Lahr (ha). Der deutsche Schauspieler und Autor Christian Berg hat den Roman "Oliver Twist" als lebendiges und berührendes Familienmusical auf die Bühne gebracht. Aufgrund einer unglücklichen Terminüberschneidung fand die aufwendig inszenierte Produktion in Lahr aber nur eine mäßige Publikumsresonanz.

Die im Rahmen der Reihe "Potzblitz! – Kultur für Kids" angesetzte Aufführung des Familienmusicals erntete am Samstagnachmittag zu Recht den anhaltenden Beifall der rund 200 Kinder und Erwachsenen in der Stadthalle. Berg hat den 1838 erschienenen Gesellschaftsroman von Charles Dickens nicht nur in ein lebhaftes und spritziges Spektakel mit viel Musik und anrührenden Momenten verwandelt. Das von Liedermacher Konstantin Wecker vertonte Musical überzeugte auch als kraftvolles Sittengemälde einer von Armut, Gewalt und Kinderarbeit geprägten Epoche, in dem immer wieder aktuelle Bezüge aufblitzten. Dabei wurden auch Korruption und Geldgier thematisiert, außerdem die Verwerfungen des beginnenden Industriezeitalters, in dem die Unterschicht erbarmungslos ausgebeutet wurde und Kinder so gut wie keine Rechte hatten. Berg und sein Ensemble warteten mit einer Aufführung auf, die immer auch für mehr Menschlichkeit und für eine Besinnung auf die Sprache des Herzens plädierte.

Am Ende kollidierte die mehr als ein Jahr im Voraus terminierte Veranstaltung des Kulturamts aber mit der 37. Auflage der Lahrer Stadtmeisterschaft. Sport und Kultur buhlen sicherlich nur bedingt um eine und dieselbe Zielgruppe. Wenn 600 Kinder Fußball spielen, ist das Wochenende aber für viele Familien schlichtweg ausgebucht. Da bleibt kein Raum mehr eine zusätzliche Nachmittagsvorstellung. Das Kulturamt zielte so mit einem sehenswerten, sicherlich nicht ganz billigen Glanzlicht des städtischen Kinderprogramms in die relative Leere einer mäßig besuchten Stadthalle.