Bilder lächelnder, zufriedener Menschen, aber auch Abbildungen gebrochener Seelen zeigt die Ausstellung von Fotografin Ingrid Vielsack. Unter dem Titel "Sieh mich an" möchte die Fotografin aus Flüchtlingen Menschen mit Geschichten machen.

Meißenheim. Seit 2014 ist Vielsack als Ehrenamtliche tätig. Mit dem Projekt "Sieh mich an" wollte sie den Flüchtlingen ein Gesicht verleihen, der Mensch sollte in den Fokus rücken. Von den 23 Schwarz-Weiß Bildern gibt es jeweils zwei Ausfertigungen, die bereits zu zahlreichen Ausstellungen gewandert sind. Neben verschiedenen Ausstellungen in Kehl und Offenburg zeigt die Fotografin ihre Bilder auch im Containerdorf in Gutach und Hausach und in Meißenheim. Als weiterer Termin steht auch eine Ausstellung in Lahr an.

Nach einem gut besuchten Gottesdienst wurde die Ausstellung am Sonntag im Alten Rathaus in Meißenheim offiziell eröffnet. Bürgermeister Alexander Schröder begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, die die Ausstellung und die Fotos bereits genauer betrachteten. "Was heißt fremd?", lautete die Frage, die das Gemeindeoberhaupt in die Runde stellte. Oft sei der Begriff "fremd" negativ behaftet, doch "fremd" sei längst nichts Schlechtes. Oftmals genüge es, einen anderen anzusprechen, um Unbekanntes bekannt zu machen und die Hürde des Fremdseins zu überwinden, verdeutlichte Schröder.

Kontakte werden weiter gepflegt

Als der Riedhof in Meißenheim mit Flüchtlingen belegt wurde, gab es auch nicht nur positive Resonanz, wie Schröder einräumte. Allerdings hätten sich die Ansichten gewandelt, "Fremde" und Einheimische seien aufeinander zugegangen und aus "Fremden" Bekannte, gute Bekannte oder sogar Freunde geworden.

Klaus Vielsack informierte über die Arbeit seiner Frau. Ein Bild reiche nicht aus, um die Situation zu verstehen, sondern es brauche auch eine Geschichte, diese hat die Künstlerin alle in einem Buch zusammengefasst. "Und die Geschichten waren so schlimm, dass man sagen kann: Interviews fressen die Seele auf." Dies zeigte sich etwa an der Geschichte von Daia aus dem Irak, die von Vergewaltigungen, dem Verkauf an Männer und dem Tausch von Frauen berichtete, was sie an Suizid denken ließ. Weitere Bilder und Geschichten stellten Geflüchtete aus Syrien, dem Irak, Schlesien, Gambia oder Mali dar.

Die Bilder sind alle in Schwarz-Weiß gehalten, ohne den Einfluss von Farbe. Ingrid Vielsack wollte keine schrecklichen Darstellungen von weinenden Menschen, die auf der Flucht und am Ende ihrer Kraft sind, machen. Zu jedem Flüchtling habe sie bis heute Kontakt, um zu erfahren, wie die Geschichten weitergehen.

"Wir dürfen keine Schwarz-Weiß-Kultur werden", sagte Ingrid Vielsack und appellierte an die Besucher, die Geschichte hinter den Menschen zu durchblicken und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Bürgermeister Schröder dankte den Menschen weltweit, die sich für die Geflüchteten einsetzten und damit die Welt ein wenig besser machten.

INFO

Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist an den beiden Sonntagen, 24. September und 1. Oktober, jeweils von 11 bis 19 geöffnet. Unter Telefon 07824/22 32 können weitere Termine vereinbart werden. Am letzten Tag der Ausstellung, am 1. Oktober, findet ab 10.15 Uhr ein Erntedankgottesdienst in Meißenheim statt. Danach wird ins Alte Rathaus eingeladen, wo geflüchtete Menschen aus dem Riedhof mit kleinen Speisen aus ihrem Land bewirten werden.