Seit mehr als 25 Jahren bemüht sich die Aids-Hilfe Offenburg/Ortenaukreis, HIV-Infizierte zu unterstützen und Solidarität mit Erkrankten zu schaffen. Zum morgigen Welt-Aids-Tag hat der Verein eine Kunstdruck-Aktion und einen Vortrag initiiert.

Offenburg (red/vk). "Das HI-Virus ist längst nicht besiegt – und der Verein benötigt nach wie vor Gelder, um seine mit großem ehrenamtlichen Engagement betriebene Arbeit so erfolgreich wie bislang fortzuführen", teilt die Aids-Hilfe Offenburg/Ortenaukreis mit. Seit 1991 besteht der Verein unter diesem Namen. Seine Mitarbeiter haben es sich zur Aufgabe gemacht, "durch sachliche Informationen unbegründete Ängste und Diskriminierungen abzubauen".

Fotostrecke 2 Fotos

In Deutschland leben nach Angaben des Robert Koch-Instituts derzeit rund 85 000 Menschen mit HIV, weltweit sind es etwa 36,7 Millionen. Am 1. Dezember findet deshalb jedes Jahr der Welt-Aids-Tag statt. Ziel ist laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, "dafür zu sensibilisieren, wie wichtig ein Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung ist". Regierungen, Organisationen und Vereine rufen an diesem Tag weltweit dazu auf, aktiv zu werden und Solidarität mit den von HIV betroffenen Menschen zu zeigen. Denn eine Ansteckung mit HIV komme in alltäglichen Situationen zwar nicht vor. Und doch seien unbegründete Ängste vor einer Ansteckung neben Vorurteilen der häufigste Grund für Diskriminierung.

Die Aids-Hilfe Offenburg/Ortenaukreis ist anlässlich des Welttags gleich zweifach aktiv geworden: Im Kontakt mit dem Offenburger Künstler Martin Sander sei zum einen die Idee entstanden, einen Kunstdruck zu editieren, dessen Verkaufserlös dem Verein zugute komme. Sander habe eine aufwendige Tablet-Computer-Zeichnung angefertigt, die es ab morgen in vielen Geschäften Offenburgs zu kaufen geben soll. Motiv ist ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte, das Sander mit seinem gewohnt expressiven Malstil und den Mitteln des Computers umgesetzt habe. Von dem Motiv entstanden laut Verein 100 hochwertige, streng limitierte, nummerierte und signierte Pigmentdrucke, die für 85 Euro zu erstehen sind.

Außerdem veranstaltet die Aids-Hilfe in ihren Offenburger Räumlichkeiten (Malergasse 1) morgen, Donnerstag, ab 19 Uhr einen Vortrag zum Thema "Sterbehilfe und assistierter Suizid – Schlussakt im Lebensmanagement?".

Die Konfrontation mit dem Lebensende ist eine der großen Grenzerfahrungen des Lebens, heißt es in einer Ankündigung des Vereins. Die Begegnung mit dem Unabänderlichen schaffe eine existenzielle Spannung und Verunsicherung, könne Angst, Verzweiflung und das Gefühl auslösen, dass "alles nicht mehr auszuhalten ist".

Ehemaliger Hospizleiter referiert über begleiteten Suizid

Jeder Strohhalm, der sich da biete, werde in einer solchen Situation ergriffen. Vermeintlich einfache Lösungen hätten eine große Anziehungskraft. Gemäß dem aktuellen Zeitgeist werde das Leben zunehmend als Planungsaufgabe begriffen, die es bis zuletzt möglichst selbstbestimmt zu organisieren gelte. Auf der Strecke bleibt dabei laut Ankündigung ein zentrales Anliegen der Hospizbetreuung: "das Versprechen, sich jedes Mal ganz neu der individuellen und einzigartigen Notsituation zuzuwenden und nach einem individuellen Weg zu suchen".

Wie stellen sich Menschen ein würdiges Lebensende vor? Was bedeutet Würde in einer solchen Situation? Suchen Kranke nach der schnellen Lösung, die von Experten der modernen Euthanasie und den Organisatoren des assistierten Suizids angeboten wird? Braucht es diese – oder eher eine mitmenschliche Begleitung auf einem schwierigen Weg? Wem kann und will man sich in einer solchen Situation anvertrauen? Diesen Fragen will Thile Kerkovius in seinem Vortrag nachgehen. Der Pädagoge hat 19 Jahre lang das Hospiz Maria Frieden in Oberharmersbach geleitet. Seit einigen Jahren ist er im Ruhestand.