Schuttertal. Mit dem Lustspiel "Klinik für ästhetische und plastische Chirurgie an der Schutter" hat die Theatergruppe des MGV "Schutterbund" die "heile Welt" der TV-Krankenhausmärchen im Stil von "Schwarzwaldklinik" und Co karikiert. Die "Halbgötter in Weiß" meistern in diesen Seifenopern nicht nur die schwierigsten Operationen, sondern haben auch noch stets genügend Zeit für die Sorgen und Nöte ihrer Patienten. Mit diesem Klischee hat das fast 40-köpfige Theaterensemble unter der Leitung von Ludwig Griesbaum mit reichlich schwarzem Humor und den Mitteln der Satire ordentlich aufgeräumt. Gut besetzte Haupt- und Nebenrollen sorgten für glaubhafte Darstellungen der vielen skurrilen und markanten Charaktere.

In der Klinik von Professor Oswald Wadenbein (Matthias Ette), die kurz vor der Eröffnung steht, will man nicht nur heilen, sondern auch verbessern, etwa mit Brustvergrößerungen. Doch nicht nur Wadenbein zeichnet sich durch eine völlige Selbstüberschätzung aus, auch dem Rest der nach und nach eintreffenden Ärzteschaft scheint es anKompetenz zu mangeln. Oberarzt Maximilan von Lurch (Julian Klimsch) verdreht nebenbei dem weiblichen Personal den Kopf, während Gregor Fetterlapp (Paul Himmelsbach) versucht, allen Frauen eine Brustvergrößerung aufzuschwatzen. Mit dem Anästhesisten Vladimir Puls (Andreas Singler), dessen Narkosen nach eigenen Angaben fast immer die gewünschte Wirkung erzielen, schließt sich der illus-tre Kreis.

Fotostrecke 2 Fotos

Auch das restliche Personal wirkt nicht besonders vertrauenserweckend. Chefsekretärin Liesa Lillefink (Ramona Singler) empfiehlt einem Patienten (Michael Kern), der beim Besuch des Seelbacher Freilichttheaters von einem Indianerpfeil getroffen wurde, sich am besten nicht an einem Stuhl anzulehnen. Nebenbei wird in der neuen Klinik heftig geturtelt und geflirtet. "Zivi" Sascha (Fabian Rösch) vergnügt sich mit Lernschwester Biggy (Marie Himmelsbach) in unbelegten Krankenbetten und Schwester Leyla Lipp-Wadenbein (Elena Schätzle), Ehefrau von Professor Wadenbein, bandelt unverblümt mit Oberarzt Lurch an.

Der Zivi vergnügt sich mit der Lernschwester

Auch die resolute Oberschwester Schocklinde (Peggy Himmelsbach) bringt hier keine Disziplin rein. Dazwischen taucht der verplante Hausmeister (Michael Himmelsbach) auf. Ebenso einfältig sind aber auch die Patienten, wie etwa Jakob Schnippen-sterz (David Schätzle), der auf dem Friedhof von einem Leichenwagen überrollt wurde und dadurch sein Gedächtnis verloren hat, Herr Gurgelstein (Nicolas Schätzle), der am "Schirmsyndrom" behandelt wird, oder Wendelin Wimmer (Nikolas Volk), dem man in einer stümperhaften Operation versucht, einen Löffel aus dem Magen zu holen. Dennoch vergibt der geschmierte Projektleiter Professor Gottwald Hirn (Sebastian Singler) von "Kein Skandal im Hospital" Punkte für vorbildliches Arbeiten.

Die Pharmaindustrie taucht in Gestalt von Herr Pilldreh (Simon Schwab) auf, der das Präparat "Freudenflug" zum Abbau der Klinikdepressionen empfiehlt. Der junge Theaterspieler verkörperte die Rolle so überzeugend, dass er immer wieder Zwischenapplaus bekam.

Zum Schluss schwebt nicht nur Jakob Schnippensterz als überraschender Lottomillionär auf "Wolke sieben" und wird nun auch für die mondäne Gräfin Lotte von Schindelfilz (Annette Kuhn) als Partner interessant, sondern die ganze Klinik verwandelt sich in ein Tollhaus, wo sich alle zum "querbeet kuscheln" in die Arme fallen: Pilldreh hat nämlich anstatt "Freudenflug" aus Versehen "Liebespower" verabreicht. Einen Skandal löst Schönheitschirurg Fetterlapp aus, der bei der Brustvergrößerung seiner Patientin Hillery Hille (Eva Schuhmacher) pfuschte.

Bemerkenswert ist, dass die Schuttertäler Vereinsbühne zum sterilen Operationssaal umfunktioniert wurde. Die hervorragende Umsetzung der einzelnen Szenenbilder in Form detailgetreuer Kulissen, aber auch die gekonnten Darstellungen der Ärzte und Krankenschwestern, die allesamt in OP-Kleidung auf der Bühne ihrem Beruf nachgingen, kamen beim Publikum bestens an. Die Zuschauer dankten der Theatergruppe für die sehr unterhaltsame Aufführung zum Schluss mit lang anhaltendem Applaus.