Vor zwei Wochen hat das Landratsamt den Betreiber des Bürgerwindparks Südliche Ortenau angewiesen, das "Wummern" der Rotoren zurückzufahren. Green City Energy hat die Anordnung umgesetzt, will daraus aber keinen Dauerzustand werden lassen.

Schuttertal. Julia Morelle, Leiterin des Amts für Gewerbeaufsicht und Immissionschutz beim Landratsamt, hatte, wie berichtet, den Betreiber aufgefordert, die "Impulshaltigkeit" sofort zu senken. Gemeint war damit nicht der maximale Lärmpegel – hier bewegen sich die Windräder seit ihrer Inbetriebnahme im Juni 2016 im Rahmen des Erlaubten –, sondern ein Geräusch, das durch sein An- und Abschwellen als störend empfunden wird. Besonders Anwohner in Schuttertal-Regelsbach waren von dem "Wummern", das durch den Luftzug der Rotoren erzeugt wird, regelrecht genervt.

Seit der Anweisung des Landratsamts, das sogar mit der Stilllegung der Anlagen gedroht hatte, wird der Bürgerwindpark im schallreduzierten Betrieb gefahren. Konkret soll die Impulshaltigkeit laut dem Betreiber Green City Energy von 106 auf 100 Dezibel gesenkt worden sein. Als Faustformel gilt in der Akustik, dass zehn Dezibel Unterschied etwa als doppelte beziehungsweise halbe Lautstärke wahrgenommen wird. Eine Reduzierung um sechs Dezibel ist also nicht gering.

Das Landratsamt kontrolliert die Einhaltung der Anordnung nicht, wie die Behörde auf Nachfrage unserer Zeitung mitgeteilt hat: "Die Impulshaltigkeiten sind nur bei definierter Windrichtung und Windstärke an den maßgeblichen Immissionsorten deutlich wahrnehmbar. Diese Situation ist nicht regelmäßig anzutreffen, weshalb eine behördliche Kontrolle durch zusätzliche Begehungen nicht zielführend ist. Indiz für die Einhaltung der Anordnung ist das Ausbleiben entsprechender Beschwerden."

Anlagen werden im schallreduzierten Betrieb gefahren

Was bedeutet schallreduzierter Betrieb? Nun, der Betreiber hat schlicht die Drehgeschwindigkeit der Rotorblätter begrenzt. Eine Maßnahme, die bei schwachem Wind kaum Auswirkungen hat – weil die Rotorblätter sich in dem Fall ohnehin langsam drehen. Bläst der Wind aber kräftig über die Höhenzüge der südlichen Ortenau, auf denen die sieben Windräder stehen, dann sieht es ganz anders aus. Jörg Bold macht diese Rechnung auf: "Bei starkem Wind produziert ein einzelnes Windrad des Bürgerwindparks 2750 Kilowattstunden. Im schallreduzierten Betrieb sind es rund 2100 Kilowattstunden. Die Differenz kann man dann mal sieben rechnen", so der Geschäftsführer der Bürgerenergie-Genossenschaft, die zu 25,5 Prozent an der Betreibergesellschaft beteiligt ist.

Die Anlage soll Ökostrom aus Bürgerhand erzeugen. Dabei soll die prognostizierte Stromproduktion laut Angaben des Betreibers reichen, um rund 30 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs der drei Standortgemeinden Ettenheim, Schuttertal und Seelbach zu decken. Wie hoch der Ertragsaufall im schallreduzierten Betrieb ist, vermag Bold nicht zu sagen – das hänge eben von den Windverhältnissen ab. Er betont indes, dass man die Anliegen der Anwohner ernst nehme, wirbt aber auch um Verständnis dafür, dass der Betreiber daran interessiert ist, zum Normalbetrieb der Anlagen zurückzukehren.

Wie geht’s weiter? Green City Energy setzt große Hoffnungen in eine "richtlinienkonforme Messung" der Geräuschimmissionen, die ein Fachbüro am 17. November zwischen 19 Uhr und 2.30 Uhr an zwei Standorten in Regelsbach und dem Ortsteil Schuttertal ausgeführt hat. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, sie könnten aber, so wünscht es sich zumindest der Betreiber, die Basis dafür sein, die Drosselung der Rotoren zurückzunehmen und wieder den Normalbetrieb zu fahren.

Die Antwort des Landratsamts Ortenaukreis auf eine Nachfrage unserer Zeitung lässt diese Hoffnung jedoch eher unrealistisch erscheinen. Darin unterstreicht die Behörde ihre Forderung an den Betreiber, die "Impulshaftigkeit" der Anlage dauerhaft im Rahmen zu halten. "Diese Forderung wird auch nicht entkräftet, wenn durch eine kommende Messung durch einen anerkannten Gutachter belegt wird, dass die Anlagen im genehmigungskonformen Betrieb laufen. Eine Rücknahme der Anordnung ist daher nicht denkbar."