"Elsässisches Sprochamt" heißt es in der "Muedersproch". Offiziell ist es das Büro für Sprache und Kultur des Elsass – und es unternimmt viel, um allen Generationen den regionalen Dialekt näherzubringen.

Straßburg. Seit 1994 ist das Elsässisch im "Office pour la Langue et la Culture d’Alsace" (OLCA) allgemeine Verkehrssprache. Vor allem wird aber an dem Anliegen gearbeitet, Elsässisch als Alltagssprache nicht nur zu erhalten, sondern zu fördern. Denn man lebt eben in Frankreich, und der elsässische Dialekt ist wie andere Regionalsprachen auch eine Ausdrucksform der Minderheit. "Es ist nicht immer einfach auf dem national-französischen Terrain", räumte auch Justin Vogel, Präsident des OLCA, am Dienstag ein. Der Aufsichtsrat war mit Vereinsmitgliedern, Freunden und Förderern zur Verkündung der Jahresbilanz zusammengekommen – rund 150 Menschen saßen im Haus des Regionalrats im Plenarsaal.

"Mir rede Elsässisch" war dort nicht nur ein Slogan auf einem Sticker. Die Bilanz auf dem Papier wurde zwar in der Amtssprache Französisch vorgelesen, aber der Buchhalter rechtfertigte die Bilanz dann in der "Muedersproch". Demnach ist die finanzielle Bilanz ausgeglichen – die Region Grand Est subventioniert das "Elsässische Sprochamt" mit 530 130 Euro im Jahr, die Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin schießen 67 200 und 66 500 Euro zu, die Städte Straßburg und Mulhouse geben 15 000 und 5000 Euro und die Bank Crédit Mutuelle 15 000 Euro. So positiv wie die Finanzlage fiel bei der Versammlung auch der Rückblick auf das Potpourri der Aktionen zum Fördern und Bewahren des elsässischen Dialekts aus. "Wir müssen trotz der Erfolge hier und da auch endlich eine solide und handfeste Strategie ausarbeiten", betonte Vogel dennoch.

Kinderbücher, CDs, Festivals, der Sängerwettbewerb "d’Stimme", Workshops, ein Facebook-Auftritt, Beiträge im Radio und TV sowie anderes mehr, das OLCA tut viel, um allen Generationen die "Muedersproch" näherzubringen – schon den Jüngsten: etwa durch eine CD mit 18 elsässischen Schlafliedern. In beiden Départements verlassen Mütter das Wochenbett mit einem Gesundheitspass, der sie mit der musikalischen Dreingabe dazu animieren soll, das Kind auch mit der elsässischen Muttersprache aufwachsen zu lassen.

Vogel weiß aber auch, dass es noch viel zu tun gibt. "Dauernd fragen Kindergärten bei uns nach Kinderbetreuung auf Elsässisch nach. Da müssen wir aber passen, dafür haben wir nicht die Mittel", berichtet der OLCA-Präsident bedauernd.

In der Fragerunde kam etwa zur Sprache, dass es notwendig sei, noch stärker über die neuen Medien in den Alltag der Elsässer zu kommen. Es sei in erster Linie die junge Generation, die man so ansprechen könne. Wie es beim Radio "France Bleu Elsass", das seit 2016 nur noch im Internet zu hören ist, mit den Zuhörerzahlen steht, ist noch nicht erhoben worden. Bleiben die älteren Generationen seitdem weg? Kommen die Jungen jetzt mehr?

Dass die OLCA-Webseite im vergangenen Jahr 54 345 Mal besucht worden sei und im Monat rund 3249 Mal angeklickt werde, dass man bei Facebook rund 20 000 Fans hinter sich wisse, sage auch nicht wirklich viel aus. Und dass die Hochschule für Journalismus in Straßburg nun gemeinsam mit lokalen Medien plant, ein Diplom für Journalisten auf Elsässisch zu ermöglichen, ließ die Versammlung doch zumindest eines hoffen: "dass hinsichtlich des schon oft vorhergesagten Tods der elsässischen Sprache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist".