Nonnenweier (büh). Im Rahmen des Missionsnachmittags in der Mutterhaus-Kapelle in Nonnenweier hat die Missionarin Pia Kaufmann von ihrer Arbeit in einem Kinderheim in Mexiko erzählt. Die Besucher zeigten sich teilweise entsetzt über die Umstände, unter denen die Kinder in diese Einrichtung gekommen waren.

Die rund 50 Gäste mussten lange warten, bis sie in der Mutterhaus-Kapelle eingetroffen war. Sie hatte auf der Autobahn im Stau gestanden. Der Missionsnachmittag begann mit einem ausgedehnten Kaffee-Klatsch. Eingangs ihres Vortrags, stellte sich Kaufmann vor. Sie sei Schwäbin, stamme aus Aalen und arbeite seit fünf Jahren in Mexiko, in einem Kinderheim in der Stadt Chiapa, nur unweit zur Grenze von Guatemala. In Bildern zeigte sie Kinder und Jugendliche, die quasi immer aus den gleichen Ursachen zu der Kinderdorf-Ranch gekommen waren.

Meist sind die Eltern Alkoholiker

Ob bei den Jungen Juanito, Alfredo oder auch bei den Mädchen Thea und Linder, lag jeweils übertriebener Alkoholkonsum vor. So wurde nach den Erzählungen der Missionarin etwa Alfredo von seinen Eltern aufgrund von Alkohol sexuell missbraucht. Bei Linder, die als 11-Jährige ins Kinderheim kam, habe der Vater als starker Alkoholiker das Mädchen mehrfach verprügelt und auch vergewaltigt.

Die Zuhörer zuckten bei diesen Erzählungen zusammen und waren entsetzt. Doch Kaufmann berichtete, dass es den rund 30 Kinder- und Jugendlichen unter dem Schutz des "Sombreros Gottes" mittlerweile recht gut ginge. Nach dem Vortrag, stand die Missionarin für Fragen zur Verfügung.

Auf die Frage, ob die Kinder und Jugendlichen Kontakt zu ihren Angehörigen hätten, erklärte Kaufmann, dass solche Besuche meistens nicht gut gegangen seien. Von Seiten der Einrichtung, aber auch vom Staat würden die Besuchsrechte der Eltern und Angehörige deshalb vorsorglich eingeschränkt.

Auf die Frage einer Zuhörerin aus Allmannsweier, wie lang die Kinder und Jugendlichen bleiben, erklärte die 39-jährige Schwäbin: "Das ist nicht festgelegt. Einige Kinder und Jugendliche, die zu uns gekommen sind, sind mittlerweile Mitarbeiter bei uns." Im Anschluss an den Vortrag, wurde in der Kapelle für die missbrauchten Kinder und für die Arbeit von Kaufmann in Mexiko gebetet.