Alamierende Zahlen aus dem Kreis Ortenauer Hebammen droht Überalterung

(red/ma)
Betreuung vor, während und nach der Geburt: Laut der von CDU-Bundestagsabgeordneten vorgestellten Studie nimmt die Arbeitsbelastung von Hebammen im Ortenaukreis drastisch zu. (Symbolfoto) Foto: Thorsten Helmerichs/dpa

Alarmierende Ergebnisse einer Umfrage: Ein Drittel der Geburtshelferinnen ist älter als 50 Jahre.

Ortenau - Der Hebammenschaft im Ortenaukreis droht eine dramatische Überalterung. So das Ergebnis einer Umfrage unter den Geburtshelferinnen und jungen Familien. Diese hat CDU-Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac initiiert und nun vorgestellt.

Die Studie "Strukturanalyse der Hebammenversorgung im ländlich geprägten Ortenaukreis" wurde in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Freiburg und dem Netzwerk für Familien und Hebammen Ortenau erarbeitet. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft förderte die Erhebung. Dabei seien Hebammen zu ihren Arbeitsbedingungen und ihrer beruflichen Situation sowie Mütter und junge Familien zu ihren Erfahrungen mit Hebammenleistungen in der Ortenau befragt worden, teilt die CDU-Bundestagsabgeordnete Kordula Kovac mit.

Den Ergebnissen zufolge droht der Hebammenschaft in der Region eine dramatische Überalterung. Im Schnitt sind die Hebammen, die an der Studie teilnahmen, 46 Jahre alt, keine ist jünger als 33 Jahre. Ein Drittel ist laut der Präsentation der Studienergebnisse bereits zwischen 50 und 65 Jahre alt.

Schon jetzt zeichne sich zudem eine drastische Arbeitsüberlastung ab, die in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird. "Ich sehe in dieser Entwicklung die große Gefahr, dass zahlreiche Hebammenleistungen nicht mehr angeboten werden können", erklärt Kovac. Um diesem Trend entgegenzuwirken, sei es dringend notwendig, dass vermehrt Frauen oder auch Männer den Beruf der Hebamme beziehungsweise des Geburtshelfers im ländlichen Raum ausüben. "Dazu müssen durch die Ausbildung und von politischer Seite entsprechende Anreize gesetzt werden", betont Kovac.

Anschaffung eines "Storchenwagen" soll helfen

Gerade der Ausbildungslehrgang der sogenannten Frühen Hilfe müsse noch stärker angeboten werden. Bei der "Frühen Hilfe" betreuen und beraten Hebammen junge Familien bis zum dritten Lebensjahr des Kindes. "Familien haben über viele Jahre sehr von einer längerfristigen Betreuung durch eine Hebamme profitiert! Dieses Angebot darf nicht wegfallen", so Kovac.

Die Studie ergab ebenfalls, dass Hebammen in der Ortenau rund zehn Kilometer zu ihren Patientinnen hinter sich legen müssen. Zwei Drittel der Geburtshelferinnen, die im Kreis arbeiten, wohnen auch dort. Fast 20 Prozent pendeln von außerhalb ein. Werdende Mütter fahren im Schnitt circa zwanzig Kilometer, um ihr Kind zur Welt zu bringen. Für Kovac sind diese langen Wege nicht hinnehmbar. Abhilfe erhoffe sie sich durch die Anschaffung eines "Storchenwagens".

"Mit einem Storchenwagen könnten Schwangere in Notsituationen begleitet von einem Arzt und einer Hebamme ins Krankenhaus gebracht werden. Die Gefahr für Mutter und Kind verringert sich dadurch massiv!" Entsprechende Anfragen nach Fördermitteln bei Stiftungen habe sie bereits gestellt, so die Mitteilung der Bundestagsabgeordneten. "Es muss an ganzheitlichen Lösungen gearbeitet werden. Auch Rettungshubschrauber und Geburtshäuser müssen in die Überlegungen miteinbezogen werden."

An der nun vorgestellten Studie nahmen im Zeitraum von 1. Juni bis zum 14. Juli 2019 rund 32 Hebammen sowie 273 Mütter und junge Familien teil. Dabei liegt die Rücklaufquote der Fragebögen recht niedrig: Insgesamt wurden mehr als 100 Hebammen und fast 2370 Mütter und junge Familien angeschrieben.

22 Prozent der an der Studie teilnehmenden Hebammen gaben an, dass ihre Arbeitszeit deutlich angestiegen sei. Die meisten gaben als Grund einen gestiegenen Betreuungsbedarf von Frauen, die zunehmende Geburtenrate im Ortenaukreis, sowie ein insgesamt gestiegener Mehrbedarf an Hebammen an. Für das Jahr 2019 erklärten etwa 82 Prozent der Hebammen, über keine freien Kapazitäten mehr zu verfügen. Fast 60 Prozent der befragten Geburtshelferinnen wollen in den Jahren bis 2023 insgesamt weniger arbeiten.