Die Lahrer Kunstakademie hat ihren 20. Geburtstag gefeiert. Landrat Frank Scherer würdigte in seiner Laudatio das herausragende Engagement einer privaten Studieneinrichtung, die noch nie öffentliche Gelder und Fördermittel beantragt habe.

Lahr. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten betreiben Franzjoseph Held und seine Frau Ingrid Benner-Held die Lahrer Akademie für Bildende Kunst. Die Bildungseinrichtung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Studierende auf ihrer Suche nach einer künstlerischen Identität zu begleiten. Die beiden ursprünglich aus Bonn stammenden Designer betreiben seit 1997 eine Schmiede der modernen Kunst, die bisher rund 270 Kunststudenten durchlaufen haben, darunter mehr als 70 Absolventen mit staatlich anerkanntem Studienabschluss.

Die beiden zuvor als Dozenten an der Kunstschule Freiburg aktiven Akademieleiter haben sich bewusst für einen Standort abseits des universitären Kunstbetriebs der großen Metropolen entschieden. Sie sind dabei in vielerlei Hinsicht ein Risiko eingegangen, haben im Laufe der Jahre aber eine Studieneinrichtung eta­bliert, die sich zu einer wichtigen Säule der südbadischen Kunstszene entwickelt hat, wie Scherer betonte.

Besonders bemerkenswert sei dabei, dass die Kunstakademie bis heute nicht einen einzigen Euro an öffentlichen Fördermitteln beantragt oder erhalten habe, so der Landrat. Franzjoseph Held und seine Frau Ingrid hätten den manchmal auch steinigen Weg der institutionellen Unabhängigkeit gewählt. Sie seien belächelt worden, als sie vor 20 Jahren bei den örtlichen Banken um einen Kredit angefragt hätten.

Aktuell sind 40 Studenten an der Akademie eingeschrieben, die sich nach wie vor ausschließlich aus den Semestergebühren finanziert. Das seit einigen Jahren durch Bukurije Dalladaku verstärkte Dozententeam setzt auf mannigfaltige Weise künstlerische und kulturelle Impulse, wie auch Bürgermeister Tilman Petters als Vertreter der Stadt Lahr betonte. Als Meilenstein in der Akademiegeschichte hat sich der einige Jahre zurückliegende Umzug in das Zeit-Areal erwiesen. Die oberste Maxime sei die Freiheit der Kunst, wie Held betonte. Vorstellbar sei für ihn allenfalls eine projektbezogene Förderung, das Ausschöpfen synergetischer Effekte im Zusammenspiel mit Wirtschaftsunternehmen, die an der Entwicklung unabhängiger und kreativer Künstlerpersönlichkeiten interessiert seien.

INFO

Studium

»Das Studium der Bildenden Kunst bietet ein breit gefächertes Angebot an handwerklichen und maltechnischen Kenntnissen«, heißt es auf der Website der Lahrer Akademie für Bildende Kunst. Erprobt werde der Umgang
mit verschiedenen Materialien und Werkstoffen. Auch experimentelle, interdisziplinäre Bildverfahren sollen erforscht werden. Vorlesungsangebote und Ateliergespräche aus dem Bereich der Kunstwissenschaft sollen die praktische Atelierarbeit der Studierenden ergänzen. Die Regelstudienzeit für das Vollstudium beträgt acht Semester. Für die berufsbegleitenden Studiengänge verlängert sich die Regelstudienzeit um vier Semester.