Von Stefan Maier

Lahr. Beruflich sind sie Partner, in der Politik Konkurrenten: Wie Karl-Rainer Kopf (SPD) tritt Matthias Kappis (FDP) bei der Landtagswahl 2016 zum zweiten Mal als Kandidat im Wahlkreis Lahr-Wolfach an. Im Gespräch mit unserer Zeitung nennt Kappis seine Schwerpunkte.

Ob er über die Zweitauszählung im zweiten Anlauf den Einzug in den Stuttgarter Landtag schafft, ist eine Frage, bei der sich Kappis keinen übertriebenen Hoffnungen hingibt. Optimistisch ist er aber, dass die FDP in ihrem Stammland Baden-Württemberg gut abschneidet: "Sieben Prozent plus X", ist seine Prognose für die Landtagswahl am 13. März 2016. "Die Leute werden merken, dass liberale Politik einfach fehlt", betont Kappis beim Redaktionsgespräch. "Die Bevormundung der Bürger nimmt immer zu", nennt der FDP-Kandidat einen aus seiner Sicht wichtigen Punkt. "Wir betreiben auch eine vernünftige Wirtschaftspolitik", fügt er hinzu. Ein Land wie Baden-Württemberg brauche einen eigenen Wirtschaftsminister, sagt Kappis mit Blick auf den SPD-Spitzenkandidaten Nils Schmid hinzu, der in Personalunion Finanz- und Wirtschaftsminister ist. Kappis: "Die Verzahnung von Wirtschaft und Politik ist völlig auf der Strecke geblieben." Es gehe darum, nicht die Konzerne, sondern den Mittelstand vor Ort zu fördern: "Das ist das Rückgrat in Baden-Württemberg."

"Asylverfahren beschleunigen"

In der Bildungspolitik gehe es der FDP um die Schulvielfalt, so der 48-Jährige weiter. "Verlässlichkeit ist ganz wichtig", sagt er mit Blick mit auf die bestehenden Gemeinschaftsschulen, die weitermachen sollen. Aber es gehe darum, vor allem in den Städten die Vielfalt der Bildungsangebote zu erhalten. Unabhängig von der Schulart sei entscheidend, "dass der Unterricht gut ist und die Lehrer engagiert sind", so Kappis, der sich vorstellen kann, den Lehrkräften Motivationsanreize in Form von finanziellen Zulagen zu geben. Die Themen Wirtschaft und Politik kommen im Unterricht "völlig zu kurz", ist Kappis überzeugt. Die Lehrpläne müssten zeitgemäß gestaltet werden, um auch etwas gegen die Politikverdrossenheit zu tun, fordert er. Kappis: "Schulen müssen mehr politische Bildung vermitteln."

"Wir müssen die Asylverfahren beschleunigen", nimmt der FDP-Kandidat zur Flüchtlingskrise Stellung. "Das muss im Prinzip eine Woche dauern und nicht Monate", so Kappis mit Blick auf die Menschen aus den Balkan-Staaten. Dass man Kriegsflüchtlingen hilft, sei selbstverständlich, stellt er klar. Und auch Kappis ist der Meinung, dass es einen europäischen Schlüssel zur Verteilung der Flüchtlinge geben muss. Es könne nicht sein, "dass manche EU-Staaten gar keine Menschen aufnehmen. Ein weiterer wichtiger Punkt aus Kappis’ Sicht: "Den Flüchtlingen, die hier bleiben, muss man einen raschen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen", spricht der Landtagskandidat den Fachkräftemangel in Deutschland an.

Nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene sieht Kappis seine Partei gut aufgestellt. Nachdem die FDP 2013 den Bundestag verlassen musste, sei es noch vor zwei, drei Jahren "todschick" gewesen, über die Partei zu lachen. "Der Spott und die Häme sind mittlerweile weg", so Kappis. Der Grund: Es sei der FDP gelungen, sich programmatisch und personell neu aufzustellen.