Lahr (ha) Johannes Bigge zählt zu den großen Nachwuchshoffnungen des deutschen Jazz. Der aus Leipzig stammende Pianist pflegt die lyrischen Momente, die er mit klassischen Harmonien und einer Prise Popmusik würzt. Auf Einladung des Kulturkreises gastierte er mit seinem Trio im Stiftsschaffneikeller.

Die im Sommer aufgelegte Reihe "Jazz im Keller" hat den Machern des Kulturkreises vor Augen geführt, dass die Bäume in der kulturellen Nische nur in Ausnahmefällen in den Himmel wachsen. Alltag in Sachen Jazz heißt, sich im Regelfall mit zwei, drei Dutzend Zuhörern zu begnügen und dabei immer wieder Basisarbeit zu leisten. Die Reihe "Jazz im Keller" ist auf einem guten Weg, wenn sie weiter auf junge Talente setzt.

Genau hier ist auch das "Johannes Bigge Trio" zu verorten. Der junge Pianist aus Leipzig ist ein Schüler von Michael Wollny, der sich unüberhörbar zwischen Jazz, Klassik und Popmusik bewegt. Er lädt zum Träumen und Schwelgen ein, setzt auf atmosphärische Momente, die nur selten in expressiven Ausbrüchen explodieren. Das Publikum wird nicht herausgefordert, nicht mit wilden Dissonanzen und allzu schrägen Tönen konfrontiert.

Verdichtungen und nur ein paar schräge Töne

Bigge (Klavier), Athina Kontou (Kontrabass) und Moritz Baumgartner (Schlagzeug) setzten stattdessen auf feine Zwischentöne und lyrische Gesten, eine oft auch wunderbar entspannt daherkommende Klanglandschaft. Da tauchen dann Stücke wie "Choral" auf, eine Komposition, die mit einer fast schon an Bach erinnernden Tonsprache das am Sonntag vorgestellte Debütalbum des Trios einleitet. "Pegasus" schlendert lustvoll über die Spielwiese des klassischen Klaviertrios, lässt hier und da repetitiv angelegte Verdichtungen zu, ein paar schräge Töne und Improvisationen. Das Feld wird aber selten umgepflügt, sondern in der Regel eher dezent und träumerisch bearbeitet.

Das Publikum kann sich dabei fallen lassen und genießen, Atem schöpfen für einen Alltag ohne musikalische Poesie.