Das Teil sieht aus, als hätte man mehrere kleine, bunte Würfel aufeinandergesetzt. Doch der Plastikturm mit dem Namen Homee hat es in sich. Es ist der erste Router, der mit den unterschiedlichsten Geräten im Haus über Funk kommunizieren kann, egal ob das Licht eingeschaltet oder der Rollladen heruntergelassen werden soll. Damit könnte eines der größten Hindernisse bei der Einführung von Smart-Home-Lösungen abgehakt werden: die fehlende Kompatibilität der unterschiedlichen Systeme.

Große Herausforderungen

Homee ist ein Beispiel von vielen, wie die Digitalisierung künftig die Welt verändern wird. Aber es ist auch ein Beispiel dafür, wie weit der Weg von der Idee bis zur praktischen Umsetzung manchmal sein kann. Die Immobilienwirtschaft habe hier noch einen weiten Weg vor sich, glaubt Professor Dieter Spath, Leiter des FraunhoferInstituts IAO. Auf dem 2. IWS Zukunftsforum vom Verband Immobilienwirtschaft Stuttgart vertrat er zudem die Auffassung, dass die größte Herausforderung für die Branche darin bestehe, Strukturen zu schaffen, die verhindern, dass man sich auf dem Weg in das digitale Zeitalter vergaloppiert. Till Kreiler von Google gab auf dem IWSZukunftskongress einen kleinen Einblick in das, was heute schon möglich ist. Online verfügbares Kartenmaterial und die Navigation via Satellit hätten nicht nur die Navigation beim Autofahren erleichtert. Diese Technik verändere auch die Baustellenlogistik. Fahrzeuge und Baumaterialien würden heute punktgenau an ihren Bestimmungsort navigiert. Anstehen für eine Wohnungsoder Hausbesichtigung? Virtuelle Rundgänge durch Immobilien seien heute nichts Besonderes mehr. Und wer wolle, kann mit ein paar Klicks die Wohnung schon mal auf Probe einrichten.

Google gehört zu den Vorreitern beim Indoor-Mapping. Darunter versteht man die Navigation in geschlossenen Gebäuden. An Flughäfen und in einigen Shoppingcentern wird die Technik schon länger eingesetzt, um Läden, Terminals oder Servicestellen schneller via Smartphone aufzufinden. Was auf den ersten Blick wie ein Gimmick für verspielte Technikfreaks aussieht, könnte in einigen Jahren auch das Facility-Management (Liegenschaftsverwaltung) vollkommen verändern. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten zum Beispiel nicht mehr vor Ort nachsehen, wann ein Feuerlöscher das letzte Mal überprüft wurde, sondern könnten dazu auf ihr Tablet schauen. Oder Saugroboter – via Indoor-Mapping gesteuert – übernehmen die Reinigung der Büros“, gibt Kreiler einen Einblick in die Zukunft. Doch nicht nur das klassische Facility Management befindet sich im digitalen Umbruch. Immer mehr Wohnungsunternehmen setzen bei der Kommunikation mit ihren Kunden auf das Internet. Ein Beispiel: das Digital Property Management von Casavi. Im Prinzip handelt es sich dabei um ein Kundenportal, über das der Mieter im Quartier alle für ihn relevanten Informationen von der Nebenkostenabrechnung bis zur Meldung über Reparaturen abrufen kann. Es ersetze aber auch das Schwarze Brett an den Hauseingängen. Das internetbasierte Kundenportal zeigt aber auch, dass moderne Technik und Alter kein Widerspruch sein müssen. Derzeit werde das Online-Angebot mehr von älteren als von jungen Menschen genutzt, so Bernd Neidl von Casavi.

Die Stadt von morgen vorausdenken

Almondia hingegen will mit seinem digitalen System Bauherren und Baufirmen zusammenbringen. Dazu werden verschiedene Planungstools online angeboten, wie zum Beispiel ein Hauskonfigurator, eine Baufirmensuche oder ein Finanzierungsrechner.

In ganz anderen Dimensionen hingegen denkt die Initiative Morgenstadt der Fraunhofer-Gesellschaft. Sie zielt darauf ab, Innovationen für die Stadt von morgen vorauszudenken, zu entwickeln und umzusetzen, so Gregor Grassl, Teamleiter Green City Development bei Drees & Sommer. Die größte Herausforderung für die Immobilienwirtschaft liege in der Zunahme der Veränderungsgeschwindigkeit des technologischen Wandels, erklärt er. Schon heute würden zwischen 55 und 75 Prozent der Baukosten in die Gebäudetechnik und in den Ausbau fließen. Demgegenüber würden aber nur rund drei Prozent der Grundstückskosten für die Erschließung ausgegeben. Langfristig sei das eine Milchmädchenrechnung. Denn jedes neue Kabel, jede Reparatur an einem Rohr verursache hohe Kosten der Kommune, weil jedes Mal die Straße aufgebuddelt werde. „Wir müssen lernen, viel komplexer zu denken“, sagt Gregor Grassl und erzählt beispielhaft von Infrastruktur-Sammelkanälen unter der Erde. Der Vorteil: Die Straße muss nicht bei jeder Veränderung aufgerissen werden. Der Nachteil: Die Investition ist relativ hoch. „Wir denken hier noch viel zu kurzfristig“, kritisiert Gregor Grassl. „Wer keine Anforderungen stellt, bekommt auch nur das Stromkabel, das er bestellt hat.“

Esslingens Stadtbaudirektor Daniel Fluhrer findet das gar nicht so schlimm. Die Stadt werde die Digitalisierung überleben. Und: „Die Stadt braucht auch Hinterhöfe, Ecken und Kanten. Das gehört zu ihrer Identität“, so Fluhrer. Gregor Grassl befürchtet, dass sich die Kommunen mit dieser Haltung aber langfristig um ihren Handlungsspielraum bringen.