Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller wird die World-Mayor-Auszeichnung für Verdienste zur Integration verliehen. Bei dem weltweiten Projekt nimmt er den zweiten Platz ein und erhält den Titel "Vize-Weltbürgermeister".

Lahr. Die "City Mayors Foundation" mit Sitz in London hat bereits gestern Abend die Ergebnisse bekannt gegeben. Der erste Platz ging an den Bürgermeister von Mechelen in Belgien, Drittplatzierter ist der Bürgermeister von Athen. "Alle drei Stadtoberhäupter haben wesentlich zur Integration von Immigranten und der Aufnahme von Flüchtlingen in ihren Kommunen beigetragen", so die Organisation. Die Bürgermeister Bart Somers (Mechelen), Wolfgang G Müller (Lahr) und Georgios Kaminis (Athen) seien zu europäischen Vorbildern geworden.

Oberbürgermeister Müller hatte eigentlich erst heute mit der Nachricht gerechnet, wie er bei der Wahl zum Weltbürgermeister abgeschnitten hat. So war es zuvor angekündigt worden. Schon im Vorfeld war Müller bemüht, den Ball flachzuhalten. Heute sei "ein ganz normaler Tag" für ihn. In seinem Terminkalender sei auch kein Platz für eine Feier reserviert.

Vormittags sind zum Beispiel Gespräche mit den Bürgermeistern Guido Schöneboom und Tilman Petters sowie dem Personalrat vorgesehen, nachmittags nimmt der OB unter anderem am Richtfest für neue Wohnungen am "Goethebrunnen" teil. Ziemlich sicher darf Müller heute trotz des verpassten ersten Platzes viele Glückwünsche entgegen nehmen. Bei der Wahl des "World Mayor" wird auch ein zweiter und ein dritter Platz vergeben, für herausragende Verdienste für die jeweilige Kommune.

Aus seiner gespannten Erwartung machte er gestern allerdings keinen Hehl. "Ich bin neugierig", sagte er und, auf einen möglichen Erfolg angesprochen: "Das würde mich sehr freuen." Es sei eine Auszeichnung für ganz Lahr, bei der Wahl überhaupt so weit gekommen zu sein, betont er.

Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre von der City Ma­yors Foundation mit Sitz in London verliehen. Diesmal sollte ein Schultes den Preis erhalten, dessen Stadt sich besonders für Mi­granten eingesetzt hat. 38 Bürgermeister waren dafür Anfang 2016 nominiert worden, darunter die Stadtoberhäupter von Aleppo, Athen, Barcelona, Dallas, Salz­burg oder Wien. Später ist das Teilnehmerfeld in zwei Auswahlrunden reduziert worden, erst auf 15, dann auf fünf Bewerber. Müllers Konkurrenten waren die Bürgermeister von Mechelen, Lampedusa und Grande Synthe (bei Dünkirchen). Mit der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker war noch eine Deutsche dabei.

Die City Mayors Foundation hat die Kandidaten übrigens nicht selbst ausgewählt. Vielmehr kann an der Wahl nur teilnehmen, wer dafür vorgeschlagen wird. Müller weiß nicht, wer seinen Namen ins Spiel gebracht hat. Gleichwohl hat schon das Auswahlverfahren gezeigt, dass er auf eine breite Unterstützung in der Stadt zählen kann, finden sich doch auf der Internetseite zu seiner Nominierung zahlreiche Stimmen, die seinen Beitrag zur Integration hervorheben. Die Zahl dieser Statements, in denen Bürger sich für den Titelgewinn "ihres" Stadtoberhaupts einsetzten, war bei Müller erheblich größer als bei seinen Konkurrenten.

Der OB dankte im Gespräch mit unserer Zeitung allen, die sich für ihn stark gemacht haben. Das bedeute ihm sehr viel. Ebenso wie ein gutes Abschneiden bei der Wahl. Sei doch die Entscheidung, die von einer Jury gefällt wird, "nicht beliebig". Grundlage sind nicht nur die Beiträge von Unterstützern, vielmehr hat der Veranstalter von der Stadt umfangreiche Unterlagen zu ihrer Integrationsarbeit angefordert. Müller hatte einen Fragenkatalog zu beantworten und ein Essay zu dem Thema zu schreiben. Darin hebt er hervor, dass man die Aufgaben eines europäischen Bürgermeisters "niemals mit denen in den jeweiligen Krisengebieten der Welt vergleichen" könne. Die Auszeichnung wird seit 2004 verliehen.