Von Endrik Baublies

Sulz. Der Neujahrsempfang der SPD ist ungewöhnlich gewesen: Heide Beuschel erzählte den Genossen und Besuchern am Sonntag in der "Dammenmühle" eine sehr interessante Geschichte über Toleranz. Der anstehende Landtagswahlkampf und die Flüchtlinge waren die anderen beherrschenden Themen.

Die Geschichte Beuschels war eine Allegorie. Wenn alle Ausländer aus der gemeinsamen Wohnung verschwinden müssten, würden Schokolade, Kakao, Pralinen, alle Südfrüchte aber auch Rosinenkuchen, Lebkuchen, die tropischen Hölzer, Seidenhemden, Öl und Benzin ausziehen. Bei "Stille Nacht – heilige Nacht" wird es eine Ausnahmegenehmigung geben. "Das Lied stammt aus Österreich." Beuschel hatte dazu eine Vision. "Zurück bleibt – obwohl jüdisch – die Heilige Familie, sie weist den Weg zurück zu Toleranz und Menschlichkeit."

Mark Rinderspacher, Vorsitzender des Lahrer Ortsvereins, würdigte in seinem Rückblick vor allem das einheitliche Aufstehen aller Fraktionen und Mitglieder des Gemeinderates im Herbst 2015 gegen eine Kundgebung der NPD auf dem Sonnenplatz. Er dankte Walter Caroli: "Du hast als Versammlungsleiter die passenden Worte gegen das rechte Pack gefunden." Themen, die Rinderspacher daneben ansprach, waren die Situation der Flüchtlinge in Lahr. "Wir haben die Verpflichtung, diesen Menschen zu helfen." Der Vorsitzende dankte dabei auch allen Ehrenamtlichen.

Roland Hirsch, Fraktionsvorsitzender der SPD im Lahrer Gemeinderat, bezog sich auf die Zukunft. Da steht vor allem die Landesgartenschau im Jahr 2018 in Lahr auf der Agenda. "Boomtown Lahr macht was her." Lahr nach der LGS würde "eine Perle unter den großen Kreisstädten im Kreis" werden. "Wir sind auf der Überholspur."

Von da war es nicht mehr weit zum Wahlkampfauftritt. Karl-Rainer Kopf, Landtagskandidat der Genossen für den Wahlkreis, erklärte, dass Politik von der Verlässlichkeit leben würde. "Ich kann mich auf den Ortsverein Lahr verlassen." Kopf lobte den Wirtschaftsstandort Lahr und den des Landes" sowie die "soziale Kompetenz der grün-roten Regierung in Stuttgart. "Warum sollen wir das ändern?"

Das hatte Caroli, der hier den Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller vertrat, so erklärt: "Als Nabu-Mann mag ich den Wolf – aber nicht jeden." Man solle also alles dran setzen, dass die derzeitige Regierung auch nach der Wahl im März am Ruder bleiben solle. Es gebe keinen Grund, dass der CDU-Kandidat Guido Wolf das Amt von Ministerpräsident Winfried Kretsch­mann (Grüne) übernehmen sollte. Die nicht gerade berauschenden Umfragewerte der SPD nahmen alle zur Kenntnis – mit dem Versprechen, in den kommenden knapp 70 Tagen bis zur Wahl die Ärmel aufzukrempeln.