Nach Herzinfarkt und Tumorerkrankungen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen. Der Freundeskreis des Klinikums Lahr greift das Thema in einem Vortragsabend auf.

Lahr (bk). Dabei wird Harald Brodoefel, Chefarzt der Radiologie in Lahr, über den als revolutionär geltenden Einsatz von Kathetern sprechen, mit deren Hilfe bei schwersten Schlaganfällen Gerinnsel aus Gehirnschlagadern entfernt werden können. Die Technik, mechanische Thrombektomie genannt, wird seit einem halben Jahr am Lahrer Klinikum als einziger Klinik zwischen Freiburg und Karlsruhe eingesetzt (siehe Info-Kasten).

Auffrund seiner gravierenden Folgen für das Alltagsleben –­ Lähmungen und oft Sprachstörungen – ist der Schlaganfall gefürchtet, auch wenn er dank der modernen Medizin meist überlebt wird. Dabei werden die meisten Schlaganfälle durch Verschlüsse der hirnversorgenden Schlagadern verursacht.

Bislang wurden die dafür verantwortlichen Blutgerinnsel ausschließlich durch die Gabe von Medikamenten aufgelöst. Entscheidend für den Erfolg einer gefäßöffnenden Behandlung ist das schnelle Erkennen der Schlaganfall-Symptome und die möglichst schnelle Aufnahme des Betroffenen in einem auf Schlaganfälle spezialisierten Krankenhaus. Am Klinikum Lahr steht dafür schon seit 1998 die Schlaganfalleinheit, mittlerweile einfach "Stroke unit" genannt, zur Verfügung.

Die Lahrer Klinik ist als Regionaler Schlaganfallschwerpunkt zertifiziert. Oberarzt Patrick Siegel wird beim Vortragsabend des Freundeskreises den Problemkreis Schlaganfall verständlich erläutern. Schon allein der Verdacht auf einen Schlaganfall sollte Patienten sofort ins Klinikum führen. Die Neurologen sagen: Zeit ist Gehirn, weil sonst die Blutzufuhr im Gehirn zu lange unterbrochen wird.

Die medikamentöse Auflösung eines Blutgerinnsels als Basistherapie ist bei sehr großen Gerinnseln nicht mehr ausreichend wirksam. Deshalb wird diese Technik jetzt ergänzt durch das mechanische Entfernen von Blutgerinnseln aus Gehirnschlagadern mit einem Katheter. Die Methode gilt als bahnbrechend. Brodoefel hat dieses mechanische Entfernen von Blutgerinnseln am Klinikum Lahr zusammen mit den Neurologen eingeführt und mittlerweile mehr als zehn Patienten damit geholfen.

Der Vortrag des Freundeskreises Klinikum und der Volkshochschule beginnt am Montag, 29. Mai, um 19 Uhr im Haus zum Pflug. Der Eintritt ist frei.

INFO

Revolutionäre OP-Methode

Die Thrombektomie wird seit einem halben Jahr am Lahrer Klinikum erfolgreich praktiziert. Dabei schieben spezialisierte Neuroradiologen von der Leiste des Patienten aus einen Katheter bis an die Stelle des Gehirns, wo das Blutgerinnsel eine Arterie blockiert hat. Der Katheter durchbohrt den Thrombus und umschließt das Gerinnsel mit einem Stent wie ein Drahtkäfig. So kann es entfernt werden. Entweder durch Absaugen oder aber durch das Zurückziehen des Katheters.