Einen besonderen Redner hat der Fensterladen-Hersteller Ehret bei seinem "Kompetenztag" begrüßen dürfen: Ex-Fifa-Schiedsrichter Urs Meier sorgte bei den 150 Gästen nicht nur für tiefe Einblicke in die Schiri-Welt, sondern auch für viele Lacher.

Orschweier. Der Schweizer Meier legte in der Zeit von 1994 bis 2004 für den Weltfußballverband in den Stadien rund um den Globus nicht nur weite Strecken zurück (schon mal zwölf Kilometer und mehr pro Partie), sondern erpfiff sich dabei auch die Hochachtung von Spielern und Zuschauern. Zumeist jedenfalls. Denn seine Entscheidungen kamen naturgemäß nicht immer gut an – mindestens bei einer der beteiligten Mannschaften. So etwa bei der Fußball-WM 2004, als Meier im Viertelfinalspiel England gegen Portugal ein Tor in vorletzter Spielminute wegen Foulspiels annullierte, mit der Folge, dass England später im Elfmeterschießen das Nachsehen hatte. Danach habe es dann sogar Morddrohungen gegeben. Ein paar Wochen lang musste der prominente Schiedsrichter in seinem Wohnort Würenlos sogar unter Polizeischutz leben.

Meier plaudert höchst unterhaltsam – ein Grund, warum ihn das ZDF als Fernsehexperte verpflichtete. Es sei nicht immer einfach gewesen, unter schwierigsten Bedingungen Entscheidungen auf dem Platz zu fällen, aber: "Ein guter Schiedsrichter pfeift schneller als das Publikum." Deshalb gelegentlich auch mal falsch, wie Meier gerne einräumt. Etwa bei einem EM-Qualifikationsspiel zwischen Rumänien und Dänemark, als ein entscheidendes Tor der Dänen aus Abseitsposition fiel. Dafür hatte er sich im Anschluss mehrfach entschuldigt.

Charmant und kurzweilig kommt Meier daher. "Du musst Entscheidungen treffen und dazu stehen", sagt er und meint damit auch Firmenchefs und -verantwortliche. Erkenntnis: "Nach wichtigen Entscheidungen kommen meistens weitere." Im Profi- Fußball sind es bis zu 300 pro Spiel. Das Schiri-Erfolgsrezept? Bauchgefühl und Intuition, Teamarbeit, fair und zuverlässig sein. Auch für Firmen gelte: "Es gibt keine halben Elfmeter, auch hier ist bei Führungsleuten Fair-Play angesagt – ob gegenüber Mitarbeitern oder Kunden.“

Das sei bei Ehret der Fall, versicherte der nicht mit dem prominenten Schiri verwandte Standort-Geschäftsführer Manuel Meier. Er ist Chef von 370 Beschäftigten des ehemaligen Familienbetriebs, der nun zu einem Schweizer Konzern Unternehmen gehört. Es werde kräftig investiert, etwa in teilautomatisierte Produktions- und Verpackungsanlagen. Davon konnten sich die Gäste bei Betriebsführungen selbst ein Bild machen. Der Ehret-Umsatz steige seit Jahren rasant.

Für geschäftlichen Erfolg hatte Ex-Schiri Meier weitere Erkenntnisse vom Spielfeld parat: "Man muss auch mal Risiken eingehen." Optionen ändern sich schnell, deshalb sei Entscheidungsfreude angesagt, allerdings berechenbar und zuverlässig. Dazu brauche es Persönlichkeit. Meier: "Mein größter Fehler hat mich in dieser Richtung am meisten weitergebracht: Stark und echt sein."

INFO

Immer noch am Ball

Urs Meier, geboren 1959, hat in seiner Schiedsrichter-Karriere, die er 2004 altersbedingt beendete, insgesamt 883 Spiele geleitet. Heute ist der Vater von zwei volljährigen Kindern Schiedsrichterbeobachter des europäischen Fußballverbands. 2010 gründete er die Urs Meier Management AG, mit der er Referate, Schulungen und Events anbietet. Seit zwölf Jahren ist er beim ZDF als TV-Experte engagiert, war seither bei allen großen internationalen Fußballturnieren (EM und WM) im Einsatz. Für seine Analysen bei der WM 2006 in Deutschland wurde er zusammen mit Johannes B. Kerner und Jürgen Klopp mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.