Anfang der 1930er-Jahre wurden in Wolfach und Umgebung zwei Spielfilme mit prominenter Besetzung gedreht. Im Herbst 1933 entstand die Verfilmung der Operette "Schwarzwaldmädel" von Léon Jessel.

Wolfach. Regisseur war Georg Zoch, in den Hauptrollen waren Maria Beling und Hans Söhnker zu sehen. Die Außenaufnahmen drehte Zoch im Kinzigtal mit einheimischen Komparsen. Ein Blick auf die Stadt Wolfach vom Reutherbergle aus stellt im Film den fiktiven Handlungsort "St. Christoph" vor.

Beim Erntedankfest in Oberwolfach am 1. Oktober 1933, das mit der Beteiligung der NSDAP und SA ganz im Zeichen des Nationalsozialismus‘ stand, filmte das Drehteam die Prozession der Trachtengruppen vor der Kirche. Auch Aufnahmen vom Trachtenfest in Peterstal und dem Erntedankfest in Wolfach mit der Trachtenkapelle Kinzigtal sind im Film zu sehen.

In einem Berliner Filmatelier wurde ein Schwarzwaldstädtchen aufgebaut, wobei der Eingang der Oberwolfacher Kirche exakt kopiert wurde. Die Ariel-Filmgesellschaft lieh für die Dreharbeiten rund 75 originale Trachten aus den Gemeinden Gutach, Kinzigtal und Oberwolfach aus und engagierte den Wolfacher Glasmaler Georg Straub (1882 bis 1959) als Berater für das richtige Anlegen der Trachten und den Ablauf einzelner Szenen. Während seines Aufenthalts in Berlin besuchte Straub, obwohl er kein Mitglied der NSDAP gewesen war, auch eine Kundgebung im Sportpalast mit Adolf Hitler als Redner.

Die Verfilmung des "Schwarzwaldmädels" entsprach mit der Kontrastierung der modernen Großstadt mit dem idyllischen Landleben dem von der NSDAP propagierten Kampf gegen die so genannte "Asphaltkultur" der 1920er-Jahre.

In einer Zeitungskritik über den Film war zu lesen, dass darin dem "heutigen gesunden Zeitempfinden entsprechend unter Vermeidung fader Sentimentalität das wurzelechte Volkstum, die hohe Achtung vor den ererbten Sitten und Gebräuchen der Väter und der Heimatbegriff stark herausgearbeitet" worden sei.

Die Wolfacher Zeitung "Der Kinzigtäler" kritisierte an dem Film zwar die "mehr tartarische als schwarzwälderische Wirtshausschlägerei", lobte aber die "Hervorkehrung völkischer Eigenarten und Werte".

Trotz der Beliebtheit der Operette "Schwarzwaldmädel" im Dritten Reich auch bei prominenten Nazis wie Adolf Hitler und Heinrich Himmler wurden alle Werke von Léon Jessel ab 1938 wegen seiner jüdischen Abstammung verboten. Im Dezember 1941 kam er in Gestapo-Haft und starb kurze Zeit später an den Folgen der in der Haft erlittenen Misshandlungen.

INFO

Operette

Eine Operette ist ein musikalisches Bühnenstück. Sie besteht meistens aus einer heiteren, in locker aneinandergefügten Szenen dargestellten Handlung und beinhaltet gesprochenen Dialog, Gesang und Tanz. Die Musikstücke ähneln in der Form denen der Oper, sind jedoch wesentlich einfacher gestaltet, außerdem spielen die Tanzeinlagen eine zentrale Rolle. Sie bilden häufig mit der vorhergehenden Gesangsnummer eine musikalische Einheit.