Landwirtschaftsminister Peter Hauk und Landrat Frank Scherer haben auf dem Jägertonihof Wünsche und Probleme der Landwirtschaft erfahren. Inhaber Alfred kopf wünscht sich zum Beispiel mehr Unterstützung aus der Politik.

Dörlinbach. Die Gemeinde Schuttertal ist ein gutes Beispiel, wie Landwirtschaft und Tourismus zusammengehören. Was aber, wenn die Offenhaltung der Landschaft Probleme bereitet, auch wenn gerade dieser Aspekt für Gäste wichtig ist? Auch darum ging es beim Besuch des baden-württembergischen Landwirtschaftsministers und Vertretern des Kreises. Alfred Kopf, Inhaber des Vollerwerbsbetriebs samt historischer Mühle, Brennerei und Gastwirtschaft, stellte den Jägertoni­hof im abgeschieden Seitental, seine Geschichte und heutigen Aufgabenfelder vor (siehe Info-Kasten).

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Landrat Frank Scherer, Kopf und der Schuttertäler Bürgermeister Carsten Gabbert erklärten, dass einerseits die offene Landschaft sehr wichtig für den Tourismus sei. Tenor: Ein dicht bewaldetes Seitental würde kaum Gäste anlocken. Anderseits bemühten sich die Landwirte, trotz der widrigen Bedingungen mit teilweise extremer Steillage, das Gebiet zu bewirtschaften. Ein konkreter Wunsch sei, dass das Land oder die EU diese Bemühungen besser unterstützen sollten. Aufmerksam zugehört haben – neben dem Minister und dem Landrat – Klaus Muttach, Acherner Oberbürgermeister und Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag, Günter Gorecky, Fraktionschef der SPD, Valentin Doll (FWV) und Jochen Strohsack (FDP).

Kopf präzisierte, dass es gerade in den abgelegenen Seitentälern für die Landwirte immer schwerer sei, ihren Hof zu halten oder irgendwann an die nächste Generation weiterzugeben. Die Nachfolge sei in der Regel nicht mehr gesichert. "Wenn jemand von außerhalb hier einen Hof kauft, hat er sicher kein Interesse an der Landwirtschaft." Die Tatsache, dass der älteste Sohn Anton auf dem Jägertonihof die Nachfolge antreten wird, sei die Ausnahme, nicht die Regel. Ein weiteres Hindernis sei zu viel Bürokratie, wenn es beispielsweise um bauliche oder gewerbliche Änderungen am Hof gehe. Kopf sprach da aus eigener Erfahrung, als er die Gastwirtschaft einrichten wollte.

Hauk und Scherer waren sich einig, dass der Gesetzgeber gerade in Fällen wie auf dem Jägertonihof helfen könne und wohl auch müsse. Nur erinnerte der Minister bei der Gelegenheit daran, dass neue Projekte erst nach dem Ende der Förderperiode 2021 möglich wären.

Nach dem Rundgang durch die Stallungen, die Mühle und das Gelände mit Sicht auf weidende Kühe auf einer steilen Wiese regte Rosa Karcher, Vorsitzende der südbadischen Landfrauen, an, dass es sinnvoll wäre, wenn künftig auch die ersten Hundert Hektar eines Betriebs gefördert würden. Sie bemängelte und sprach dabei sicherlich im Namen aller betroffenen Landwirte nicht nur im Prinschbachtal, dass derzeit Förderungen vonseiten der EU erst nach dieser Größenrodung möglich seien.

Dass sich der Hof mit der Wald- und der Viehwirtschaft lohne, zeigte Kopf am Beispiel des Erfolgs der Erzeugergemeinschaft Weideland im Schuttertal. Der Ende des vergangenen Jahrhunderts für die Viehzüchter im Schuttertal gebaute Schlachthof zwischen Wittelbach und Schuttertal sei heute ausgelastet.

Hier konnten der Landrat und der Minister zustimmen. Angesichts der Schließung des Schlachthofs in Offenburg im kommenden Jahr wären diese kleinteiligen Strukturen die Zukunft, ließen die Gäste aus der Politik verlauten. Ursprünglich kommunale Schlachthöfe wie der in Offenburg gelten als überholt.

INFO

Jägertonihof

Die urkundliche gesicherte Geschichte des Jägertonihofs im Prinschbachtal reicht bis ins Jahr 1511 zurück. Alfred Kopf hat den Hof 1992 vom Vater übernommen. Im Jahr 2000 wurde der Betrieb auf Bioland umgestellt. 2004 ist der Laufstall für 40 Mutterkühe gebaut, 2010 die Vesperstube im Gewölbekeller eingerichtet worden. Der Hof hat 28 Hektar Wald und knapp 70 Hektar Weide mit einem hohen Anteil an Steillagen, Feuchtflächen und Waldsäumen. Insgesamt bietet der Hof Weideflächen für rund 100 Rinder. Die Vermarktung der Schlachttiere erfolgt zu einem Drittel über die Erzeugergemeinschaft Weideland und zu zwei Dritteln über Bioland-Metzger.