Die Stadt Lahr, der Zweckverband IGP und die Lahrer Flugbetriebsgesellschaft haben in China Gespräche über eine Zusammenarbeit zur Entwicklung des Lahrer Flughafenareals geführt. OB Wolfgang Müller zieht eine positive Bilanz.

Lahr (red/sl). "Wir haben großes Interesse an einer Zusammenarbeit mit Lahr gespürt", so der Rathauschef. Dabei sei es um Flüge auf Basis der Fluglizenzen für Europa-Park-Besucher sowie um Frachttransporte gegangen. Ein Verkauf des Flughafens Lahr sei jedoch weder Gegenstand der Gespräche gewesen noch sei ein solcher beabsichtigt, betont der OB. Außer möglichen Flughafenkooperationen gebe es ein Interesse am Aufbau von Beziehungen mit Lahr und der Region vorwiegend in den Bereichen Tourismus, Bildung, Gesundheit und Umwelttechnik, so die Stadtverwaltung in einer Mitteilung.

Die Delegation bestand neben Müller aus dem Friesenheimer Bürgermeister Erik Weide, Michael Erath­, Betriebsleiter der Lahrer Flugbetriebsgesellschaft, und Markus Ibert, Geschäftsführer des Industrie- und Gewerbezentrums Lahr (IGZ). Sie haben, wie die Stadt jetzt mitgeteilt hat, vom 14. bis 19. November Peking, Shanghai sowie die Provinzen Hebei und Jiangsu besucht. Jiangsu ist die chinesische Partnerprovinz von Baden-Württemberg.

Bereits im Juni und Juli hatte Müller im Rathaus chinesische Delegationen empfangen, die über den Lahrer Flughafen bereits mehrfach in der Ortenau zu Besuch waren. Im Oktober war der Bürgermeister beim Deutsch-Chinesischen Bürgermeisterforum in Ludwigshafen als Referent eingeladen, um über umweltorientierte Stadtentwicklung zu sprechen.

Beim Gegenbesuch in China ist vor allem mit der Stadt Pingshan in der Provinz Hebei, deren Hauptstadt Shijiazhuang sowie mit der Stadt Taicang, 50 Kilometer nördlich von Shanghai gelegen, der Aufbau einer dauerhaften Zusammenarbeit besprochen worden. Konkret ist vereinbart worden, einen beidseitigen Anforderungskatalog für die Realisierung von Tourismusflügen nach Lahr zu erarbeiten. Müller: "Wir haben vielversprechende Ansätze gefunden. Erfahrungsgemäß bedarf es aber für umsetzungsfähige Resultate eines längeren Vorlaufs. Solidität und die langfristige Perspektive sind mir wichtiger als ein schneller, spektakulärer Erfolg. Wir kommen zusammen, wenn die Schnittmenge der beidseitigen Interessenslagen groß genug wird. Wir stehen nicht unter Druck, sondern können mit langem Atem auf das richtige Ergebnis hinarbeiten."

Pingshan hat knapp 500 000 Einwohner, Taicang 700 000 und die Hauptstadt Shijiazhuang, in der der Flughafen liegt, sogar zehn Millionen. Pingshan ist eine noch eher ländlich geprägte Region Zentralchinas 270 Kilometer südlich von Peking und hat laut der Stadt Lahr besonderes Interesse am Aufbau eines touristischen und kulturellen Austauschs. In ihrem Gebiet liegen der nach einem großen Unwetter vor einigen Monaten wieder aufzubauende Naturpark HuhuShui sowie die Mao-Gedenkstätte Xibaipo, die zahlreiche chinesische Touristen besuchen.

Taicang ist Standort von mehr als 200 deutschen Firmen, darunter auch von der Firma Schaeffler. Bernd Dallmann, Geschäftsführer der Freiburger Wirtschaftsfördergesellschaft FWTM, hatte den Kontakt vermittelt, ein FWTM-Mitarbeiter vor Ort die Lahrer Delegation in Taicang begleitet. Müller und Weide erklären nun übereinstimmend: "Wir haben sehr aussichtsreiche Anknüpfungspunkte für mögliche Kooperationen gefunden, die auch unserem Zweckverband IGP nutzen können und die nun zu vertiefen sind." IGZ-Geschäftsführer Markus Ibert ergänzt: "Unser Flächenpotenzial in Kombination mit den Anbindungen an den Flugverkehr, die Autobahn, den Zugverkehr und die Nähe zum Rheinhafen Kehl/Straßburg konnten überzeugen."

Laut Müller war es eine dichte Reihe von Treffen, die dazu dienen soll, die im Juni und Juli in Deutschland geknüpften Kontakte zu vertiefen. "Wir waren überrascht, wie groß das Interesse der jeweils ranghöchsten Regierungs- und Parteivertreter an einer ganz konkreten Zusammenarbeit mit Lahr bereits ist. Die möglichen Kooperationsthemen, die wir mit nach Hause genommen haben, von der fliegerischen Nutzung über den Tourismus bis zu Bildungsthemen, werden wir nun nach und nach abarbeiten", so Müller, der sich vor allem von der Zusammenarbeit mit Taicang einiges verspricht. "Schon allein aufgrund der unterschiedlichen Größenordnung ist es mein Ansatz, eine Zusammenarbeit auf eine regionale Ebene zu stellen und auch die Stadt Freiburg, die langjährige Partnerschaften in China hat, einzubinden. Außerdem möchte ich erneut den Ortenaukreis hinzuziehen. Die innovative Abfallverwertung, wie wir sie auf der Ringsheimer ZAK Anlage haben, stößt bei chinesischen Städten stets auf großes Interesse."