Natürlich haben auch Flüchtinge einen Sinn für das Idyllische: Am Ortsrand von Walke, wo der Geruch von Tannennadeln und das Rauschen eines Bachs zu vernehmen ist, haben am Ostermontag zwei afrikanische Flüchtlinge im Alten Schulhaus ihr Quartier bezogen.

Oberwolfach. "Der Schwarzwald ist toll!" Fast unisono waren sich Abdi Zeitun (37, aus Somalia) und Zeray Yehdego (21, aus Eritrea) einig, dass ihre neue Bleibe in durchaus etwas Behagliches an sich hat. Zwar fehlen noch der Internet- und der Fernsehanschluss, doch im Beisein von Bürgermeister Matthias Bauernfeind, der ehrenamtlichen Integrationsbeauftragten Sandra Müller und ihrer Helferin Christine Sum wurden am Mittwochabend Kaffee und Kuchen gereicht, um die ersten beiden Flüchtlinge in Ortsteil Walke willkommen zu heißen. Während Zeitun sofort zum Käsekuchen greift, darf es für Yehedgo etwas Fruchtigeres sein: "Als kleine Stärkung fürs erste Probetraining beim SV Oberwolfach, das ebenfalls noch am gleichen Abend stattfinden wird", sagte Müller.

Arbeiten erwünscht

Auf dem Sportplatz bekam der Eritreaer postwendend Stulpen und Sportkleidung ausgehändigt, um ab sofort zwei Mal in der Woche am Mannschaftstraining teilnehmen zu können. Dabei hat sich der afrikanische Nachwuchskicker fürs erste Mal durchaus wacker geschlagen: "Zeray ist ganz ohne Blessuren davon gekommen", wusste Müller nicht ganz ohne Augenzwinkern zu berichten, um mit einem ernsteren Tonfall hinzuzufügen, dass der Sport – und speziell der Fußball bei den Herren – immer noch eine der besten Möglichkeiten sei, um Migranten zu integrieren.

Sogar die Vermittlung eines Jobs über die Vereinskontakte hält die Beauftragte für ein probates Mittel. Dabei ist Zeray schon längst zum eingefleischten Fan des Ballsports mit dem runden Leder geworden: "Jerôme Boateng ist mein absoluter Lieblinsspieler", verrät Yehdego in etwas gebrochem Deutsch, während Zeitun bereits Helene Fischer kennt und entweder im Security-Bereich oder in der Holzwirtschaft beruflich aktiv werden möchte.

Früher war er im Lebensmittelhandel und dann bei einer Tankstelle tätig, bestätigte Zeitun, wohingegen der 21-Jährige in der heimischen Landwirtschaft von Eritrea gearbeitet hat. Nicht nur Müller, sondern auch Bauernfeind sähen es nur zu gerne, wenn die beiden auf kurz oder lang ihre Berufswünsche verwirklichen würden. So möchte der Eritraer gerne in der Altenpflege arbeiten – bereits jetzt schon besucht er das Institut für deutsche Sprache (IDS) in Offenburg, um in Sachen Kommunikation noch fitter zu werden. Zeitun ist hingegen daran, bei der Volkshochschule seine Deutschkenntnisse zu verbessern.

Ein Familiennachzug ist bei keinem der beiden geplant. Dabei hat Zeitun derzeit noch eine Frau und zwei Kinder, die allesamt sich in einem Flüchtlingslager in Kenia befinden. Wie es sich jedoch mit der Aufnahme von weiteren Asylsuchenden verhält, kann Bürgermeister Matthias Bauernfeind aber nur sehr vage vorraussagen. Quasi nur sehr tröpfchenweise würde die Zuteilung in die Kinzigtal-Kommune funktionieren, wobei Oberwolfach generell nur die Hälfte dessen aufnehmen kann, was der örtliche Nachbar Wolfach zu kompensieren vermag.

Derzeit 23 Flüchtlinge

Ein weiteres Problem stellt dabei schlicht und einfach die Unterbrinung dar: "Uns fehlen die kommunalen Flächen", so Bauernfeind, der die Containerlösung grundsätzlich ablehnt und statt dessen auf private Beherbergungen setzen möchte. Gerne will man dabei auch auf Sanierungsbedürftiges zurückgreifen, wobei in der Gemeinde händeringend nach Immobilien gesucht wird. Insgesamt befinden sich momentan 23 Flüchtlinge in Oberwolfach und Umgebung.