50 Jahre Eingemeindung Langenwinkel war auf Eingliederung vorbereitet

Jonas Köhler

In 50 Jahren von etwa 250 auf mehr als 2.000 Einwohner – in Langenwinkel hat sich seit der Eingemeindung nach Lahr im Jahr 1972 viel getan. Im LZ-Gespräch blickt Ortsvorsteherin Annerose Deusch auf eine spannende Entwicklung zurück.

Langenwinkel - Der Anfang der 1970er-Jahre war eine ereignisreiche Zeit für Langenwinkel. Nachdem im Oktober 1971 zunächst die Umsiedlung abgeschlossen wurde, um Platz für den Flughafen zu schaffen, wurde die kleine Gemeinde nur wenige Monate später offiziell nach Lahr eingegliedert. Die Eingemeindung war für die Langenwinkler keine Überraschung "Es war klar, dass das kommt", erklärt Ortsvorsteherin Annerose Deutsch im Gespräch mit unserer Redaktion. Entsprechend hätte es auch nur sehr wenig Widerstand gegeben.

Über die Eingemeindung war in Langenwinkel schon häufiger gesprochen wurden. "Aller guten Dinge sind vier", könnte man sagen, denn die ersten drei Versuche scheiterten, wie im Werk "Geschichte von Langenwinkel" nachzulesen ist. Im Jahr 1920 wollte Langenwinkel in einer finanziell schwierigen Zeit seine Gemarkung vergrößern und hoffte, dass die Gemeinde Dinglingen Gebiete abtreten würde. Als Alternative schlug Langenwinkel eine Eingemeindung nach Dinglingen vor. Hellhörig wurde jedoch die Stadt Lahr, die sowohl Langenwinkel als auch Dinglingen eingemeinden wollte. Letztlich wurden die Pläne nie konkret.

1932 stellte die Stadt Lahr beim Badischen Staatsministerium den Antrag, unter anderem Langenwinkel einzugemeinden. Dieses Ansinnen konnte Langenwinkel jedoch abwenden. Ein Jahr später wollte der damals NSDAP-geführte Lahrer Stadtrat die Eingemeindung erneut durchbringen. Langenwinkel sei alleine zu leistungsschwach, hieß es. Es gab sogar schon eines Gesetzentwurf und es fehlte nur die Unterschrift von Reichsstatthalter Robert Wagner. Dieser weigerte sich jedoch und so blieb Langenwinkel bis 1972 eine eigenständige Gemeinde.

Die Gespräche über die Eingliederung fanden bereits während der noch laufenden Umsiedlung statt. Ortsvorsteherin Deusch war damals zwar noch keine Langenwinklerin, habe jedoch von Zeitzeugen gehört, dass der Lahrer Oberbürgermeister Philipp Brucker "das gut gemacht hat". Mit 87,3 Prozent der Stimmen fiel schließlich die Bürgerbefragung auch sehr deutlich für die Eingemeindung aus. Teil des Eingliederungsvertrags waren einige Versprechen der Stadt Lahr, darunter die Anlage eines Sportplatzes mit einem Schützenhaus sowie die Erweiterung der Turnhalle, erläutert Deutsch.

"Integration ist bei uns normal"

Als Teil der Stadt Lahr konnte sich Langenwinkel dann weiterentwickeln – und entwickelt sich auch heute noch, so die Ortsvorsteherin. Die Stadt Lahr habe die zusätzliche Fläche genutzt, um Baugebiete anzulegen. Viele Siedler, auch aus dem Ausland wie aus Rumänien, kamen so ins Dorf. Nach dem Abzug der Kanadier wurden deren Wohnungen von Russlanddeutschen besetzt. "Wir sind ein Dorf, aus aller Welt zusammengeblasen", sagt Deusch. Das mache den Charme des Orts aus.

"In Langenwinkel können Leute unterkommen, die anderswo nicht sehr beliebt waren", so die Ortsvorsteherin weiter. "Integration ist bei uns normal". Auch Menschen mit Behinderungen hätte es im Dorf schon immer gegeben. "Das ist ganz normal, die waren schon immer mit dabei", erklärt Deusch durchaus mit Stolz. Über die Neuankömmlinge im Dorf nach der Umsiedlung berichtet sie, dass diese sich schnell integriert haben und sich Vereinen, wie beispielsweise dem Gesangsverein, angeschlossen haben. Einzig die Spätaussiedler, bedauert die Ortsvorsteherin, blieben noch eher unter sich. "Aber auch sie gehören dazu", stellt sie klar. Es brauche vermutlich noch einige Jahre, bis diese sich auch aus Eigeninitiative am Dorfleben beteiligen.

Heute leben in Langenwinkel etwa 2.100 Menschen. Neubaugebiete wird es vorerst nicht mehr geben, da kein Platz dafür sei. Stattdessen werde man auf Innerortsverdichtung setzen, so Deusch. Das Gewerbegebiet habe man in den letzten Jahren endgültig füllen können. Dabei habe sich die Eingemeindung positiv bemerkbar gemacht, denn "ohne die Stadt Lahr hätten wir kein Gewerbegebiet".

Dorf hat für Jugendliche viel zu bieten

Allgemein kann Deusch über die Kommunikation mit der Stadt nur Positives berichten. Deutlich sei dies in den Gesprächen für die neue Kreisstraße in der südlichen Ortenau geworden, als auch die Wünsche Langenwinkels respektiert wurden. Mit den Kreisverkehren habe sich die Verkehrssituation ohnehin schon verbessert. "Früher haben manche Anwohner, als sie aus dem Dorf fahren wollten, auf die Fußgängerampel gedrückt, um überhaupt rausfahren zu können", erinnert sich die Ortsvorsteherin.

Langenwinkel als Wohnort steche besonders durch die "schöne zentrale Lage" hervor, sagt Deusch. Man ist schnell in der Stadt, schnell am Bahnhof und auch schnell auf der Autobahn. Dennoch sei es relativ ruhig im Ort. Besonders hebt die Ortsvorsteherin die kurzen Wege hervor. Ob Kindergarten, Ortsverwaltung oder Kirche – die wichtigsten Einrichtungen sind auch zu Fuß zu erreichen. Vor allem für Jugendliche habe das Dorf viel zu bieten. Ein Bolzplatz, ein Basketballplatz und eine BMX-Bahn laden zum gemeinsamen Sport treiben ein. Ebenso ein Schachspiel und Tischtennisplatten auf dem Gelände des Kindergartens.

Wenn einmal Probleme auftauchen, so zeigt sich bei einem kleinen Rundgang durch den Ort, werden keine Verbote ausgesprochen, sondern teils kreative Lösungen gefunden. Graffiti-Schmierereien an Wänden werden professionell aufgehübscht; wenn eine Wand Kindern als Fußballtor dient und darunter leidet, wird kurzerhand ein richtiges Tor davorgestellt. Ein Dorf mit Vielfalt, in dem jeder willkommen ist – so präsentiert sich Langenwinkel heute.

50 Jahre Eingemeindung

Im Zuge der Kommunalreform wurden im Jahr 1972 die sieben heutigen Lahrer Stadtteile, die bis dahin eigenständige Gemeinden waren, in die Stadt eingegliedert. Die Lahrer Zeitung blickt in einer Serie auf den Prozess der Eingemeindung zurück und stellt die Entwicklung der einzelnen Stadtteile seit 1972 dar.

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