Die ehemalige Lederfabrik in der Martin-Luther-Straße soll zu einem Wohn- und Geschäftshaus umgebaut werden. Dafür muss der Bebauungsplan geändert werden, wofür der Technische Ausschuss nun grünes Licht gegeben hat.

Lahr. Das Areal in Dinglingen ist Teil der Industriegeschichte der Stadt Lahr. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Gebäude eine Schnupftabakfabrik, später diente es als Gerberei. Seit 1930 war das 1848 in Tuttlingen gegründete Unternehmen der Familie Lamparter dort beheimatet. Der Beruf der Gerber hatte in der Familie eine lange Tradition, bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts lässt sie sich zurückverfolgen. 1995 musste der damals 70-jährige Gerbermeister und Seniorchef Adolf Lamparter die Produktion dann aber aufgeben, da sich Gerbereien in Deutschland nicht mehr wirtschaftlich führen ließen. Seither steht das Gebäude weitgehend leer. Dabei hat es eine reizvolle Lage, wird es doch auf einer Seite von der Schutter und auf der anderen Seite vom Sulzbach umgeben – die beiden Gewässer vereinigen sich dort.

Der heutige Inhaber Martin Lamparter will das Areal in der Nähe des Hallensportzentrums nun einer neuen Nutzung zuführen. Die Mitglieder des Ausschusses bekamen eine grafische Ansicht vorgeführt, die zeigte, wie das Wohn- und Geschäftshaus nach dem Umbau aussehen soll: Ein schmuckes, dreistöckiges Gebäude mit Balkonen, die Fassade ist in Gelb gehalten – eine Reminiszenz an den Namen "Gelbe Mühle", unter dem das Gebäude einst in Lahr bekannt war. Rund zwölf bis 14 Wohnungen und Geschäftseinheiten unterschiedlicher Größe sollen auf 1600 Quadratmetern Nutzfläche entstehen, wie Martin Lamparter, Zuhörer in der Sitzung des Ausschusses, unserer Zeitung mitteilte. Die Ausbaupläne seien aber noch im Anfangsstadium.

Geplant sind zwölf bis 14 Wohnungen auf 1600 Quadratmetern

Das Thema ist in dem Gremium behandelt worden, da der für das Areal gültige Bebauungsplan aus dem Jahr 1987 von der Martin-Luther-Straße aus einen 22 Meter breiten Mischgebietsstreifen festlegt. Im hinteren Bereich sind ein Gewerbegebiet beziehungsweise ein eingeschränktes Gewerbegebiet festgesetzt. Das ehemalige Fabrikgebäude befindet sich in den Gewerbegebieten, gemäß dem Bebauungsplan ist die Umwandlung in ein Wohnhaus somit nicht genehmigungsfähig. Deshalb hat es laut der Sitzungsvorlage "intensive Abstimmungen zwischen Eigentümer und Stadt gegeben", in denen man sich einig geworden sei.

"Vor dem Hintergrund des Ziels der Innenentwicklung und der positiven Bevölkerungsentwicklung Lahrs ist eine Revitalisierung und Umnutzung des Standorts sinnvoll", so die Stadtverwaltung. Nun gehe es darum, den Bereich städtebaulich neu zu ordnen und das Mischgebiet nach Osten auszudehnen. Deshalb soll der Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren geändert werden, eine Maßnahme, der die Ratsmitglieder am Mittwoch einhellig und ohne Diskussionsbedarf zustimmten.

Die Stadtverwaltung hat sich auch damit beschäftigt, ob der Boden des Areals durch eine ehemalige Betriebstankstelle und durch die Gerberei verunreinigt worden ist. Hier konnte jedoch Entwarnung gegeben werden, hat doch bereits 2001 eine Untersuchung des Landratsamts ergeben, dass der Boden nicht belastet ist. Eine Umweltprüfung ist also nicht mehr nötig.

Im Dezember wird das Thema im Gemeinderat behandelt. Gibt auch dieses Gremium grünes Licht, woran nach der Zustimmung im Technischen Ausschuss nicht zu zweifeln ist, soll die Planung konkretisiert werden. Mit dem Umbau der ehemaligen Lederfabrik könnte dann Ende 2017 begonnen werden.