Altenheim Theater kämpft ums Überleben

Der Theatersaal in Altenheim mit seinen 150 Sitzplätzen bleibt erst einmal leer. Für das Eurodisktrikt-Theater "Baal" ist dieser Zustand eine absolute Katastrophe. Foto: Hubert Grimmig

Altenheim - Gerade erst eingezogen und das Theater eröffnet, mussten die Schauspieler von "Baal" die Bühne im Europäischen Forum am Rhein in Altenheim wieder verlassen. Theaterleiter Edzard Schoppmann ist nicht nur verzweifelt, sondern auch verärgert.

Positive Resonanz der Besucher 

Mit Optimismus und viel Begeisterung ist das Eurodistrikt-Theater Baden-Alsace (Baal) durch das erste halbe Jahr in ihrer ersten eigenen Spielstätte gegangen. Besonders erfreut hatte Intendant Edzard Schoppmann, dass es eine solch positive Resonanz der Besucher gab.

Jede Vorstellung im europäischen Forum am Rhein in Altenheim sei gut besucht gewesen. "Wir hatten ein wahnsinnig tolles erstes halbes Jahr – und dann brach alles ein", sagt Schoppmann im Gespräch mit der Lahrer Zeitung.

Landrat Frank Scherer sagt "Baal" Unterstützung zu

Sämtliche Auftritte mussten aufgrund des Coronavirus abgesagt werden (siehe Info). "Es ist nicht nur ein Totalausfall, sondern auch eine absolute Katastrophe", beschreibt Schoppmann die derzeitige Situation. Wie lange das Theater gestemmt werden könne, hänge von einigen Faktoren ab: "Uns fehlen beispielsweise die Zuschüsse unter anderem vom Eurodistrikt, die uns zugesichert wurden." Und auch sonstige Hilfen, die von Behörden versprochen worden sind, kämen in der Realität bei den Unternehmen nicht an.

"Das Kunstministerium beispielsweise zieht sich auf Regularien zurück, die in einer solchen Situation einfach nicht angebracht sind", ärgert sich Schoppmann. Insgesamt fehlt dem Theater 65 000 Euro nicht ausbezahlter Zuschüsse des Eurodistrikts und des Strukturfonds der Europäischen Union "EFRE", die seit langem fällig seien.

Dazu kämen nochmals 40 000 Euro Einnahmeverluste durch abgesagte Vorstellungen. "Es ärgert mich einfach, dass die Behörden ihre Hausaufgaben nicht hinbekommen", setzt Schoppmann nochmals nach. Einen Lichtblick habe es nun durch Landrat Frank Scherer gegeben, der zusicherte, die Zuschüsse des Landkreises vorzuziehen. "Damit können wir immerhin die Ausgaben bis Ende April decken", sagt Schoppmann.

Die Proben im Theater laufen trotz allem weiter: "Die beiden Schauspieler, die bei uns fest angestellt sind, sind auch privat ein Paar. Da müssen wir uns zumindest keine Sorgen hinsichtlich der Infizierung machen", so Schoppmann. Auch die Techniker würden derzeit ihrer alltäglichen Arbeit nachgehen. Alle Gastschauspieler seien hingegen "auf Null gefallen". Der Theaterleiter sehe keine andere Möglichkeit, ab April Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken.

Begegnung von Zuschauern und Schauspielern 

"Das Theater lebt vom Live-Erlebnis, von der Begegnung zwischen Zuschauer und Schauspieler", sagt Schoppmann. In der jetzigen Situation auf Socialmedia-Kanälen Videos von Auftritten hochzuladen sei völlig absurd. "Wir stehen hier Mitten in einer Krise, da können wir doch nicht einfach vor eine Kamera stehen und sagen: ›Schaut her, wie schön wir tanzen können‹".

Es gehe vielmehr darum, nicht auf das Problem wie die Katze auf die Maus zu blicken, sondern auch alles drumherum wahrzunehmen. Und dies wünsche er sich vor allem von den zuständigen Behörden.

Das Eurodistrikt-Theater "Baal" versuche nun, den Zustand auszuhalten und die Proben weiter fortzuführen, damit der Alltag nicht voll und ganz wegbricht. "Wir können nur hoffen, dass das Theater diese Zeit überstehen wird", so Schoppmann.

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