. Die getigerten Flügel der Mücke hätten ihre Besorgnis nur noch weiter befeuert. "Ich hatte Sorge, dass die Tigermücke sich auch bei uns ausbreiten könnte", blickt Arand zurück.

Auf Nachfrage unserer Redaktion beim Offenburger Landratsamt, ob es sich bei dem Tier tatsächlich um eine asiatische Tigermücke handele, konnte vorerst keine Entwarnung gegeben werden. Es handele sich "eher nicht" um eine asiatische Tigermücke, schreibt das Amt. Um sicher zu sein, sollte die Mücke an Experten in Speyer gesendet werden.

Immer wieder Brutkolonien in der Ortenau

Dabei scheint es nicht unwahrscheinlich, im Ortenaukreis auf Tigermücken zu stoßen. Zumindest lässt sich dies aus den Antworten des Landratsamts schließen.

Bei einem im Dezember 2020 abgeschlossenen Forschungsprojekt mit dem Namen "Tiger" habe man nämlich an und in der Nähe einer Ortenauer Autobahnraststätte wiederholt Brutstätten von Tigermücken gefunden. "Die Kolonien wurden erfolgreich bekämpft", heißt es. Doch daneben habe es auch immer wieder Einzelfunde gegeben. Erstmals in der Rheineben ausgemacht, habe man die Tigermücke bereits im Jahr 2007. Erst ab dem Jahr 2015 habe man dann in mehreren Städten entlang der A 5 größere Populationen nachweisen können. Das Ortenauer Gesundheitsamt sei erstmals im Februar 2019 darüber informiert worden, dass insbesondere die Funde im Rahmen des oben genannten "Tiger"-Projektes, für eine stabile Kolonie sprechen, also nicht nur Einzelfunde seien, sondern Brutkolonien, die auch überwintern.

Auch in diesem Jahr seien immer wieder Mücken zur Überprüfung an Experten geschickt worden. Doch bei keinem dieser Funde handelte es sich um eine asiatische Tigermücke, so das Amt. Sollte Waltraud Arands Mücke etwa die erste Positivmeldung einer Tigermücke für den Ortenaukreis in diesem Jahr sein?

Die Antworte der Experten aus Speyer ist deutlich. Gleich zwei haben sich auf die Anfrage unserer Zeitung zurückgemeldet. "Es handelt sich definitiv nicht um eine Tigermücke", so Dirk Reichle, Wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage.

Auch Artur Jöst, Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Exotische Stechmücken der Aktionsgemeinschaft, ist sich sicher: Es handelt sich nicht um eine Stechmücke oder gar eine asiatische Tigermücke. "Anhand der Flügelzeichnung und der Größe müsste es sich um eine einheimische Riesenschnake handeln", so der Experte weiter. Diese sogenannten "echten Schnaken" könnten nicht stechen, da sie keinen Rüssel haben, so Jöst.

Asiatische Tigermücken lassen sich im Gegensatz dazu ganz klar abgrenzen, liest man in den Antworten des Landratamts: "Sie sind äußerst aggressiv und stechen im Gegensatz zu den heimischen Mücken auch tagsüber." Am Aussehen des Stichs selbst seien die Mücken aber nicht zu unterscheiden.

Aggressives Stechverhalten

Ob die asiatische Tigermücke für den Mensch Risiken mit sich bringt? Durch das aggressive Stechverhalten würde die Lebensqualität der Bevölkerung auch tagsüber erheblich leiden, schreibt das Landratsamt. "Außerdem besitzt die Tigermücke die Fähigkeit, Krankheitserreger, wie etwa das Dengue-, Chikungunya-, West-Nil- oder Zikavirus, zu übertragen", heißt es weiter. Die Vermehrung der Viren in der Stechmücke sei temperaturabhängig und liege nach bisherigen Erkenntnissen für Dengue-, -, West-Nil- oder Zikaviren bei durcheghenden Temperaturen von 25 bis 27 Grad-Celsius. Für Chikungunyaviren ei allerdings 18 Grad Celsius über einen Zeitraum von zwei Wochen ausreichen können, um sich in den Mücken zu vermehren. Doch die Wahrscheinlichkeit, sich in Deutschland mit einer dieser Krankheiten anzustecken, sei aktuell sehr gering. Allerdings steige das Risiko momentan angesichts der Veränderungen durch den Klimawandel mit anhaltend warmen Sommermonaten.

Um sich gegen die Tigermücke zu schützen, sei es wichtig, mögliche Brutstätten zu eliminieren. Die asiatische Stechmücke brüte gern in stehenden Wasseransammlungen wie etwa in Gießkannen oder Topfuntersetzern. Selbst defekte Rohre von Zäunen seien für die Mücke als Brutstätte geeignet. Die Eier würden dabei oberhalb des Wasserspiegels abgelegt werden. Die Entwicklung der Larven beginne dann mit dem nächsten Regen, wenn der Wasserspiegel steigt. Ansonsten würden alle Maßnahmen, die auch bei Stechmücken zum Einsatz kommen, wie etwa Fliegengitter oder Moskitonetze, helfen.

Die ursprünglich aus Südostasien stammende asiatische Tigermücke wird seit Ende des 20. Jahrhunderts im Gefolge des weltweiten Handels auch nach Europa eingeschleppt, informiert das Landratsamt. In Italien ist sie seit den 1990er-Jahren heimisch und verbreitet sich mit dem Güter- und Reiseverkehr entlang der Schienen- und Straßen nach Norden. Für die Ausbreitung der Tigermücke sei in erster Linie der Eintrag von Mücken, aber vor allem von trockenresistenten Eiern, mit dem Frachtgüterverkehr und der allgemeinen Reisetätigkeit verantwortlich. Für die weitere Verbreitung spielt aber tatsächlich der Klimawandel mit steigenden Durchschnittstemperaturen eine Rolle.

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