Wer ist Martin Schulz? Welche Aufgaben hat Angela Merkel? Was bedeutet es, Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland zu sein? Der Jugendmigrationsdienst arbeitet derzeit mit einer Gruppe von Flüchtlingen diese Fragen auf.

Lahr. Das Rap-Duo "Zweierpasch" hat am Mittwoch auf eine unterhaltsame Art im "Schlachthof" einen gelungenen Versuch gemacht, diese Frage zu erklären. Hinter "Zweierpasch" stecken Felix und Till Neumann. Das Duo ist in der Region zu Hause und versteht sich als Grenzgänger – vorwiegend zwischen Frankreich und Deutschland. So war der Kontakt im "Schlachthof" zu der Syrerin Ala, den Afghanen Alikan und Ehsan sowie Juri aus Kasachstan nicht weiter schwer. Alle vier Teilnehmer sprechen dazu ein ganz ordentliches Deutsch. "Neuland Wahlen" ist ein langfristig angelegtes Projekt (siehe Info). Mit dem von den Brüdern Neumann vorbereiteten Rap sollten auf eine für die Jugendlichen spannende und unterhaltsame Art die Fragen, wer welche Rolle in der deutschen Politik spiele, beantwortet werden.

Das gelang schnell und für die Materie recht unkompliziert – auch mithilfe eines Ghettoblasters. "Typisch, typisch, es ist echt typisch", lautete der Refrain. Ergänzt durch eine Auswahl der politischen Parteien in Deutschland mit der einfachen Erkenntnis: "Alle Parteien mischen mit".

Das Quartett hörte kurz zu, wie "Zweierpasch" den gesamten Text einmal vortrug. Dann stimmten alle ein – zuerst etwas zögerlich: "Typisch CDU – Merkel will es schaffen" lautete der Einstieg, gefolgt von "Typisch SPD – mehr Geld für die Schwachen". Die AfD wolle "Deutschland nur für Deutsche", die FDP sei vor allem für "Freiheit für die Leute". Die Linke sei für das Wahlrecht von Migranten.

Zuvor hatte die Organisatoren Bilder gezeigt. Frank-Walter Steinmeier, immerhin Bundespräsident, war dem Quartett unbekannt. Dafür erkannten alle, wie das Staatsoberhaupt der Mannschaft von "Borussia Dortmund" den DFB-Pokal überreicht hatte. Etwas bekannter war der SPD Kanzlerkandidat Martin Schulz bei der Vorstellungsrunde. Der Kommentar von Felix Neumann war dagegen sicher umgekehrt etwas schwerer zu verstehen: "Martin Schulz hatte die größten Chancen, den Platz von Angela Merkel einzunehmen."

INFO

Neuland Wahlen

Das Projekt hat der Jugendmigrationsdienst Lahr angestoßen. Neben dem Rap am Mittwoch hat es bereits eine Podiumsdiskussion mit Politikern der Region im Frühjahr gegeben. In mehreren Veranstaltungen haben die insgesamt 10 bis 15 Teilnehmer etwas über das politische System in Deutschland erfahren. Im vergangenen Monat stand ein Besuch in Freiburg bei der Landeszentrale für politische Bildung auf dem Programm. Im  kommenden Monat besuchen die Teilnehmer Berlin – darunter auch den Bundestag. Das Ende des Projektes fällt zeitlich mit der Bundestagswahl zusammen.