25 Jahre Partnerschaft Mahlberg und Malaucène lassen Freunschaft hochleben

Michael Masson

Herzlichkeit war Trumpf beim Jumelage-Jubiläum in Mahlberg: 21 Gäste aus der Partnerstadt Malaucène waren in die Stauferstadt gekommen, um das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft nachzufeiern. Sie erwartete ein vielfältiges Programm.

Mahlberg - Nach einer 700 Kilometer langen Tagesfahrt waren sie am Freitagnachmittag am Mahlberger Rathaus eingetroffen: 21 Gäste aus der provenzalischen Partnerstadt Malaucène am Fuß des Mont Ventoux. Schon bei der Ankunft hatten sich herzliche Szenen mit Umarmungen und Wangenküssen abgespielt.

Neben manch neuem Mitreisenden aus Malaucène waren auch gute "alte" Bekannte mitgekommen, etwa der ehemalige Bürgermeister Dominique Bodon und die Jumelage-Aktivistin Miriam Mimi Bertrand samt Ehepartnern. Zu Beginn seiner ersten Amtszeit war der heutige Ehrenbürgermeister nach eigenem Bekunden noch skeptisch gewesen. Doch sehr bald hatte er die sich neu entwickelnde Partnerschaft aus voller Überzeugung aktiv mit unterstützt.

Europa-Park und Planwagenfahrt

Am Samstag hatten die Malaucèner freie Angebotsauswahl: Sechs von ihnen entschieden sich für einen für sie zumeist ersten Besuch im Europa-Park, der für sie und ihre deutschen Begleiter die Eintrittskarten gespendet hatte. Die anderen 15 genossen eine geruhsame Planwagen-Treckerfahrt am Kaiserstuhl durch traumhafte sommerliche Landschaft samt Vesper und Weinprobe. Auch da waren deutsche Übernachtungs-Gastgeber und weitere Mitglieder des Mahlberger Partnerschaftskomitees mit von der Partie. Sprachprobleme löste man leicht mit etwas Gestik dazu. Man verstand sich wie immer prächtig – auch menschlich.

Zum abendlichen Festbankett in der Stadthalle war nicht die komplette Bevölkerung geladen, wie noch zur Jumelage-Vertragsunterzeichung – das hätte den Rahmen gesprengt. Stattdessen feierten insgesamt 70 Mitglieder des Mahlberger Partnerschaftskomitees, einige Stadt- und Ortschaftsräte, Gastfamilien sowie sonstige Beteiligte mit. Vor dem Start zum üppigen Büffet vom Feinschmecker-Gruninger gab es einen offiziellen Teil samt Festreden und musikalischer Umrahmung durch eine Bläsergruppe des Musikvereins. Die hatte eingangs die Europahymne intoniert, später auch die beiden Nationalhymnen.

Bürgermeister Dietmar Benz hob in seiner Festrede hervor, dass man auch auf kommunaler Ebenen für den europäischen Gedanken, Frieden, Freiheit und menschliches Miteinander einstehen müsse. Neben jährlichen abwechselnden Begegnungen der beiden Partnerschaftskomitees seien über ein Vierteljahrhundert auch viele Kontakte auf privaten Ebenen entstanden. Das nicht zuletzt auch dank der Feuerwehr und ihren französischen Pompers-Kameraden, die Benz als große, tragende Säule der Partnerschaft lobte.

Junge Menschen immer schwerer zu begeistern

Leider falle es immer schwerer, junge Menschen für die Jumelage zu begeistern. Dieser Herausforderung müsse man sich in den kommenden Jahren verstärkt annehmen. Benz dankte den Malaucènern für viele schöne Momente mit unvergesslichen Begegnungen. Er dankte gleichermaßen seinem anwesenden Amtsvorgänger Ulrich Hehr, der seinerzeit mit dem Malaucèner Alain Julien und anderen zu den Hauptinitiatoren der Jumelage gezählt hatte. Benz’ Fazit: "Die Jumelage ist eine gelebte, tolle partnerschaftliche Verbindung!"

Für den verhinderten neuen Malaucèner Bürgermeister Frédéric Tenon sprach dessen Stellvertreter Michel Rourre. Bei seinem ersten Besuch in Mahlberg stellte er fest: "Die Zuvorkommenheit, Organisation und Aufmerksamkeit sind großartig und rühren uns sehr – das sind Dinge, die zu Herzen gehen." Neben Dominique Bodon hob Rourre besonders die ebenfalls mit gereisten Jumelage-Pioniere Jacques Laire und Miriam Bertrand als langjährige Komitee-Chefin hervor.

Kritisch stellte Rourre fest, dass die Malaucèner Jumelage-Begeisterung der ersten Jahre etwas nachgelassen habe. Doch man wolle weiter daran arbeiten, denn über Sprachgrenzen hinweg gelte es, Völkerverständigung auch mit geselligen Ereignissen zu verbinden. Zumal sich die Partnergemeinden nicht nur in Größe und Einwohnerzahl, ihrem ländlichen Charakter und touristischem Potenzial ähneln. Man habe schließlich gemeinsame Wurzeln – nämlich die griechisch-römische Zivilisation.

Die Mahlberger verblüfften mit einem Gastgeschenk besonderer Art: Eine großen modern-bunten Kuckucksuhr. Die Malaucèner hatten neben einer riesigen Jubiläumsfahne und einer Draht-Skulptur von Tour de France-Radlern am Mont Ventoux auch noch ein altes Weinfass mitgebracht – in diesem Fall mit Flaschen gefüllt. Die deutschen Damen bekamen noch kräftig duftende Lavendelsträußchen überreicht. Schließlich wurden dazu von der Musikgruppe des MV noch die Provence-Hymne "La Coupo Santo" und das hiesige Gegenstück des Badnerliedes angestimmt.

So fing es an

Die Partnerschaft begann vor mehr als einem Vierteljahrhundert. Völlig unbemerkt von den Mahlbergern hatte sich eine kleine Malaucèner Gruppe heimlich in dem Stauferstädtchen umgesehen auf der Suche nach einer deutschen Partnergemeinde. Den Tipp dazu hatte ihnen damals Steffen Lipps gegeben, einst Künstler aus Lahr, der nun in

Malaucène lebt. Ergebnis der verdeckten Erkundung: Zur Verblüffung des damaligen Bürgermeisters Ulrich Hehr traf eine höfliche Anfrage ein, ob Mahlberg Freundschafts-Interesse an Malaucène hätte. Das wurde dann vom Gemeinderat positiv beantwortet. Am 25. Mai 1996 wurde der Vertrag unterzeichnet.

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