Im April 2014 wurde in Straßburg eine deutsch-französische Kinderkrippe eröffnet. Das Projekt steht heute, aufgrund Fachkräftemangel, kurz vor der Schließung. Der Elternbeirat setzt sich nun für das Fortbestehen ein.

Straßburg. "Klar, nun bewegt sich was. Mal sehen", stellt Céline Marquardt von der deutsch-französischen Kinderkrippe neben der Europabrücke fest. Anfang März ging sie und die sechs weiteren Mitglieder des Elternbeirats mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit. Darin erklärten sie, dass ihre Kinder nicht mehr in die Kinderkrippe gehen würden, in der zwei Kulturen als Kinderalltag versprochen waren. "Von vorgesehenen acht deutschen Erzieherinnen sind seit Januar gerade mal zwei im Haus. Das kann nicht Sinn der Sache sein", zweifeln die vier französischen und die drei deutschen Elternbeiratsmitglieder an. Dies würde der Qualität einer "deutsch-französischen Kinderkrippe" nicht entsprechen.

Die praktische Umsetzung – zwischen zwei Kulturen – wäre auch doppelt kompliziert: Aufgrund des Standorts der Kinderkrippe auf französischem Boden sind deutsche Erzieherinnen mit einem Arbeitsvertrag zu französischen Konditionen eingestellt. Und das bedeutet weniger Gehalt im Vergleich zu Deutschland, andere Sozialleistungen und andere Arbeitsbedingungen. Deutsche Bewerberinnen sahen dies als weniger attraktiv an. Und so fanden deutsche Muttersprachler auch nur schleppend den Weg über den Rhein. "Seit Gründung der Einrichtung fehlt deutsches Personal", so der Elternbeirat.

Zwar haben sich die Städte Kehl und Straßburg immer wieder bemüht, die schlechteren Arbeitsbedingungen seitens der deutschen Erzieherinnen mit Prämien auszugleichen, Bewerbungen blieben trotzdem aus.

Der französische Verein AASBR – Träger der Kinderkrippe – stellt seit einiger Zeit französische Erzieherinnen als Ersatz für fehlende deutsche Erzieherinnen ein und bemüht sich mit Deutschkursen sowie Schulungen zur in Deutschland üblichen "offenen Pädagogik" um Anpassung. DIes scheine nun auch keine Lösung mehr. Denn auch die französischen Erzieherinnen laufen immer öfter weg, stellt der Elternbeirat fest.

Arbeitsbedingungen sollen attraktiver werden

"Damit scheint das so innovative Projekt gefährdet", ist das enttäuschte Fazit des Elternbeirats. Aber er betont gleichzeitig: "Die Krippe, mit ihrem außergewöhnlichen und einzigartigen Konzept hat uns sofort begeistert und begeistert uns weiter." Hier an der Grenze sollen 30 Kinder aus Straßburg und 30 aus Kehl – im Alter von zehn Wochen bis drei Jahren – ohne Grenze mit der Sprache und der Mentalität der anderen spielend aufwachsen. Dies war jedenfalls bei der Eröffnung im April 2014 der grenzüberschreitende Anspruch. Die Idee die Kinderkrippe neben der Europabrücke einzurichten, stelle für den Elternbeirat den richtigen Standort dar. Dass sie aufgrund der Unterschiede in der Personalführung nun doch am falschen Platz sein soll, will dem Elternbeirat nicht einleuchten. Und er schlägt kurzerhand vor, französisches und deutsches Personal gemeinsam in deutsche Arbeitsverträge einzubinden, um so Ungleichheiten aus dem Weg zu räumen.

"Leider gibt es so ein grenzüberschreitendes Modell nirgendwo in Europa. Das ist für uns alle ein Problem", macht Annette Lipowsky als Sprecherin der Stadt Kehl deutlich. Es gebe aber eine europäische Regelung, die es für deutsche Erzieherinnen möglich mache, dass ein Verein in Kehl der Arbeitgeber sei. "Wir können sagen, dass die deutsch-französische Kinderkrippe nicht gescheitert ist und nicht scheitern wird", sagt Lipows­ky mit Blick auf die aktuelle Sachlage. "Es war für alle stressig. Es ist eine neue Her­ ausforderung", betont Lipows­ky. "Wir setzen mit unseren Kindern voll und ganz auf das deutsch-französische Gelingen", sagt Céline Marquardt vor dem deutsch-französischen Maison de la Petite Enfance neben der Europabrücke mit Blick nach vorn.