1380 Gummitiere in Ettenheim Alle Augen auf die gelben Enten

Klaus Schade

Nach drei Jahren Corona-Zwangspause hat es am Mittwoch auf dem Ettenheimer Gewerbekanal wieder ein Rennen der Plastikenten gegeben. Aufgeregt beobachten vor allem die Kinder, welche der 1380 Enten zu den 88 Siegern gehören würde.

Ettenheim - Vor allem Jungs und Mädels setzten beim traditionellen Entenrennen auf dem Gewerbekanal am Mittwoch alle Hoffnung auf die Sprintfähigkeit ihrer kleinen Plastikenten. Ob den Kindern wohl bewusst war, dass genau dieser Kanal zwischen Espenring und Austraße bis vor 90 Jahren ihnen selbst als "Freibad" gedient hätte? Eher nicht, nicht einmal ihren Eltern. Schließlich hat bereits im Jahr 1934 das Ettenheimer Freibad eröffnet und die Wasserläufe in Ettenheim als "Schwimmbäder" abgelöst.

Der Gewerbekanal verbinden die Kids von heute eher mit schwimmenden Enten. Das ganze Jahr über lockte er als lohnendes Ausflugsziel mit lebendem Getier – und eben einmal im Jahr mit dem "Entenrennen", das vom "Unternehmen Ettenheim" in diesem Jahr in 20. Auflage organisiert wurde. Die Initiatoren dieser bei den Kindern so beliebten Veranstaltung haben vor mehr als zwanzig Jahren zielsicher Ettenheims mittelalterliches Image in der Neuzeit wieder aufleben lassen: "Äddene, wo d’Ente im Dreck schwimme." Auf alten Postkarten ist dieses Etikett verewigt, entlang des Wasserlaufs in der Thomasstraße dieser legendäre Ruf von Heinz Treiber in künstlerisch-stilisierten Sandstein-Enten und städtischen Verordnungen aus dem Jahr 1875 der Nachwelt ins Stammbuch geschrieben. Unter anderem ist dort in Bronze gegossen: "Geflügel darf an Sonn- und Feiertagen nicht auf die Straße gelassen werden." Deswegen – grundsätzlich mittwochs am frühen Abend – gibt es das jährliche Entenrennen mit der anschließenden After-Work-Party. Freilich: Im Mittelalter waren die Enten nicht aus gelbem Plastik – dafür schwimmen sie heute nicht mehr im Dreck.

Das galt auch für die Neuauflage am Mittwochabend. Dass der Wettergott meinte, just zu diesem Termin den Gewerbekanal zusätzlich mit Wasser versorgen zu müssen, indem er die Schleusen des Himmels öffnete, beeinträchtigte die Besucherzahl nicht grundlegend. Vielstimmig der von "Lautsprecher" Robert Dees initiierte Countdown, bis Bauhofleiter Markus Ohnemus auf die Minute genau um 17.30 Uhr die rund 1380 gekauften und ins Rennen geschickten Plastikenten aus der Schaufel seines Traktors zu Wasser ließ.

Ziellinie war bei der Brücke an der Austraße

Verblüffend war, mit welch unterschiedlicher Strategie die Enten das Rennen unter den Anfeuerungsrufen ihrer Sponsoren angingen. Einige hatten ganz schnell schon einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz heraus geschwommen, um ihn dann teilweise später in ruhigerem Fahrwasser wieder einzubüßen. Anderen aus der gelben, teilweise bunt bemalten Meute war es egal, ob sie Hals über Kopf oder in Seitenlage an ihren Fans vorbei schwammen, während anderen die Haltung wichtiger schien als das Tempo. Besonders spannend an der traditionellen Rennstrecke ist immer wieder die nicht einsehbare Passage bei der Unterführung in der Alleestraße an der Stadtmühle vorbei. Man fühlt sich automatisch an die Formel 1 in Monte Carlo erinnert.

Entsprechend groß war der Aufschrei vor allem der kindlichen und jugendlichen Rennbeobachter, als die Enten-Führungsspitze um 17.54 Uhr wieder ins Blickfeld rückte, um kurz danach auf die Ziellinie an der Brücke der Austraße hinzusteuern. Das "Unternehmen Ettenheim" hatte dort in Schorsch Riegger einen Zielrichter mit Wassererfahrung eingesetzt, an seiner Seite Viktor Weber und Norbert Schneider aus der Führungsspitze des Veranstalters. Die Platzierung der insgesamt 88 Preisträger sollte schließlich jeder Prüfung der Rennkommissare standhalten können.

Zumal die zu gewinnenden Preise höchst lukrativ waren: Angefangen von einer vierköpfigen Familienübernachtung mit zweifachem Eintritt im Europa Park über den Gewinn eines Fahrrades von Rad Schulz bis zur Jahreskarte für das Schwimmbad.

88 Preise im Wert von 2500 Euro

Bezüglich der Teilnehmer- und Besucherzahl beim Entenrennen machten Insider der Veranstaltung eine etwas geringere Beteiligung gegenüber so manchen Vorjahren aus. Das Wetter spielte da sicherlich eine Rolle – wie in der Folge dann auch bei der After-Work-Party. Ein weiterer Faktor war möglicherweise auch der höhere Kaufpreis der Enten, die früher ein Euro, in diesem Jahr zwei Euro gekostet haben. Rund 1380 Enten sind dann gewiss aber doch ein Wort – ebenso wie 88 Preise mit einem Gesamtwert von rund 2500 Euro. Bei der After-Work-Party im Zielraum des Entenrennens bewirteten der LV Ettenheim, der TC Münchweier, der Skiclub Ettenheim und der Schwimmbad-Förderverein die Gäste, die Band "Rocked Science" unterhielt die Besucher musikalisch.

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