Von Christine Breuer

Lahr. Alzheimer ist heilbar – sagt Michael Nehls. Der Mediziner war gestern im Ludwig-Frank-Haus zu Gast und stellte bei einem Pressegespräch sein neues Buch vor. Gleichzeitig präsentierte Stefan Naundorf, Leiter des Awo-Seniorenzentrums, die neu gestalteten Räume der demenzorientierten Wohngruppe.

Insgesamt 130 000 Euro hat das Ludwig-Frank-Haus in die Umgestaltung des Teilbereichs investiert. Von der ARD-Fernsehlotterie wurde die Maßnahme mit 35 000 Euro gefördert. Die bisher 30 Patienten zählende Wohngruppe wurde in zwei kleine geteilt. Ein Patientenzimmer und ein Lagerraum wurden aufgelöst und in einen Wohnraum verwandelt, in dem Ohrensessel, ein altes Radio auf einem Sideboard, ein großer Tisch mit Stühlen, weiches Licht und alte Fotos von der Stadt Gemütlichkeit ausstrahlen.

 

Nicht eingesperrt

In einer kleinen Küche können Speisen und Getränke zubereitet werden. Am Ausgang werden durch Bewegungsdrang unruhige Demenzpatienten gebremst. "Wir schließen sie nicht ein. Die Tür nach draußen ist lediglich durch einen Zahlencode gesichert", informiert Naundorf. "Wenn jemand hinaus möchte, wird er begleitet oder in den Sinnesgarten gelenkt." So wolle das Team eine noch bessere und individuellere Betreuung garantieren.

Die Intention der Heimleitung geht aber noch weiter. Naundorf lädt in Kooperation mit der Volkshochschule Friesenheim Angehörige der Patienten sowie alle anderen Interessierten zu einem Vortrag in die Sternenberghalle ein.

Michael Nehls, Mediziner und Molekulargenetiker aus Freiburg, hat sich eingehend mit der Thematik Alzheimer und Demenz befasst, hat geforscht und sich der Aufklärung verschrieben. Sein neuestes Buch trägt den Titel "Alzheimer ist heilbar". Alzheimer, sagt Nehls, sei eine Zivilisationskrankheit, der man nicht nur vorbeugen, sondern die man sogar heilen könne, so lange sie ein gewisses Stadium noch nicht erreicht hat.

Zuständig für Lernen, Erinnern und Speicherung der Lebensdaten ist der Hippocampus, ein Teil des Gehirns, das ständig neue Nervenzellen produziert. Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf, weniger Stress, gesunde Ernährung mit Vitaminen und Spurenelementen – das seien Faktoren, die die Lebensfähigkeit dieses Organs erhalten könnten. Auch Hunde könnten dabei helfen, geistig fit zu bleiben. Zum einen wegen der Bewegung, die die täglichen Spaziergänge mit sich bringen, zum anderen wegen eines "Kuschelhormons", das freigesetzt werde, sobald der Hund zu Frauchen oder Herrchen kommt.

 

Erste Anzeichen

Vergessen gehöre zum Leben dazu, betont Nehls. Dazu zählt er auch, mal nicht an den eingeschalteten Herd gedacht zu haben. Spätestens, wenn man darüber nachdenke, wer angefangen hat zu kochen, sollten aber Maßnahmen ergriffen werden. "In der Regel merkt der Betroffene zu Beginn der Krankheit selbst, dass etwas nicht stimmt. Sobald das Umfeld aufmerksam wird, wird es Zeit, zum Arzt zu gehen", erklärt der 52-Jährige.

Der Vortrag von Michael Nehls findet am Mittwoch, 28. Oktober, ab 20 Uhr in der Sternenberghalle in Friesenheim statt. Karten gibt es zu acht Euro in Lahr bei der Buchhandlung Schwab, bei der VHS in der Kaiserstraße 41, im Ludwig-Frank-Haus und bei Schreibwaren Erb in Friesenheim.